Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass: Album Review

Es ist immer nett, wenn eine Band gleich das Genre benennt, in dem das Outfit unterwegs ist. So auch Twin Serpent aus Trondheim in Norwegen. Blackgrass also, als Wortkreation von Black Metal und Bluegrass. Und weil das Quartett um Bandgründer und Mastermind Timo Silvola Humor hat, ist das zweite Album selbstredend in bestem Metallerjargon „true“, also echt, und „norwegian“ ohnehin. Die Brutstatt macht den Ohrentest.

Nein, nicht der erste Höreindruck soll den Sound bestimmen, sondern das, was sich nach etlichen Durchläufen als Wesenskern der Zwillingsschlange herauskristallisiert. Da ist eine Vorliebe für folkloristisches Instrumentarium, eine große Affinität für eingängige Melodien und ein irgendwie unbändiger Fusionswille. Heraus kommt ein abwechslungsreiches Album, das sich wenig um Genres schert und vor allem mit handgemachter, ehrlicher Musik begeistern will.

Das haut weitgehend hin und reicht in seiner Bandbreite von Cowpunk über Polka, Lagerfeuer-Hymnen, Bluegrass bis hin zu ZZ-Top-artigem Boogie. Oder um die ebenfalls aus Norwegen stammenden Kollegen von Kaizers Orchestra zu zitieren: Tanzen bis zum Umfallen – „Ompa til du dör“ – mit Twin Serpent. Freilich hauen die drei Jungs und das Mädchen in ihrer kreativen Wut einen ganzen Haufen Sonneneruptionen in die geneigte Hörerschaft. Da wird auf Norwegisch und auf Englisch getextet, gelegentlich mit derberem Humor, bisweilen mit subtilem Sarkasmus und mit einer ganzen Menge Energie.

Musikalischer Mischmasch als Triebfeder

Punk ist ebenso sehr Einstellung wie Musikstil, und in dieser Hinsicht sind Twin Serpent beseelt vom true punk spirit. Das ist keineswegs ein Widerspruch zum Blackgrass, denn auch jener Black Metal zelebriert ein solides Lo-Fi, das jeden einlädt, mitzutun auf, an und neben Instrumenten. Inklusionsmusik mit Distinktionsunterschied.

Die fast 40 Minuten von „True Norwegian Blackgrass“ machen im Wesentlichen Spaß und sorgen für gute Laune auf jeder Party. Egal ob am Campfire, auf einem Scheunenfest oder auf dem Rockfestival oder einer Clubbühne. Wer mit der Raserei von Kvelertak losjöhlt, sollte besser noch was im Köcher haben. Aber: Auch und gerade wenn da einer unterwegs „fuck the pain away“ singt (Holy Ghost), fehlt mir die Wucht einer Peaches, die daraus ein Manifest machte. Manifeste gibt’s bei Twin Serpent bei aller Schrulligkeit und allem nerdigen Musikwissen nun nicht. Hier wird viel verwurstet und zitiert, und das meiste amalgamiert sich dann letztlich auch zu einem stimmigen Ganzen, aber eben auch mit einer gewissen Distanz, die Ironie nun mal herstellt.

Häufig genug fühle ich mich an 16 Horsepower erinnert, die seinerzeit mit (un-)heiligem Ernst bei der Sache waren und auf der Bühne in guten Phasen tranceartige Erweckungszeremonien abhielten. Mag sein, dass Twin Serpent das live auch hinbekommen würden. Mag auch sein, dass die Band das überhaupt nicht vorhat. Mag sein, dass ich Twin Serpent nicht verstanden habe, mag auch sein, dass da hinter den Sounds nicht mehr ist als einfach der Spaß am Musizieren.

Spaß am Musizieren haben Twin Serpent definitiv. Handwerklich ist diese punkige Tour de Force durch alle Americana-Spielarten schon arg beeindruckend, oft ist es mitreißend. Aber eben nicht immer, und der Furor des Openers „Space Heater“ bleibt eine Einmal-Fackel.

6

Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass
Genre: Folkpunk, Antifolk, Lo-Fi Indie
Länge: 37 Minuten, N, 2026, 12 Songs
Interpret: Twin Serpent
Label: Svart
Format: CD, Digital, Vinyl
VÖ: 08.05.2026

Twin Serpent bei Bandcamp
True Norwegian Blackgrass bei Svart Records
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