Top 5: Dokumentationen 2010

DreamlandDokus sind immer ein Thema für sich und finden meist nur  ein themeninteressiertes Publikum. Das geht mir im Wesentlichen ähnlich. Darüber hinaus ist das Filmgenre aber einfach unterbewertet. Längst sind Dokumentarfilme fester Bestandteil der Kinoprogramme. Musikdokus werden nicht gewertet, die sind eine eigene Kategorie.

Also, was bliebt vom Dokumentarfilmjahr 2010 nachhaltig in Erinnerung? Mir vor allem die Dokumentation über den Filmemacher Klaus Wildenhahn, die mir während des Filmfests Hamburg ein vergessenes Verständnis von Film nähergebracht hat und mal wieder zeigte, dass Dokus nicht notwendigerweise immer nur aufgehübschte und ausgewogene Portraits eines Themas sein müssen, sondern wie im „direct cinema“ auch einfach durch die unverfälschte Direktheit Stellung beziehen können und weit mehr sind als nur Zeitdokumente. Doch bisher lief „Klaus Wildenhahn: Direct! Public and Private“ erst auf Festivals und kommt nicht in die 2010er Wertung.

Absurderweise kommen aber ausländische Dokumentarfilme hinein, die mitunter einige Jahre auf dem Buckel haben. Werner Herzogs „Begegnungen am Ende der Welt“ datiert immerhin schon aus 2007, wurde aber erst jüngst in Deutschland veröffentlicht und im TV ausgestrahlt. Abstruser wird es mit der Dokumentation über Terry Gilliams vergeblichen Versuch „The Man Who Killed Don Quichote“ zu verfilmen. Die erschien schon 2002, kam aber erst im Sommer 2010 bei uns heraus.

Es liegt schlicht an der Menge der Filme, dass ich nicht alles gesehen habe, was ich gerne wollte. Die beiden größten Lücken im Bereich Doku sind „Plastic Planet“ und „Guru – Bhagwhan, His Secretary & His Bodyguard“, aber man kann nicht immer alles haben. Und glaubt ja nicht, dass das bei anderen Preisvergaben besser ist. Da wird vorsortiert.

Wie auch immer, hier sind die die Top 5 Dokumentarfilme 2010

5. Keep Surfing

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Regisseur Björn Ritchie Lob befasst sich mit den Fluss-Surfern in München. Seit über 30 Jahren sind die Wassersport-Fans hier von der stehenden Welle im Eisbach fasziniert und huldigen ihrem Sport. Mitten in der Stadt finden Surfer ein international bekannten und beinahe legendären Hotspot. Ein ungewöhnlicher Sport, ein ungewöhnlicher Ort und tolle Surfaufnahmen. Wer sagt denn, dass es kein Abenteuer mehr gibt? Keep Surfing!

4. Age of Stupid

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In einer verheerenden Zukunft blickt der letzte Mensch, gespielt von dem gerade verstorbenen Peter Postlethwaite, aus dem Jahr 2055 auf das Jahr 2008. Wieso waren wir zu blöde oder zu ignorant, den Klimawandel zu verhindern? In sechs wahren Episoden wird der ganz alltägliche Unfug, den Menschen mit dem Planeten treiben, deutlich. Dokumentarfilmerin Franny Armstrong macht keinen Hehl aus ihren Umweltschut-Ambitionen und dreht einen wichtigen Film. Zwar lief „The Age of Stupid“ zur Weltpremiere am 22. September 2009 schon global über Satellitenschaltung, in die deutschen Kinos kam der Film allerdings erst im März 2010.

3. Lost in La Mancha

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Wie bereits erwähnt datiert die Doku über Terry Gilliams desaströse Dreharbeiten in Spanien schon von 2002. Nichtsdestotrotz ist Gilliam momentan wieder damit beschäftigt, seinen „Don Quichote“ endlich zu drehen. Ich freue mich und hoffe, dass es diesmal klappt. „Lost in La Mancha“ jedenfalls sollte eigentlich zum Pflichtprogramm der Filmschulen gehören, denn hier ist wirklich alles enthalten, was Dreharbeiten zum Platzen bringen kann. Schöner Scheitern mit Terry Gilliam! Einfach mitreißend und extrem unterhaltsam.

2. „Banksy -Exit Through The Gift Shop“

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Man kann sicher geteilter Meinung sein, ob das Filmprojekt als Dokumentarfilm gelten kann; vor allem, weil man sich fast sicher ist, dass der ganze Kram eine große Verulkung ist. Aber rein formal kommt „Exit Through The Gift Shop“ als Doku daher und entwickelt sich dann zu einer ätzenden Satire auf den Kunstbetrieb. Hier geht’s zum Trailer. Es ist erstaunlich abgedreht, zu verfolgen wie ein total untalentierter Amateurfilmer zum gefeierten Künstler wird. Regie führt natürlich Mister Street Art himself. Ganz nebenbei geht der Oscar für den schönsten Filmtitel des Jahres an „Ausgang durch den Geschenkeladen“.

1. Friedensschlag

Filmplakat Friedensschlag

Boxen als Resozialisierung für gewalttätige Jugendliche. Die Letzte Chance vor dem Knast. Die „Work & Box Company“ in der Nähe von München versucht genau das und hat damit großen Erfolg. Regisseur Gerard Miszstein begleitet ein Jahr lang gewaltbereite Jugendliche die versuchen, hier ihr Leben auf die Reihe zu kriegen.  „Friedensschlag“ ist ein intensiver Film über ein wichtiges Projekt. Hier geht’s zu meiner Rezension bei cinetrend.de. Und nun kommt der Trailer zu Ehren des besten Dokumentarfilms 2010.

Weiter geht’s mit den Top 5 Action & Thriller aus 2010.

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