Virus – Der Tod kennt keine Grenzen

Der kanadische TV-Mehrteiler „Virus – Der Tod kennt keine Grenzen“ wirkt angesichts der Covid-Pandemie schon irgendwie aktuell, allerdings ist die Bedrohung durch Terrorismus und Biowaffen keine neue, ebenso wenig wie schon ewig über Menschenversuche in der Pharmaindustrie spekuliert wird. Eine engagierte Mutter will solche Machenschaften aufdecken und gerät dabei ins Fadenkreuz mächtiger Geheimdienste. Das kanadische TV-Event von 2007 würde jüngst bei Studio Hamburg Enterprises auf DVD wiederveröffentlicht und erzählt immer noch eine packende Story.

Die ehemalige kolumbianische Aktivistin Maria Puerto (Mia Maestro) muss hilflos mitansehen wie ihr 14jähriger Sohn stirbt, nachdem er an einem Medikamententest mitgemacht hat. Maria ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Sie nimmt heimlich eine Blutprobe und macht sich auf den Weg zu ihrer Freundin Leonie Adderly (Rachelle Lefèvre).

Die investigative Journalistin ist auch die Tochter des Kanadischen Premierministers Richard Adderly (Bruce Greenwood). Beide sind gerade in London, wo die Vorgespräche für den Weltwirtschaftsgipfel laufen. Kanada versucht mit einigen afrikanischen Ländern zusammen eine Art globale Vermögenssteuer auszutüfteln. Doch der Wiederstand der USA gegen solches Bestreben ist absehbar. Der US-Präsident P.J. Aimes (Christopher Plummer) will stattdessen lieben den Kampf gegen den Terrorismus vorantreiben.

Bevor Maria noch aus dem Land ist, hat der US-amerikanische Pharmakonzern, der die medizinischen Versuche in Kolumbien durchführte, bereits fast alles vertuscht. Doch das tödliche Virus im Blut von Marias Sohn ist noch unkontrolliert unterwegs. Eine Meldung an das US-Verteidigungsministerium, das sich zur Terrorabwehr an den Versuchen beteiligte, bleibt nicht aus.

Die Staatssekretärin Elly Bruckner will die Sache schnell beenden und setzt die CIA auf Maria an, Diese wird aufgrund ihrer aktivistischen Vergangenheit kurzentschlossen zu einer Terroristin stilisiert, die nun auch über die Medien gesucht wird. Dem kanadischen Virologen Thom Lightstone (James Purefoy) kommt das alles seltsam vor, vor allem, weil sich die vermeintliche Terroristin und auch das Virus zielstrebig in Richtung G8-Gipfel zu bewegen scheinen. Derweil stecken die Verhandlungen beim Gipfel fest und es gibt Proteste.

Der kanadische TV-Thriller wurde 2008 bereits unter dem deutschen Verleihtitel „The Summit – Todesvirus beim Gipfeltreffen“ veröffentlicht, was dem Originaltitel ein wenig näher kommt, letztlich aber auch nicht mehr Aussagekraft besitzt. „Virus“ steht in allerbester angloamerikanischer TV-Tradition und knüpft mit seiner Thrillerhandlung dort an, wo die BBC und auch ITV in Großbritannien schon lange sehenswerte (Mini)-Serienformate vorlegt. Wie etwa „Am Rande der Finsternis“ (1985) oder „State of Play“ (2003), die beide später auch als Hollywood-Thriller verfilmt wurden.

Drehbuchautor John Krizanc („Ein Mountie in Chicago“) gelingt es ein fesselndes Script vorzulegen, das vielschichtig und spannend zugleich ist. Immer wieder wechselt dabei die Erzählperspektive und so sind die Zuschauer immer mittendrin statt nur dabei, egal ob Maria auf der Flucht ist, oder Kanadas Präsident sich mit seinem amerikanischen Kollegen herumschlägt. Die Charaktere sind dabei mit Tiefe und Empathie angelegt, so dass die namhafte Besetzung es nicht schwer hat, der Handlung Leben einzuhauchen.

Zudem hilft es, dass Regisseur Nick Copus („American Gods“, „Animal Kingdom“) bereits damals ein guter TV-Regisseur war und ein einigermaßen brauchbares Budget zur Verfügung hat. So können die unterschiedlichen auf dem Globus verstreuten Handlungsorte tatsächlich realistisch in Szene gesetzt werden.

Man muss nicht unbedingt auf Verschwörungen stehen, um das Setting halbwegs nachvollziehbar zu finden. Dass in der Entwicklung wirksamer Impfmedikamente eine Menge Geld steckt ist spätestens seit der aktuellen Corona-Pandemie und dem Warten auf einen Impfstoff den meisten Menschen bewusst. Ebenso ist die Tatsache, dass es ein globales Finanzgefälle gibt, keine neue Erkenntnis und nicht wenige Experten plädieren seit Jahrzehnten für einen Schuldenschnitt bei den Entwicklungsländern und für eine Umverteilung der globalen Kosten für Ernährung und Klimawandel.

Und schließlich ist das Thema Terrorismus seit den Anschlägen auf des World Trade Center ein Dauerbrenner, der die internationale Staatengemeinschaft konstant in Atem hält. Sicherheitskonzepte zu entwickeln steht in ständigem Konflikt mit den Freiheitsrechten des Individuums. Immer wieder müssen Allianzen geschmiedet werden, Bündnisse erneuert und neue Arten der Abwehr und Prävention geprüft werden. Bei all dem geht es einzelnen auch immer um Macht und Reichtum. Viele dieser Aspekte versteht „Virus – Der Tod kennt keine Grenzen“ über weite Strecken ohne schlichte Gemeinplätze zu thematisieren. Dafür gab es nicht umsonst einige Preise.

Die große Qualität der Miniserie oder des TV-Event-Mehrteilers, ganz egal wie man es betrachten will, ist die Tiefe der Erzählung und die souveräne und durchaus aufwändige Inszenierung der einzelnen Handlungstränge bis hin zum packenden Finale auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Kanada. Neben den starken Darstellern überzeugt vor allem die unaufgeregte Vielschichtigkeit der Blickwinkel, die diesen Politthriller auch heute noch sehenswert macht.

Serien-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Virus – Der Tod Kennt keine Grenzen
OT: The Summit, alternativer deutscher Titel: The Summit- Todesvirus beim Gipfeltreffen
Genre: TV-Mini-Serie, Thriller,
Länge: ca 172 Minuten (2x 86 Min.), CDN, 2007
Regie: Nick Copus
Darsteller: Mia Maestro, Christopher Plummer, Bruce Greenwood, James Purefoy
FSK. Ab 12 Jahren
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises
DVD-VÖ: 23.09.2021

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