Das Imperium aus Gold – Daevabad 3: Zurück auf der Straße

Das große Finale der hochgelobten Fantasy-Trilogie „Daevabad“ steht an. In „Das Imperium aus Gold“ bringt die amerikanische Autorin S. A. Chakraborty ihre Saga von Dschinns und magischen Heilerinnen zum Finale. Rund 2000 Seiten lang hat das Schicksal der jungen Nahri die Leser:innen am Ende gefesselt. „Das Imperium aus Gold“ ist im Oktober 2022 in der Phantastik-Reihe bei Panini Books erschienen.

Achtung, Spoiler-Alarm: Wenn der abschließende Teil einer Serie oder Trilogie vorgestellt wird, bleibt es nicht aus, dass Geschehnisse der vorangegangenen Teile erwähnt werden, allein, um auf den Stand der Handlung zu kommen. Genaugenommen gilt das auch nicht als Spoiler, aber Leser:innen, die die „Daevabad“-Trilogie überhaupt nicht kennen, bekommen im folgenden Text schon grob umrissene Handlungselemente verraten.

Zum Geleit

Bitte auch nicht wundern, bei brutstatt.de wurden die vorangegangenen Teile der „Daevabad“-Trilogie“ „Die Stadt aus Messing“ (OT: „The City of Brass“) und „Das Königreich aus Kupfer“ (OT: „The Kingdom of Copper“) nicht vorgestellt. Insofern ist diese Rezension ein Quereinstiegkurz vor dem Ende. Aber jede Geschichte, jedes eigenständige Staffel, jedes eigenständige Buch sollte auch immer für sich selbst funktionieren. Nach diesen Vorbemerkungen auf ins Getümmel.

Im 18. Jahrhundert lebt die junge Nahri in Kairo und verfügt über einige ungewöhnliche Heilkräfte. Das Mädchen denkt sich wenig dabei, war sie doch ihr ganzes Leben lang eine Waise und eine Außenseiterin. Bei einem alten Apotheker geht sie quasi in die Lehre, um mehr über den Heilerberuf zu lernen.

Zufällig beschwört Nahri, die gar nicht an Magie glaubt, einen Dschinn-Krieger. Dara erzählt von der magischen Welt aus der er stammt und die in gewisser Weise parallel zur Menschlichen existiert. Dara, der ein Afshin ist, erzählt von der Stadt Daevabad, die von Ghassan al Qahtani regiert wird. Mehr oder minder friedlich leben in Daevabad unterschiedliche Dschinn-Stämme zusammen, jeder Stamm in seinem Stadtviertel.

Irgendwie fühlt sich Nahri gleich heimisch als sie dort ankommt. Das verwundert nicht weiter, da sie die Tochter der mächtigsten Heilerin des Nahid-Stammes ist. Ihre Mutter Manizeh versucht die Macht in der Stadt wieder an sich zu reißen. Dara, ist der Anführer ihrer Krieger. Und so gerät Nahri in einen Konflikt zwischen Zauberwesen, von denen sie bisher überhaupt nichts wusste.

Und dann muss sich Nahri entscheiden, ob sie die Herrschaftaansprüche ihrer Mutter unterstützt, oder für den Frieden in der Stadt einsteht. Denn Alizayd, der jüngste Sohn des Königs, ist zwar nicht der Thronfolger, aber ein interessanter Typ. Dadurch, dass Nahri Ali einen mächtigen Juwel übergeben hat, verschieben sich die Kraftverhältnisse. Doch die beiden müssen aus Daevabad fliehen.

„Das Imperium aus Gold“

Zu Beginn von „Das Imperium aus Gold“ findet sich Nahri an den Ufern des Nils wieder. Ali, der den Juwel in seinem Körper aufgenommen hat, ist kaum noch lebendig und die junge Frau hat alles Heilkraft verloren. Was also anderes tun, als den schwerkranken Thronerben irgendwie in die Stadt Kairo zu schleppen um Hilfe und Heilung zu organisieren?

Derweil ist Manizeh in Daevabad fuchsteufelswild über den Verrat ihrer Tochter. Doch ihr Griff nach dem Thron hat einen hohen Blutzoll gefordert. Nun steht auch Daras Treue auf der Kippe, auch weil er Nahri liebt. Ausgerechnet beim Stamm der Irfit, Erzfeinden der Nahid, muss Dara nun ein Bündnis suchen, um die Situation in Daevabad wieder unter Kontrolle zu bringen. Eine neue Tyrannei bahnt sich an und Nahri ist in der Ferne zerrissen zwischen eigenem Frieden und ihrem Gewissen.

