Schöne Töne am 29.April 2022

Die Vorstellung neuer und neuentdeckter Musik fällt heute etwas knapper aus. Es geht minimalistischer zur Sache und soundmäßig schon bisweilen eckig, aber der Sperrfaktor gehört auch schon mal zum Konzept. Im Angebot heute: Dog Dimension, The Pighounds, Der neue Planet, Naima Bock und Amor.vlt.

Dog Dimension – Rabies

Das Trio Dog Dimension aus Berlin (Bandcamp, Facebook) hat sich den rudimentären Rock Rhythmen verschrieben. In klassischer TrioBesetzung Drums, Gitarre und Bass wird ordentlich losgerockt. Soundmäßig haben Dog Dimension ihre Nische allerdings in der Bass-lastigen Rock-Ecke gefunden. Bassfrau und Sängerin Josefine Lukschy prägt den Sound ganz eindeutig. Heraus kommt eine Art trockener Protopunk der irgendwo zwischen Primus und den Sleaford Mods sehr minimalistisch rüberkommt. Die EP namens „Rabies“ kommt demnächst auf den Markt und wird auf diesen Seiten auch vorgestellt. Musikalische Nähe zu den Mods wird nachher nochmal einThema und macht die Kolumne nachher rund. Jetzt gibt’s aber erstmal tollwütig auf die Ohren.

The Pighounds – Green Lobster Inc.

The Pighounds (Facebook) haben einen neuen Song am Start. Das Dortmunder Duo mit Hang zum hysterischen Indie-Rock hat im April 2021 mit „Hilleboom“ein feines Album auf Noisolution hingelegt. Nun kommt eine neue Videosingle namens „Green Lobster Inc.“ Und zeigt dem Publikum was in den Lagerhallen großer Internet-Vertriebe wirklich los ist. Da kannste nur zum Heulen hinter die Regalwände kriechen – oder eben abrocken. Schönes Video.

Der neue Planet – Heavy Prog Fun

Die Kölner Progressiv-Jazz-Rock-Crossover-Musiker Der neue Planet (Bandcamp, Facebook) haben ebenfalls neues Material draußen. „Area Fifty-Fun“ ist das dritte Album des Outfits nach „Der neue Planet“ und „Margarete erwacht“. Zur Einstimmung hier ein episches instrumentales Progressiv-Geschwurbel, das mir zumindest richtig gute Laune macht. Insofern Klimax und Zenit dieser Kolumne. Mehr zum Album demnächst.

Naima Bock – Giant Palm

Auf Naima Bock (Bandcamp, Facebook), die Ende vergangenen Jahres bei Sub Pop Label untergekommen ist, bin ich durch die Kollegen von „The Quietus“ gekommen. Ich mag die elegische, zurückgenommene (im grunde minimalistische) Stimmung im Video, das den Titelsong des kommenden Albums „Giant Palm“ zeigt. Melancholischer Pop an der Kante zum Songwritertum. Schöne Gesangs-Harmonien und ein toller Appetizer.

Amor.vto – Gewitter

Wie erwähnt ist Minimalismus das zufällige Motto der Kolumne und Amor.vto setzen oder setzt da an. Mag sein, dass es sich um einen Solokünstler handelt oder ein Projekt. Ich habe Amor.vto als Support Act für Bodega im Molotow in Hamburg gesehen und war ziemlich angetan von dem Sound. Deutsche Texte gerhymt und proklamiert mit Verve und Passion wie sich das schon in der Neuen Deutschen Welle bisweilen Bahn brach. Die Sounds kamen aus dem Rechner. Eventuell war der MC nur ein Kumpel von Amor.vto oder die beiden musizieren als Band zusammen. Auch egal, wenn es dem Outfit darum ginge biografische Infos zu verbreiten, sie hätten die Gelegenheit.

Ich würde nun nicht von schlichtem Deutsch-Rap sprechen, ebensowenig wie die Sleaford Mods oldschool Hiphop machen. Da gibt es schon Unterschiede, und es gibt geistige und soundmäßige Nahe zwischen den Mods, dem Dadaismus und Amor.vto. Live war das Ganze jedenfalls eine Urgewalt. Das Video gibt das nur zum Teil wieder. Macht aber trotzdem Laune. Meine Lieblingsstelle ist das „Nein!“ nach dem Refrain. Und jetzt alle: „Gewitter! Gewitter!“

Soviel dazu. Bleibt sauber, bleibt gesund.

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