Follow The Money – Staffel 3: Bewerbungsgespräche

Die dänische Krimi-Serie, die sich auf die Spur des Geldes heftet und auf mehreren Handlungsebenen erzählt wird, hat sich seit der ersten Staffel ordentlich Lob und in Dänemark starke Quoten erspielt, wurde aber bislang nicht im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Mit der in sich abgeschlossenen dritten Staffel, hat sich das geändert. Arte strahlte die Staffel aus, die nun – wie auch die beiden vorangegangenen Staffeln – bei Edel Motion für das Home-Entertainment erschienen ist.

Die Handlung in der dritten Staffel von „Follow The Money“ setzt mit einem gewissen zeitlichen Abstand ein, der auch in Realzeit vergangen wäre. Da es sich um völlig neue Ermittlungen handelt, bei denen aus den vorangegangen Staffeln, die inhaltlich enger zusammenhingen, nur noch zwei Hauptfiguren dabei sind, kann man „Die Spur des Geldes“ getrost auch ohne Vorwissen anschauen. Für alle, die ihr Serienwissen auffrischen wollen, gibt es auf brutstatt.de die Vorstellung von „Follow The Money – Staffel 1“ und „Follow The Money – Staffel 2“.

Noch dabei in der dritten Runde von „Follow The Money“ sind der Polizist Alf Rydberg (Thomas Hwan) und der Gauner Nikky Rasmussen (Espen Smed). Zwischen den beiden Gegenspielern kommt es zu einem Duell im Drogenmilieu. Neu im Spiel ist die Bankerin Anna Berg Hansen (Maria Rich), die eher zufällig in die Kriminalität abrutscht; aber der Reihe nach:

Seit Alf bei einem Einsatz angeschossen wurde, ist er von der Wirtschaftskriminalität in eine Sondereinheit versetzt worden. In der „Task Force Nørrebro“ gehen Alf und seine Kollegen dem Drogenhandel in Kopenhagens Multi-Kulti-Stadtteil auf den Grund. Doch anders als sein Kollege Möller, der handeln will, Dealer ins Gefängnis bringen und Drogen von der Straße, versucht Alf immer wieder die Ermittlungen auf die Hintermänner auszudehnen, indem keine direkten Verhaftungen der Straßendealer erfolgen, sondern ihre Aktivitäten längerfristig beobachtet werden.

Mit seiner bürolastigen und zeitintensiven Arbeitsweise stößt Alf nicht auf Gegenliebe, aber das Auffinden von etlichen toten Rumänen, die in einem Kellerraum in einem Lagerhaus erstickt sind, bringt Alf zynischerweise endlich Argumente, denn alle Toten waren seit kurzem erfolgreiche Geschäftsleute, die viel Geld ins Ausland transferiert haben. Das riecht nach Geldwäsche.

Ganove Nikky bekommt derweil ein Problem mit seinem eigentlich perfekten System der Geldwäsche. Er verkauft für den gefürchteten Drogenboss Marco Hasch in Kopenhagen und alles läuft stressfrei, bis die Rockerbande von Benny plötzlich 150 Kilo mehr braucht als bisher. Nikky bleibt kaum eine Wahl als sein Business auszuweiten und sich andere Wege der Geldwäsche zu suchen als über das kleine Reisebüro eines alten Libanesen.

Die ältere Bankangestellte Anna hatte sich als Filialleiterin beworben, doch eine jüngere Kollegin wurde der Familenmutter vorgezogen. Als ihr Mann, ein Bauunternehmer, kurz darauf an den Rand des Konkurses rutscht, weil einem Zulieferer die Bankkredite bei Annas Kreditinstitut gekündigt wurden, nötigt er Anna, sich um diese Finanzprobleme zu kümmern, auch wenn es illegal ist. Schließlich hänge die Existenz der Familie davon ab. Anna tut wie verlangt und bekommt so Kontakte in die Unterwelt. Der Bedarf für Geldwäsche ist enorm.

“Menschen biegen das System jeden Tag. Man hört nur von denen, die nicht geschickt genug waren.“ (Anna)

Serien-Macher Jeppe Gjervig Gram („Borgen –Gefährliche Seilschaften“) ist ein Autor, der komplexe Sachverhalte auf ebenso verständliche wie spannende Handlungen übertragen kann. In der dritten Staffel von „Follow The Money“ wird er von den Autoren Jenny Lund Madsen und Adam August unterstützt. Dem Autorenteam gelingt es den Figuren wie bisher in der Serie realistische und problembeladene Lebensumstände zu verpassen, die auch glaubhaft sind.

So hat Ermittler Alf Schlafstörungen, die sich zu Drogenproblemen ausweiten, wenn er beginnt sich auf der Straße Schlaf- und Aufputschmittel zu besorgen. Darüber hinaus werden die Ermittlungen von einem einflussreichen Unbekannten gesteuert, dessen Absichten sich Alf anfangs nicht erschließen. Alf ist nur froh, sachdienliche Hinweise zu bekommen.