Die amerikanische Autorin S. A. Chakraborty hat mit der „Daevabad“-Trilogie eine islamische Fantasy-Welt geschaffen, die an alte Traditionen aus „1001 Nacht“ anknüpft, aber auch eine sehr moderne Erzählhaltung hat. Das richtet sich wohl vornehmlich an junge weibliche Leserinnen, ist aber als Weltenentwurf durchaus packend und detailfreudig. Insofern sollte jede:r Fantasy-Freund:in er Trilogie eine Chance geben.

Ein fantastischer arabischer Weltentwurf

Bei solch komplexen Welten dauert es eine Weile, sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei sind die wichtigsten handelnden Personen aufgeführt und nach Zugehörigkeit geordnet, außerdem gibt es eine kurze Charakteristik der sechs Dschinn-Stämme und einen schematischen Stadtplan von Daevabad, dem Nabel dieser magischen Parallelwelt. Wem das nicht genügt, der findet auf der Internet-Präsenz der Autorin und im Fan-Wiki zur Trilogie haufenweise Infos, allerdings auf englisch.

Die Geschichte ist irgendwo zwischen „Game of Thrones“ und „Romeo und Julia“ angesiedelt, ein bisschen multikulti „Der Medicus“ ist auch noch drin, und selbstverständlich viel traditionelle arabische, sprich muslimische Mystik und Erzähltradition. Die Mischung ist faszinierend und der Weltentwurf gekonnt und detailverliebt.

Allerdings ist der Erzählstil etwas weitschweifig. Der finale Teil der Trilogie „Imperium aus Gold“ kommt nicht so recht aus den Quark. Selbstredend muss immer auch noch das Vorangegangene rekapituliert werden, damit die Leserschaft nach der Pause zwischen den Bänden wieder in die Geschichte hineinfindet. Das gelingt Shannon Chakraborty auch hervorragend und plastisch.

Dabei kommt die Handlung ein wenig zu kurz. Tatsächlich dauert es etwa 100 der 800 Seiten, bis Nahri und Ali überhaupt vom Nilufer nach Kairo gelangen. In der Zeit wird parallel erzählt, was sich in Daevabad abspielt, wo es auch nicht sonderlich ereignisreich zugeht. Die Erzählperspektiven dabei sind jene von Nahri und die von Dara. Hierin zeigt sich auch der größte weibliche Erzählanteil. Chakraborty legt Wert darauf, emotionale Zustände und Zweifel zu beschreiben, Gedankengänge nachvollziehbar zu machen und kehrt insgesamt viel Inneres nach außen.

Ein opulenter, ornamentischer Erzählstil

Das hat eine eigene Erzähldynamik und ist durchaus faszinierend und gelungen. Nur eben bisweilen etwas zu weitschweifig. Es unterscheidet sich im Erzählansatz aber beispielsweise auch erheblich von Ada Palmers „Terra Ignota“-Epos, das zwar mit geschlechtergerechter Sprache experimentiert, aber klassischer als Sci-Fi-Weltentwurf ausgerichtet ist. Ein weiterer grundverschiedener Erzählansatz findet sich bei Jonathan French, in der Fantasy-Trilogie „Die Geteilten Lande“ geht es eher actiongeladen und western-rau zu. Die Action trägt das Epos und Hintergründe werden nur spärlich preisgegeben. Es gibt viele Arten eine fantastische Welt zu erschaffen und die Phantastik-Reihe bei Panini Books veröffentlicht aktuell sehr interessante Geschichten. „Daevabad“ gehört definitiv dazu.

Mit „Imperium aus Gold“ bringt die amerikanische Autorin S. A. Chakraborty ihre „Daevabad“-Fantasy-Trilogie fulminant und stimmig zu einem epischen Ende. Mit dem fantastischen Weltentwurf, der auf islamischen Erzähl- und Märchentraditionen aufbaut hat sich die Autorin einen festen Platz in der Welt der Fantasy-Bestseller gesichert. Und – zumindest in den USA – erschient Anfang März 2023 ein neuer Roman der Autorin: „Die Abenteuer der Amina al-Sirafi. Doch bis dahin muss die „Daevabad“-Trilogie vorhalten.

Roman-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Das Imperium aus Gold – Daevabad 3
OT: The Empire of Gold, Daevabad-Trilogy Book 3, USA, 2020
Genre: Fantasy, Roman,
Autorin: S. A. Chakraborty
Übersetzung: Kerstin Fricke
ISBN: 978-3-8332-4273-1
Verlag: Panini Phantastik, Broschur, 796 Seiten
Buch-VÖ: 11.10.2022

Daevabad Fan-Wiki

S. A. Chakraborty Autorenseite

Imperium aus Gold bei Panini

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