Insekten – Helden im Verborgenen: Buntes Leben mit Kerbtieren

Immer wieder mal tauchen Naturdokus auf, die mit ihren spektakulären Bildern auch gerne auf großer Leinwand ihre Wirkung entfalten sollen. Für Nepomuk Pfaffs Doku „Insekten – Helden im Verborgenen“ gilt das nur bedingt. Denn der Film hat sich ordentlich etwas vorgenommen, wenn die gesamte Entstehungsgeschichte der Insekten auch noch mit dem aktuellen Artensterben verknüpft wird. Zu sehen ist die Doku ab dem 16. Juli im Kino.

Filmemacher Nepomuk Pfaff und sein Team haben einige wirklich beeindruckende Aufnahmen von Kerbtieren, wie Insekten auch genannt werden, vorzuweisen. Dabei war das Filmbudget extrem überschaubar. Und so entstand in Kooperation mit dem Projekt „Brommi“ vom WWF (World Wildlife Fund) ein Naturfilm, der sich auch damit beschäftigt, wie die heutige Landwirtschaft in Deutschland und Europa zum Insektensterben beiträgt und was der Mensch dagegen tun kann.

Es ist nun nicht so, dass die Besuche bei Bio-Landwirt in den Biosphärenreservaten Deutschlands uninteressant wären, aber im direkten Vergleich mit einem kosmischen Spiralnebel oder einem Nachtfalter in Slow Motion sind Ausführungen über Ackerrandstreifen und Insektenschutzbereiche in der Wiesenwirtschaft schon ein wenig ernüchternd.

Der Anbau von Leguminosen hilft Boden und Insekten

Dabei wurde der Mikrokosmos der Insekten auch schon anderweitig unter die (Film-)Lupe genommen. Naturfilmer Jan Haft hat nicht nur das Bodenleben in „Der Wald“ eindrucksvoll dokumentiert, sondern auch einen abendfüllenden Spielfilm über „Die Wiese“ (2019) gedreht. Und dann gibt es selbstredend noch „Die Winzlinge“ aka „Minuscule“, wo mittels Tricktechnik lustige Episoden aus dem Leben der Insekten in reale Szenerien eingearbeitet werden. Das hat mit Naturwissenschaft zwar wenig zu tun, ist aber hinreißend unterhaltsam, auch in Spielfilmlänge.

Was also tun, wenn das Geld knapp ist? Eine pfiffige Erzählung erfinden, die unterschiedliche Bildwelten zusammenbringt und einen erzählerischen Überbau vermittelt. Die Schauspielerin Katharina Thalbach erzählt dann auch von der Entstehungsgeschichte der Insekten, die es bereits seit 480 Millionen Jahren gibt, während der Mensch erst seit schlappen 300.000 Jahren auf dem Planeten herumkreucht. Freilich mit erheblicher Einwirkung. Auch und vor allem seit Beginn der Industriellen Revolution.

Seither wird extremer Raubbau an den Ressourcen betrieben und es verwundert nicht, dass die Natur stirbt und sich das Klima verändert. Insekten machen als Tierklasse mehr als die Hälfte der über zwei Millionen bekannten Tierarten aus. Täglich kommen weltweit Tausende dazu – aber es sterben auch Zehntausende Arten wieder aus. Es gehört zum Erfolgsgeheimnis der Insekten, dass sie sich im Vergleich zu anderen Tieren so schnell und in großer Zahl reproduzieren können.

Die Verwandlung zum Falter in 5 Stadien

Das Mehr an Reproduktionszyklen erlaubt schnellere Anpassung und Wirksamkeit von Mutationen. Und Insekten haben drei wirklich wichtige Jobs auf der Erde. Sie tragen zur Befruchtung von Pflanzen bei, sie sind maßgeblicher Bestandteil der Zersetzungsprozesse und sie sind ein wichtiger Teil der globalen Nahrungsketten. Weniger Insekten bedeuten auch weniger Tiere, die sich von Insekten ernähren.

Die Doku „Insekten – Helden im Verborgenen“ thematisiert das alles, meistens in interessanter Art und Weise und mit sehr spektakulären Bildern. Andererseits erzählt der halbwegs philosophische Essay dem Publikum auch, wo der Mensch im Kosmos steht und was er auf der Erde schon alles zerstört hat. Das wird aus einer beobachtenden, außenstehenden Perspektive vorgetragen, die bisweilen schon etwas nervig ist.

Dann wieder nehmen uns der Film, die Erzählung und Frau Thalbach mit zu dem Glühwürmchen Gloria und anderen individualisierten Exemplaren der Kerbtiere und irgendwie fühle ich mich ins Kinderprogramm von „Löwenzahn“ und Co. zurückversetzt. Schade eigentlich. Für ein junges Publikum mag das gut funktionieren, aber dann wäre das kosmische Bewusstsein vielleicht etwas zu abstrakt. Mensch weiß es nicht. Vielleicht guckt das Publikum selbst einmal in „Insekten – Helden im Verborgenen“ rein und bildet seine eigene Meinung.

Die Naturdoku „Insekten – Helden im Verborgenen“ bringt nicht nur Licht in den Mikrokosmos, sondern auch Schatten in die Kunst des Erzählens. Hier ist längst nicht alles Käferpanzer, was glänzt, und nicht jede Makroaufnahme ist erhellend, dennoch gelingt dem Film mit dem kargen Budget Erstaunliches und die naturschützende Absicht sei an dieser Stelle auch gewürdigt.

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Insekten – Helden im Verborgenen
OT: Insekten – Helden im Verborgenen
Genre: Doku, Naturdokumentation
Länge: 87 Minuten, D, 2026
Regie: Nepomuk Pfaff
FSK: ab 0 Jahren
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 16.07.2026

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