Der Kriminelle Nikky hat es zu einigem Einfluss gebracht und ist als rechte Hand des mysteriösen Marco die große Nummer im Cannabis-Geschäft. Doch sein Kumpel Lala meldet Partner-Ambitionen an, neben den Rockern drängen nun auch die Libanesen in das Haschgeschäft und es droht ein Bandenkrieg. Nikky will da nicht hineingezogen werden, auch, weil er gerade wieder Kontakt zu seinem kleinen Sohn aufnehmen will. Das gestaltet sich längst nicht so reibungslos wie Nikkis Geschäfte.

Bankerin Anna leidet unter mangelndem Selbstwertgefühl, das ihr nicht nur von ihren Vorgesetzten vermittelt wird, sondern auch von ihrem Gatten und in der Missachtung ihrer Arbeit als Hausfrau und Mutter. Selbstredend bleibt dieser Teil des Zusammenlebens an der Frau hängen, während ihrem Ehemann, der sich selbst als Versorger sieht, wirtschaftlich die Felle wegschwimmen. Mit den neuen Bankkunden und ihren illegalen Anliegen ergeben sich für Anna ganz neue Perspektiven. Je mehr Geld sie bewegt, desto größer wird auch ihr Selbstbewusstsein.

Gerade die neue Bankerin in „Follow The Money“ wird anfangs etwas plakativ in die Kriminalität geführt. Da ist viel Hobbypsychologie im Spiel und das Motiv des Mütterchens, das nur um Anerkennung bettelt, wird ziemlich überreizt. Ebenso wie Alfs Affäre mit der verheirateten Staatsanwältin zwar ein Nebenmotiv darstellt, aber letztlich in der Story nicht viel weiterführt.

Insgesamt sind auch in der dritten Staffel von „Follow The Money“ einige Längen auszumachen. Es hätte dem Format – unabhängig von Spannungsbögen – gut getan, einige Mäander zu begradigen, um dem Hauptstrom eine höhere Fließgeschwindigkeit zu verschaffen. Letztlich wäre die Geschichte auch mit acht statt zehn Folgen ausführlich erzählt worden. Fans werden das freilich anders sehen und sich über jede neue Wendung freuen, die das Serienvergnügen verlängert.

“Du hättest dich auch bewerben können.” (Bankvorstand Svendsen)

Eigentlich gewinnt die dritte Staffel gegenüber den beiden vorangegangenen an erzählerischer Freiheit, da die stärker zusammenhängenden Storystränge aus dem Bankengeschäft auserzählt sind, und nun ein gewisser Neuanfang gemacht werden kann. Das Spin-Off stützt sich dabei vor allem auf die nicht erzählten Aktivitäten von Nikki, der seit Ende der zweiten Staffel in Spanien untertauchen musste. Offensichtlich hat er seine Kontakte sehr clever genutzt und in Dänemark eine starke Position auf dem Drogenmarkt aufgebaut.

Daraus resultiert auch, dass die Geschichte etwas Mafia-ähnlicher rüberkommt. Es gibt im Hintergrund auch stärkere Ähnlichkeiten mit dem schwedischen Thriller „Easy Money“ (2009) mit Joel Kinnaman („The Killing“, „Robocop“), der schlussendlich zu einer modernen „Paten“-Trilogie ausgebaut wurde. Stark sind die Szenen in denen sich Alf und Nikki begegnen schon geworden und gerade da zeigt sich die Qualität von „Follow The Money“: Skandinavisches Understatement wenn sich die beiden Antagonisten treffen wie einst DeNiro und Pacino in „Heat“, Saftbar statt Diner.

Visuell ist „Follow The Money“ auch dieses Mal anders als die herkömmlichen „Nordic Noir“-Formate und kommt ohne winterliche Kältefilter und gehörige Düsternis aus. Aber es geht in Beleuchtungsfragen und Kameraführung auch sehr realistisch zu, das ist eher mit den Serien-formaten „Greyzone“ oder „Countdown Copenhagen“ vergleichbar, in denen es darum geht, eine Echtzeithandlung zu simulieren. In „follow the Money“sorgt die Optik ebenfalls für eine gewisse Dringlicheit.

Die dritte Staffel des dänischen Thriller-Formates „Follow The Money“ ist stärker geworden als die Vorgänger-Saison. Das liegt absurderweise daran, das die Serie von etwas von ihrem wirtschaftskriminellen Kern abgerückt ist und sich auf die Strukturen des Drogenhandels konzentriert. So kommt das Duell zwischen Polizist und Gangster, die eine gemeinsame Vergangenheit habe, sehr viel wirksamer zur Geltung und trägt die Serien-Staffel über weite Strecken. Wer die Serie bislang attraktiv fand, wird sich aber auch in der dritten Staffel, die aufgrund ihrer Eigenständigkeit wie ein Spin-off wirkt, gut unterhalten fühlen.

Serien-Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

Follow The Money – Staffel 3 – Die Spur des Geldes
OT: Bedrag Season 3
Genre: TV-Serie, Thriller, Krimi, Drama
Länge: ca 600 Minuten (10 x 60 Minuten), DK, 2019
Idee: Jeppe Gjervig Gram,
Regie: Sören Balle, Milad Alami, Gustav Möller et al.
Drehbuch: Jeppe Gjervig Gram, Adam August, Jenny Lund Madsen
Darsteller: Esben Smed Jansen, Thomas Hwan, Maria Rich
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Edel Motion
DVD- & BD-VÖ: 03.09.2020

Copyright der Fotos by Edel Motion & DR

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