The Good Place – Staffel 1: Alles Scheibe im grünen Bereich

Die amerikanische Sitcom „The Good Place“ zeigt den Zuschauer:innen endlich wie es im Jenseits aussieht. Wer bei der Vorstellung schmunzeln muss, dass nicht die Weltreligionen sondern ausgerechnet ein kiffender Teenager, der alles gleich wieder vergaß, die treffendste Vorstellung vom Leben nach dem Tod hatte, könnte an „The Good Place“ Spaß haben. Justbridge Entertainment veröffentlicht die 1. Staffel des beliebten Comedy-Formats nun auf DVD und Blu-ray für das klassische Home-Entertainment.

Es ist für Eleanor Shellstrop (Kirsten Bell) schon eine Überraschung als sie erfährt, dass sie gestorben ist. Aber der freundliche grauhaarige Herr, der sich als Architekt Michael (Ted Danson) vorstellt, beruhigt Eleanor gleich wieder: Sie befindet sich aufgrund ihrer guten Taten im „Grünen Bereich“ (Im Original: good place) eine Art Paradies oder das was man weltläufig als Himmel bezeichnen würde.

Hier in der Nachbarschaft, die Michael nach 1000jährigem Praktikum erstmals selbst entwerfen durfte, ist alles auf die Träume und Vorlieben der Bewohner abgestimmt. So findet sich Eleanor in ihrem – etwas winzig – ausgefallenen Wunschzuhause neben einem Palast wieder. Außerdem wird Eleanor ihr Seelenverwandter vorgestellt, mit dem sie die Ewigkeit verbringen darf: Chidi Anagoyne (William Jackson Harper), der zu Lebzeiten Philosophie-Professor in Paris war.

Gleich am ersten Abend lernt die Neuverstorbene bei der Einweihungsparty im Palast nebenan auch ihre Nachbarin kennen. Tahani Al-Jamil (Jeena Jamil), hat Milliarden für wohltätige Zwecke gesammelt und sie weiß wie man eine Party organisiert. Leider hat ihr Seelenverwandter Jason (Manny Jacinto) als buddhistischer Mönch ein Schweigegelübde abgelegt, an das er sich auch im Jenseits hält.

Doch etwas ist faul im „Grünen Bereich“: Eleanor ist nur aufgrund einer Verwechslung hier gelandet und ist eigentlich ein egoistisches Wesen, schadenfreudig und boshaft. Das scheint in der Nachbarschaft für erhebliche übernatürliche Störungen zu sorgen. Eleanor beichtet ihrem enttäuschten Seelenverwandten die Verwechslung und bittet Chidi um Hilfe, damit sie nicht wieder gehen muss.

Gleichzeitig sucht Architekt Michael mit der humanoiden Daten-Assistentin Janet (D’Arcy Carden) nach dem Konstruktionsfehler in seiner Nachbarschaft. Ausgerechnet Eleanor soll ihm dabei helfen. Als sei das noch nicht stressig genug, scheint jemand hinter ihr Geheimnis gekommen zu sein.

Es ist nicht so, dass „The Good Place“ als Comedy-Format nicht mehr funktioniert, sobald das Publikum die Ereignisse und Wendungen kennt, aber Spoilern schadet auf jedem Fall dem Überraschungseffekt, weswegen an dieser Stelle kaum weitererzählt wird als bis zur dritten Folge.

Das bei Publikum und Kritikern beliebte Sitcom-Format lief von 2016 an über 4 Staffeln und war hierzulande bei Pro7 Fun und bei Sixx zu sehen. Die 13 Folgen der ersten Staffel dauert jeweils etwa 25 Minuten wobei jeweils auch kurz die vorangegangene Handlung einleitend zusammengefasst wird. Auch gibt es kein für Sitcoms übliches eingespieltes Lachen.

