The Bay – Staffel 1: Teenage Kicks

In der britischen Krimi-Drama-Serie „The Bay“ werden Jugendliche vermisst und die leitende Polizistin hat ihre eigenen Kids auch nicht wirklich im Griff. ITV hat die Serie produziert, die an Englands nord-westlicher Küste spielt und mit viel Sozialdrama punkten kann. Hierzulande zeigte ZDFneo die Free-TV-Premiere und nun hat Edel Motion die Mini-Serie für das Home-Entertainment veröffentlicht. „Grantchester“-Star Morven Christie überzeugt als toughe Polizistin.

Die nordenglische Küstenstadt hat wahrlich schon bessere Tage gesehen. Einst war das Städtchen in der Nähe von Lancaster die Tourismusperle des Nordens und zog fast ebenso viele Besucher an, wie die Seebäder an Englands Südküste. Doch die Zeiten sind längst vorbei, die beiden Stadtbild prägenden Vergnügungspiers wurden abgerissen und wirtschaftlich ist hier schon lange kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Für eine alleinerziehende Polizistin bleibt da nicht viel Freizeit-Vergnügen.

Detective Sergeant Lisa Armstrong (Morven Christie), Mutter von zwei Teenagern, lässt sich nach einer Kneipentour mit Freundinnen und Karaoke auf einen One Night Stand ein, der sich als folgenschwer entpuppt. Am nächsten Tag sind zwei Teenager verschwunden und Armstrong soll als so genannter „Opfer“-Beamtin oder Familien-Betreuerin die Kontakte zu der Familie der vermissten Zwillinge koordinieren. Doch ausgerechnet der flüchtige Bekannte vom Vorabend entpuppt sich als Vater der Kinder.

Außerdem hat DS Armstrong noch einen Neuen im Schlepptau, den sie Einarbeiten soll. Es gibt zunächst keinerlei Spuren oder Anhaltspunkte, warum die Zwillinge verschwunden sind, solange das der Fall ist, bleibt auch der Vater, Sean Meredith (Jonas Armstrong) verdächtig. Doch statt sein vermeintliches Alibi öffentlich zu machen, schweigt der Fischer. Lisa Armstrong schweigt ebenfalls, bleibt an dem Fall dran und versucht ihre Bekanntschaft mit Meredith zu vertuschen.

Von einigen britischen Kollegen wurde „The Bay“ schon als das „Broadchurch“ des Nordens abgefeiert und der Vergleich ist insofern treffend, weil es bei beiden Serien weniger um harte und spannende Polizeiarbeit geht als vielmehr darum, mittels einer Kriminalhandlung eine Sozialstudie zu erzählen. „The Bay“ thematisiert die ärmliche wirtschaftliche Lage der Region und die damit verbundenen Probleme.

Dazu gehören auch dysfunktionale Familien und eine nachwachsende Generation, die vor Ort kaum eine Zukunft geschweige denn eine Gegenwart sieht. Die Eltern der vermissten Zwillinge streiten vehement ab, dass ihre Kids einfach weggelaufen sein könnten. Dabei stellt sich – wie das bei so Serien zur Methode gehört – im Verlauf heraus, dass das Familienleben der Merediths keineswegs so harmonisch und glücklich war, wie sie der Polizei erzählen.

Damit wären wir auch schon beim Knackpunkt von „The Bay“, es geschieht nicht wirklich viel und schon gar nicht schnell. Vor allem aber werden die Informationen, die den Fall voranbringen so schematisch und abrupt eingestreut, dass man sich gelegentlich wundert, warum das nicht schon längst geklärt oder überprüft wurde. Viele der Figuren gewinnen bei dem gemächlichen Erzähltempo dennoch nicht an Tiefe und Vielschichtigkeit, sondern bleiben im Sinne ihrer Genrefunktion zu schematisch. So wirkt auch die typisch britische Sozialkritik nicht immer substanziell. Das liegt beileibe nicht an den Darstellern sondern an den Drehbüchern und den bisweilen müden Dialogen.

Während der Suche nach den Vermissten die Zeit davonläuft hat Lisa Armstrong als Mutter alle Hände voll zu tun. Ihre beiden Kinder sind selbst im Teenageralter. Während der scheinbar brave Sohnemann Rob (Art Parkinson) sich auf Mutproben einer mysteriösen Online-Gemeinschaft einlasst, wird seine rebellische Schwester Abbie (Imogen King) von der Schule suspendiert und gerät an einen scheinbar charmanten Drogendealer.

Bei Lisa zuhause hängt also schon mal der Haussegen schief, wenn die vielbeschäftigte Polizistin denn mal daheim auftaucht. Morven Christie, die Zuschauern aus der Krimi-Serie „Grantchester“ bekannt sein dürfte, in der sie die Freundin und Geliebte von Pastor Sidney Chambers spielt, mimt ihre Polizistin keineswegs nur mit tougher Härte, sondern verleiht ihrer Figur auch eine lebensnahe Tiefe, die die Serie trotz allem trägt.

Die britische Drama-Serie „The Bay“ mag vor allem für Zuschauer empfehlenswert sein, die ihre Krimis gerne mit Milieustudien angereichert sehen und weniger auf düstere und brutale Spannung. Eine Duftmarke kann die erste Staffel aus der Morcambe Bay setzen, mehr aber auch nicht. Eine Fortsetzung soll in Planung sein.

Serien-Wertung 6 out of 10 stars (6 / 10)

The Bay – Staffel 1
OT: The Bay, Season 1
Genre: TV-Serie, Krimi, Drama,
Länge: ca. 274 Minuten (ca. 6 x 45 Minuten), GB, 2019
Idee & Drehbuch: Darag Carville et al.
Regie: Lee Haven Jones, Robert Quinn
Darsteller: Morven Christie, Imogen King, Art Parkinson, Jonas Armstrong
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel Motion, ZDF Enterprises
DVD-VÖ: 20.03.2020

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