Bataclan: Wie ich überlebte

Freitag der 13. ist für viele Menschen ein Unglücksdatum. Im Jahr 2015 suchten sich islamische Terroristen dieses Datum aus, um in der französischen Hauptstadt Paris an fünf unterschiedlichen Orten Attentate auszuführen. In dem Musikclub „Bataclan“ wurden dabei 90 Menschen getötet. Der französische Graphiker Fred Dewilde hat damals überlebt, zur Trauma Bewältigung hat er eine Graphic Novel verfasst. Ende September ist „Bataclan: Wie ich überlebte“ nun auch im Panini Comic-Verlag hierzulande erschienen.

Fred Dewilde ist eigentlich kein Comiczeichner und der 1966 geborene Graphiker und Illustrator hat wahrscheinlich auch gar nicht vor, in dieses Metier zu wechseln. Dennoch lässt ihm der feige Überfall auf den Pariser Musikclub „Bataclan“ während eines Konzerts der „Eagles of Death Metal“ keine Ruhe, den Dewilde ist ein Überlebender. Mit Hilfe von Illustrationen versucht er die Geschehnisse des Abends greifbar zu machen und zu verarbeiten.

Dabei besteht das rund 50seitige „Baraclan: Wie ich überlebte“ eigentlich aus zwei Teilen. Über vierzehn Seiten zeichnet Dewilde in groben, düsteren fast lithografischen Zeichnungen eine Chronologie der Ereignisse im Bataclan am 13. November 2015. Anschließend schildert DeWilde in Textform, wie der lange und beschwerliche Weg zurück in eine alltägliche Existenz sich anfühlt und welche persönlichen und emotionalen Nachbeben der Terroranschlag zur Folge hatte.

Fred Dewilde ist mit „Bataclan: Wie ich überlebte“ etwas sehr Eindrückliches gelungen, es gelingt ihm die Panik und die Zerrüttung darzustellen. Dabei – und das ist für einen Comic; auch für realistische Graphic Novels – schon sehr einmalig kommt dem Text im zweiten Teil eine erstaunliche Präsenz zu. Hier wird geschildert, was sich nicht zeichnen lässt, oder was Dewilde nicht zeichnen will, und auch dieser Teil von „Bataclan“ überzeugt durch seine Unmittelbarkeit und Direktheit.

Fred Dewilde sagt in einem Interview, dass er von dem weltweiten Interesse an seiner persönlichen Darstellung des Attentats überrascht gewesen sei, dabei entspricht sie auch der großen weltweiten Anteilnahme direkt nach den Taten des 13 Novembers 2015. So nah wie mit den Anschlägen im Bataclan“ und somit indirekt auch mit der Aufarbeitung von Fred Dewilde ist mir der islamische, fundamentalistische Terror noch nie gekommen.

Ohne an dieser Stelle andere Anschläge weniger furchtbar zu finden, stellte sich mir als Fan harter Rockmusik, regelmäßigem Konzertgänger und jemand der in etwa im Alter von Fred Dewilde ist, eine psychologische Nähe ein, die sich mir in dieser Präsenz bislang nicht eröffnete. Absurder Weise kommt gerade in dieser der profanen und für viele Musikfans so behüteten Situation eines Rockkonzertes (und noch nicht einmal in Stadion-Dimension) die ganze hinterhältige Absicht des Terrorismus zum Tragen: Furcht und Einschüchterung.

Für mich bedeutete gerade der Anschlag im Bataclan eine Erschütterung des Alltags und eine Verunsicherung die sagt, das hätte ich sein könne, das hättest du sein können. Um sich genau das bewusst zu machen und direkt und massiv dagegen anzugehen ist Fred Dewildes Graphic Novel „Bataclan: Wie ich überlebte“ so wichtig und so notwendig. Oder um Neil Youngs Hymne zu zitieren „Keep on Rockin‘ in the Free World“.

 

Bataclan: Wie ich überlebte
OT: Mon Bataclan, 2016
Genre: Graphic Novel, Zeitgeschehen,
Autor & Zeichner: Fred Dewilde
Verlag: Panini Comics, HC, 50 Seiten
VÖ: 19.09.2017

„Bataclan: wie ich überlebte“ bei Panini Comics

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