„The Good Place“ hat am Ende der ersten Staffel für einige Überraschung gesorgt und später soll das Format noch einiges in Petto haben. Die deutsche Synchronfassung ist gelungen und bildet auch die Unmöglichkeit des Fluchens in dieser Nachbarschaft klug und lustig wieder.

Die Justbridge Veröffentlichung scheint „Extended Episodes“, also längere Fassungen als die TV-Ausstrahlung, zu enthalten. Das lässt sich aber nicht bestätigen, da diese in den Blu-ray-Menü nicht kenntlich gemacht sind und Zuschauer:innen schlicht die Episoden anwählen können.

Serienmacher Michael Schur gehört zu den erfolgreichsten Comedymachern in aktuellen US-amerikanischen Fernsehen. Er war nicht nur lange Produzent von „Saturday Night Live“ sondern hat auch die Serienformate „Parks and Recreation“ und „The Office“ entwickelt. Wobei die amerikanische Variante von „The Office“ auf der britischen Vorlage der BBC-Produktion beruht.

Was „The Good Place“ ausmacht ist eine typische „Fisch auf dem Trockenen“-Situation mit existenz-bedrohenden Folgen. Falls Eleanor auffliegt, muss sie in den „Roten Bereich“ (im Original: the bad place), also dorthin, wo wir „Hölle“ sagen würden. Um da nicht zu landen, muss sie unbedingt ein besserer Mensch werden. Wobei auch das nur bedingt hilfreich sein mag, da sie ja schon tot ist und ihre aktuellen guten Taten nicht mehr in ihre Lebensleistung einfließen. Der Drops schein gelutscht.

Dennoch gibt sich Eleanor Mühe hier zu bleiben, weil es ihr eigentlich ganz gut gefällt. Und Seelenverwandter Chidi, der ein Problem hat, Entscheidungen zu treffen, ringt sich dazu durch, der falschen Eleanor Unterricht zu geben, wie man ein besserer Mensch wird. Da wird es schon mal arg philosophisch. Für ein Sitcom-Format ist das durchaus gewagt.

Selbst wenn „The Good Place“ vordergründig etwas harmlos, bieder und betulich wirkt, verbirgt sich hinter der pastellfarbenen Frozen-Yoghurt-Fassade ein bissiger Humor, der schon seine zweischneidigen Elemente hat und immer wieder mit sehr überraschenden Wendungen aufwarten kann. Aber das mag jede:r selbst erkunden. Es lohnt sich länger dranzubleiben, vor allem, weil sich die Charaktere entwickeln und die Handlung im Grunde horizontal erzählt wird, also fortlaufend ist.

Die Besetzung ist mit Serienstar Kristen Bell („Veronica Mars“, „Gossip Girl“) in der Hauptrolle gelungen und auch die anderen Darsteller fügen sich hinreißend und charmant in ihre Rollen. Das ist insofern wichtig, weil sich „The Good Place“ nicht nur auf die Abenteuer der Hauptfigur verlässt, sondern auch immer wieder effektvoll und lustig die anderen Figuren in den Mittelpunkt rückt. Mitunter entsteht daraus etwas Übernatürliches und Tiefgründiges wie die Vermählung unvereinbarer Prinzipien.

Die us-amerikanischen Sitcom „The Good Place“ gibt auf ebenso charmante wie humorvolle Weise einen Einblick in das Leben im jenseitigen Paradies. Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt und es gibt kleinere Probleme und mittelschwere Katastrophen. Sehr zur Freude des Publikums. Gerne mehr davon.

Serien-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

The Good Place – Die komplette Staffel 1
OT: The Good Place – Season 1
Genre: TV-Serie, Sitcom,
Länge: ca 308 Minuten (13 x ca 25), USA, 2016
Idee: Michael Schur
Darsteller:innen: Kirsten Bell, Ted Danson
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Justbridge Entertainment
DVD- & BD-VÖ: 04.02.2022

The Good Place bei justbridge

Copyright der Photos by NBC & Justin Lubin bzw. Ron Batzendorf

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