The Pighounds: Hilleboom

Die Szene mit Rudger Hauer, die mir immer wieder aufpoppt, ist jene, als er einen Cop spielt und sich dermaßen viel Zucker in den Automatenkaffee auf dem Gang des Polizeireviers haut, dass niemand mehr sagen kann, ob der überambitionierte Kollege im Nachgang vom Koffein hyperaktiv wird oder schlicht vom Zucker durchbrennt. Wer immerhin einen Song nach Breukelens berühmtem Sohn benennt, hat bei mir ohnehin schon einen Stein im Brett – oder Zucker im Kaffee. Selbst wenn „Hillbeoom“ ähnlich nach Nonsens klingt wie „The Pighounds“. Wer statt Rudgers Cocktail eher auf Rock mit Gitarrenschub steht, sollte beim Debüt des Dortmunder Duos auf seine Kosten kommen.

Es gab schon Kollegen, die zum Debutalbum „Hilleboom“ des Dortmunder Gitarrenrock-Duos „The Pighounds“ meinten, textlich wäre noch Luft nach oben. Vielleicht haben die das Humorkonzept nicht verstanden, oder vielleicht erwarte ich von dieser Art von Musik – sehr direktem, gezerrtem Gitarrenrock mit Kneipenattitüde (Das ist keineswegs despektierlich gemeint, australischer Pub rock geht immer!) – auch keine lyrischen Ergüsse dylan’schen Ausmaßes. Vielleicht hatten sich die beiden den ein oder anderen Kalauer auch verkneifen könne, aber wozu, wenn’s Spaß macht.

Dass mit heutigen Produktionsmitteln, die glücklicherweise (auch) in den Händen der kreativen Klasse liegen, eine Selbstermächtigung im Do it Yourself-Stil einhergeht ist ebensosehr ein Gemeinplatz wie die Tatsache, dass auch Duos erheblich losrocken rönnen. Was von einer Kombo namens „Fitches“ übrigblieb, besteht nun aus Schlagzeug und Gitarre und zeigt eine Scheißdrauf Attitüde die Mantars würdig wäre, weniger low dafür straighter performt als Beehover und allgemein eher in Richtung Stoner Rock unterwegs ist. The Pighounds wandeln auf den Spuren von The Picturebooks und frühen Two Gallants, vor allem beim achten Song „Chairclimber“. „If you wanna know…“

Die eingängigen schnörkellosen Songs rocken fröhlich und dreckig los, lassen bisweilen sogar die Hits der Black Keys viel zu brav aussehen und gesellen sich bei der Open Mike Night in oben beschriener Kneipe lieber zu den bösen Jungs von Rose Tattoo als zu den Alternative Rockern.

Wer im Opener „Neon“ schon nach Hilfe schreit und seine Seele gerne gerettet hätte, weiß, welche Knöpfe es zu drücken gilt, um bei der Zielgruppe Gehör zu finden. Weiter geht’s mit diversen räudig und fuzzy produzierten Abgehnummern. „Save Yourself“ legt nahe, dass die Kolleg:innen von Daily Thompson nicht nur Proberaum-Nachbarn und Kumpels sondern auch Einflüsse sind, wobei das bei dieser Art von retro-generierten hartem Rock-Sound immer schwer zu sagen ist.

Die Noisolution- Ansage mit den dreieinhalb-Minuten-Songs ist dabei eher so als Richtungsweiser zu verstehen. Von den elf Titeln reißen vier die willkürliche Zeitmarke. Wer einmal Punk gewesen, dem reichen ohnehin 90 Sekunden um den Song zu nageln. Aber wen interessiert‘s. Was Peter Behring (Gitarre, Gesang) und Alessandro de Luca (Drums) mit „Hilleboom“ abliefern ist nicht weniger als eine leidenschaftliche und stimmige Sache. Sound, Songs und Attitude ergeben eine hinreißend mitreißende Einheit und ein beachtliches Rock-Album, das sicher als Soundtrack für die eine oder andere Party taugt, sobald sowas unser Sozialleben wieder bereichern darf. Auf der Bühne sind die Pighounds wahrscheinlich ohnehin eine Bank.

Mit „Hilleboom“ haben The Pighounds ihren inneren Schweinehund nicht nur besiegt sondern niedergemacht. Schweißtreibendes Album statt Gym Workout. Für Fans des schnellen, kompromisslosen Abgehrocks mit alternativen Einflüssen, bei dem auch das Bier noch schmeckt. Macht Rutger Hauer alle Ehre. Definitiv mein Lieblingssong.

Album-Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

The Pighounds: „Hilleboom“
Genre: Heavy Rock, Stoner, Noise,
Länge: 39 Minuten
Format: Vinyl, Digital, CD
Label: Noisolution, Soulfood
VÖ: 23.04.2021

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Tracklist: 1.Neon, 2. Doing Doe, 3. Love Yourself, 4. Save your Live, 5. Rudger Hauer, 6. As Good As Blind, 7. Tree Pee, 8. Chairclimber, 9. Milk & Honey, 10. Superstar, 11. Youme

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