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Batman: Der weiße Ritter: Joker übernimmt

17.04.19 (Comic, Superhelden)

Ende März 2019 hat Panini Comics damit begonnen, die hochgelobten „erwachsene“ Batman-Stories von DCs „Black Label“ auch in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Gleich mit zwei Titeln wird Batman auf düstere Weise herausgefordert: „Batman Damned“ und „Batman: Der weiße Ritter“. Die Stories sind in sich abgeschlossen und stehen außerhalb des „normalen“ Batman-Kanons, was den Kreativen etwas mehr Freiraum verschafft. Dabei war Sean Murphys Mini-Serie „The White Knight“ eigentlich gar nicht als Titel für das „Black Label“ gedacht und erst im Nachhinein zu deren Grundstein erklärt worden. Aber genug von Batman, jetzt übernimmt der Joker.

Denn niemand anderes ist der „Weiße Ritter“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Gotham von den Zerstörungen und dem Terror des „dunklen Ritters“ Batman zu befreien. Wie das?, wird sich der geneigte Leser fragen. Autor und Zeichner Sean Murphy gibt eine bestürzende Antwort in seiner großartigen Geschichte, die in den USA ursprünglich als achtteilige Heftserie erschienen ist und erst nachträglich in einem Sammelband zum ersten Titel des neuen „Black Label“ Imprints auserkoren wurde.

Aber lassen wir mal die publizistischen Feinheiten beiseite; es hat schon immer „erwachsenere“ Batman –Stories gegeben („The Dark Knight“) und auch solche, die als Graphic Novel („Die Pforten von Gothham“) durchgingen und in den „Batman“-Megabänden die unregelmäßig bei Panini Comics erscheinen würden nur solche Stories gesammelt, die aus dem Batman-Kanon und der Chronologie der Heft-Serien herausfielen. Ich kann die „Batman“-Megabände an dieser Stelle nur empfehlen, selbst, wenn man von Comics, Superhelden oder Batman keine Ahnung hat.

Wie auch immer: Der Joker, hier in Anlehnung an einen Tim Burton Film als Jack Napier identifiziert, wurde aus der Nervenheilanstalt Arkham Asylum als geheilt entlassen. Mit seiner Lebensgefährtin Harleen Quinzel alias Harley Quinn, die ja Psychologin ist, versucht Napier seinen Ruf zu reparieren. Er engagiert sich in der Stadtentwicklung und der kommunalen Politik, versucht benachteiligte Stadtteile ins öffentliche Interesse zu rücken und beginnt einen Feldzug gegen Batman.

Jokers Argument: Der sogenannte „Beschützer“ Gothams ist außer Kontrolle. Er lässt sich nicht von der Polizei unterstützen oder von der Justiz reglementieren. Seine „Verbrechensbekämpfung“ ist in einen persönlichen Rachefeldzug ausgeartet. Zudem kosten Batmans Zerstörungen, die Kollateralschäden der Gaunerjagd, die Stadt mehr als die Verbrechen es tun würden. Das hört sich alles recht vernünftig an und der intelligente Napier hat schnell einen Teil der Bevölkerung auf seiner Seite. Dann sind immer mehr Politiker und Entscheider von den Argumenten überzeugt und Batman gerät zunehmend unter Zugzwang. Selbst Batmans Sidekicks und Commissioner Gordon beginnen zu zweifeln.

Nur einer bleibt hart und unnachgiebig: Batman. Getreu der Maxime, dass der größte Trick des Teufels ist, die Welt glauben zu machen, dass es ihn nicht gibt (ist übrigens aus dem Film „Die üblichen Verdächtigen“, 1995) beharrt Batrman darauf, dass dem Joker nicht zu trauen ist, selbst wenn er sich noch so vernünftig und mitfühlend verhält. Nue leider glaubt Batman niemand mehr.

Die Geschichte, die Autor und Zeichner Sean Murphy in „der weiße Ritter“ ausbreitet ist furios, spielt mit den Rollenbildern des Helden und seiner Nemesis, also seinen rachsüchtigen Gegenpart. Dabei sprengt die Geschichte durchaus die Erwartungen der Leser und zieht ziemlich düstere Kreise. Zerstörungen, Machtkämpfe und Gangrivalitäten wie einst in dem „Niemandsland“ lassen den Joker zu einer existenziellen Bedrohung für Bruce Wayne und Batman werden. In Anlehnung an den Batman-.Klassiker „The Killing Joke“ geht es in der psychologisch ausgefeilten Geschichte für den dunklen Ritter ans Eingemachte.

Die Story in „Der Weiße Ritter“ ist schon herausragend, aber die 220 Seiten würden nur halb so viel Spaß machen, wenn Sean Murphy nicht auch als Zeichner eine furiose, düstere Vision zum Leben erwecken würde. Zusammen mit der Ausnahme-Koloristen Matt Hollingsworth (u.a. „Jessica Jones“ Megaband „Das letzte Kapitel“, „Hawkeye“ Megaband 1, „Gotham Central“, „Daredevil –Ende aller Tage“) entsteht auf dem Papier eine überaus lebendige Metropole Gotham, die mit sozialen Brennpunkten ebenso zu kämpfen hat wie mit der Zerstörung durch Batman und diverse Superschurken. Murphys Figuren sind elegant und voller Charakter und häufig mit subtiler Mimik ausgestattet. Dazu sorgt der feine Strich und das knackige, offene Paneling für eine einzigartige Dynamik im seriellen Erzählen. Das hat durchaus Kinoqualität und die düster gehaltenen Farben von Hollingsworth tun ein Übriges um „Batman: Der weiße Ritter“ zu einem herausragenden Comic zu machen.

Die in sich abgeschlossene Batman-Geschichte „Der weiße Ritter“ spielt gekonnt mit Erwartungshaltungen, Rollentypen und dem Superhelden-Genre, ohne dabei die große Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen, die es braucht, damit große Helden tief fallen. Sean Murphy ist ein Batman-Klassiker gelungen, der seinesgleichen sucht. Eine wuchtige und wahnwitzige Achterbahnfahrt für Gotham und Batman, den dunklen Ritter.

Book Rating: ★★★★★★★★★★ 

Batman: Der weiße Ritter
OT: Batman: White Knight 1-8, DC Comics, 2017-18
Genre: Comic, Superhelden
Autor und Zeichner: Sean Murphy
Kolorist: Matt Hollingsworth
Übersetzung: Joseph Rother
Verlag: Panini Comics, Softcover, 220 Seiten
VÖ: 26.03.2019


Batman: Der weiße Ritter bei Panini Comics

Update 03.Mai 2019: Der Erfolg und die Popularität von „Batman: Der weiße Ritter“ scheint den Panini Comic-Verlag etwas überrascht zu haben. Der Ende März erschienene Titel war quasi vom Fleck weg ausverkauft. Wer also eine Hardcover-Ausgabe sein eigen nennen darf, mag sich freuen. Das Softcover, das auch dieser Rezension zu grunde liegt, wird derzeit nachgedruckt und sollte in den kommenden Wochen wieder im Handel erhältlich sein.

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