Da will ein übereifriger Kunsthistoriker seine Karriere aufmotzen, indem er die Biografie eines alten, blinden Malers schreibt. Der hat besseres zu tun. Der Roman „Ich und Kaminski“ war 2003 der Durchbruch von Autor Daniel Kehlmann. 2015 erschien die Verfilmung mit Daniel Brühl. Grund genug, die Filmreview aus dem Archiv zu holen.

Der erfolgsorientierte Kunstjournalist Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) braucht einen Karrierekick. Er hat sich in den Kopf gesetzt eine Biographie des renommierten Künstlers Manuel Kaminski (Jesper Christensen) zu schrieben. Jener musste das Malen aber aufgrund einer Erblindung früh einstellen.

Allerdings kannte Kaminski so ziemlich jeden wichtigen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts Der Verleger ist schnell überzeugt. Außerdem hofft Zöllner dem beneideten Bestseller von Künstlerbiographien, Golo Moser, so eins auszuwischen. Einen Haken hat die Sache: Der Künstler selbst weiß noch nichts von seinem Glück.

„Ich habe etwas herausgefunden.“

Zöllner reist in die Schweiz, findet einen Weg an Kamiskis herrischer Tochter (Amira Casar) vorbei und wird von dem blinden Alten gleich zu einem Deal verhaftet: Interviews und Biographie im Gegenzug für einen Ausflug zur großen Jugendliebe Therese (Geraldine Chaplin). Die soll wohl irgendwo an der holländischen Küste leben.

Unterwegs in Kaminskis Luxuskarosse hat das ungleiche Paar allerdings noch einige Episoden zu überstehen.
Die Verfilmung von Daniel Kehlmanns gleichnamigem Roman „Ich und Kaminski“ war eigentlich längst überfällig. „Good Bye Lenin!“ –Regisseur Wolfgang Becker gelingt es seine Hauptdarsteller Daniel Brühl und Jesper Christensen ins rechte Licht zu rücken und für launig und bissige Unterhaltung zu sorgen. Brühl und Christensen sind ein sehr seltsames Paar.

„Niemand weiß es.“

Gleich der Auftakt von „Ich und Kaminski“ setzt einen lockeren, plauderhaften Ton, der dem Film seine Grundstimmung gibt. Zöllner umreisst schon mal mit auf alt getrimmten Dokumentaraufnahmen Kaminskis Leben. Zwischenzeitlich häufen sich die Slapstick-Einlagen in Wolfgang Beckers Inszenierung ein wenig. Mit fortdauernder Reise bekommt die Literaturverfilmung als des Road Movie auch stimmige ernstere Töne.

Selbstredend ist „Ich und Kaminski“ in erster Linie bissige Parodie auf den Kunstbetrieb und dessen symbiontische Weiterverwertung in Literaturform. Der Film weiß daraus seine Momente und Aspekte zu ziehen, die zugleich überzeugend und unterhaltsam sind.

Vor allem aber ist Beckers Film eine Zwei-Mann-Show für großartige Schauspieler, die an der ehrgeizigen Aufschneiderei ihrer Charaktere sichtlich ihre Freude hatte.Das sorgt nicht nur für einige knackige Dialoge, sondern auch für nachdenkliche und selbstreflexive Momente. Die stellen sich allerdings erst im Film- und Reiseverlauf so richtig ein, wie das bei einer nachvollziehbar gehaltenen Charakterentwicklung eben ist.

„Und wer’s weiß, schweigt darüber.“

Jesper Christensen, der schon einen Bond-Fiesling gemimt hat und seit vielen Jahrzehnten zu den großen dänischen Charakterdarstellern gehört, meistert die sprachliche Herausforderung ebenso wie die Starrsinnigkeit des Alters und die Behinderung blind zu sein. Daniel Brühl, inzwischen selbst international gefragter Darsteller („Rush“, Inside Wikileaks“, „Inglourious Basterds“) erinnert in der Rolle des ehrgeizigen Journalisten gelegentlich an sein Auftreten als vermeintlicher Schriftsteller in „Lila, Lila“, was durchaus in gewissen Gemeinsamkeiten der Charaktere begründet ist.

Es ist zwar nicht alles Gold, was in Wolfgang Beckers filmischer Adaption von Kehlmanns Roman glänzt, aber gelungen und hoch unterhaltsam ist „Ich und Kaminski“ auf alle Fälle.

Wertung : 7 out of 10 stars (7 / 10)

Ich und Kaminski
OT: ich und Kaminski
Genre: Drama, Komödie, Satire
Länge: 124 Minuten, D, 2015
Regie: Wolfgang Becker
Vorlage: gleichnamiger Roman von Daniel Kehlmann
Darsteller: Daniel Brühl, Geraldine Chaplin Jesper Christensen,
FSK: ab 6 Jahren
Vertrieb: XFilm, Warner Home
Kinostart: 17.09.2015
DVD-VÖ: 17.03.2016

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