Hamilton – Staffel 2: Der Preis der Arbeit

Die moderneSkandinavische Spionage-Serie „Hamilton“ ist mit einer zweiten Staffel zurück. Basierend auf Charakteren aus Bestsellerautor Jan Gillous „Coq Rouge“-Reihe ermittelt Schwedens Geheimagent Carl Hamilton wieder in vier actiongeladenen Missionen. Zu sehen war die vom ZDF koproduzierte Serie bereits als Sonntags-Thriller nun veröffentlicht Edel Motion die zweite Staffel von Hamilton auch für das klassische Home-Entertainment.

Das Publikum erinnert sich: In der ersten Staffel von „Hamilton“ tauchte der schwedische Geheimagent (Jakob Oftebro) unerwartet wieder in seiner Heimat auf und war sogleich in ein Bombenattentat verwickelt. Die Ermittlungen dauerten über neun Episoden an.

Nun zu Beginn der zweiten Staffel haben sich die Spielregeln geändert. Privat ist Hamiltons demente Mutter verstorben und er versucht mit seiner Schulfreundin Lykke (Felice Jankel) eine Beziehung zu führen. Doch die junge Frau kommt sich immer häufiger von Carl ausgeschlossen vor. Sie ahnt, dass er keine IT-Spezialist ist. Welcher Nerd wird schon mit dem Helicopter abgeholt (Außer Serien „Jack Ryan“). Folglich lehnt Lykke Carls Heiratsantrag ab.

Auch in der Geheimdienstzentrale hat sich einiges geändert. Sein alter Vorgesetzter DG ist gestorben und stattdessen ist nun die ehemalig Säpo-Polizistin Kerstin Ek (Nina Zanjani) seine Befehlshaberin. Auch der IT-Spezialist der SÄPO, Birger Hartman (Jörgen Thorsson) verstärkt das Geheimdienst-Team nun.

Eigenständige Missionen statt Staffelhandlung

In der zweiten Staffel von „Hamilton“ haben sich die Macher entschieden keine zusammenhängende Staffelhandlung zu erschaffen, sondern Hamilton auf vier Spielfilmlange, in sich abgeschlossene Missionen zu schicken. Hierzulande folgt das dem ZDF Sonntags-Krimi Format, andernorts ergeben immer zwei Folgen einen Film. Die Drehbücher stammen dabei jeweils aus unterschiedlicher Feder und sind von unterschiedlicher Qualität. Verantwortlich für die Inszenierung zeichnen Eric Leijonberg für die ersten beiden Abenteuer, „Mord am Mittelmeer“ und „Das Kiruna Projekt“, und Per Hanefjord für die letzten beiden Missionen, „Lykke darf nicht sterben“ und „Der zerbrechliche Planet“.

In Mord am Mittelmeer“ wird Carl Hamilton an die Cote d’azur geschickt, wo ein schwedischer Marinetaucher bei einem Übungseinsatz unter amerikanischer Aufsicht ums Leben gekommen ist. Der Mann war ein Freund von Carl, weshalb es ihm schwerfällt zu glauben, dass der Tote für Terroristen spioniert haben soll.

Doch tatsächlich wird der Zentralrechner der Französischen Armee von demokratiefeindlichen Kräften ins Visier genommen. Carl sorgt kurz nach seiner Ankunft für Aufsehen, als er einen Einbrecher tötet und aus dem Fenster wirft. Es dauert nicht lange, bis auch Kerstin EK vor Ort ist.

Anschließend ermittelt Carl Hamilton im Tagebau im nordschwedischen Kiruna. Hier ist auch das Schwedische Raumfahrt-Programm beheimatet. Doch ein verunfallter LKW an der Grenze zu Finnland, legt den Verdacht nahe, dass hier auch waffenfähige Nuklearwaffen im Spiel sein könnte.

Die Söhne eines kroatischen Journalisten, der ermordet wurde, scheinen gleichfalls in die Sache verwickelt zu sein, die eine EU-Weite Tragweite annimmt. Irgendwann drängt die Zeit und Carl hat jeden Kontakt zur Einsatzzentrale verloren.

Vom Mittelmer nach Nordschweden

In der dritten Mission Lykke darf nicht sterben“ hat sich Lykke endlich entscheiden Carl zu heiraten. Doch der muss von der Verlobungsparty zu einem Einsatz, weil eine chinesischstämmige Forscherin bedroht wird. Sie arbeite an DNS-Sequenzierung, der Analyse und Manipulation von Erbanlagen.

Das ist auch für Bioterrorismus interessant und eine Extremistengruppe will die Forschungsergebnisse. So gerät Lykke in Gefangenschaft der Extremisten, die die Festplatte mit den Forschungsergebnissen gegen die Geisel tauschen wollen. Nur sind die Entführer inzwischen in Weißrussland abgetaucht. Carl überredet seine Vorgesetzten zu einem riskanten Manöver.

In der abschließenden Mission „Der zerbrechliche Planet“ gerät ein schwedischer Wissenschaftler, der für einen Polnischen Energieversorgungskonzern arbeitet ins Fadenkreuz. Carl soll den Schweden sicher aus Warschau zurückbringen, doch der Mann hält sich nicht an Hamiltons Sicherheitsanweisungen.

Nach dem Zwischenfall in Warschau gibt es eine Spur zu einer Aktivistengruppe. Die Umweltaktivistin und Bloggerin Ina (Delila Piasko) soll Hamiltons Eintrittskarte zu den Aktivisten sein. Das klappt zunächst gut und Carl gelangt tatsächlich in das versteckte Camp der Aktivisten. Hier entdeckt er Waffen und Sprengstoffe, doch Ina glaubt ihm nicht, dass sie möglicherweise nur benutzt wird. Immerhin fährt ihre ehemalige Professorin die Aktivisten an.

Von Stockholm nach Warschau

Wer die erste Staffel der Agentenserie „Hamilton“ genossen hat, der kommt auch in der zweiten Runde auf seine Kosten. Es tut der Serie einerseits gut, auf eine durchgehende Staffelhandlung zu verzichten, da im Vorgänger einiges etwas zu ausführlich erzählt wurde. Andererseits fehlt es der Serie ein bisschen an übergeordneten Erzählsträngen. Die verlagern sich jetzt wie bei vielen Krimi-Serien üblich in das Privatleben des Agenten.

Für Carl und Lykke ist es alles andere als einfach eine unbeschwerte Beziehung zu führen und immer wieder kommt es zu Irritationen. Kerstin Ek ihrerseits hat ihre Ehe abgeschrieben und ihre Tochter lebt beim Vater. Zwechs dramaturgischer Verdichtung war es außerdem pfiffig die ehemaligen SÄPO-Mitstreiter ganz ins Serien-boot zu holen. So ist das Personal bereits etabliert und steht der actiongeladenen Handlung nicht im weg.

Die Missionen sind alle gelichermaßen komplex und packend angelegt. Wobei der Regiestil von Eric Lejonberg schon dafür sorgt, das „Mord am Mittelmeer“ und „Das kiruna-Projekt“ etwas spannender anzuschauen sind. Regiekollege Per Hanefjord setzt dann eher auf emotionale Dramatik und die psychologischen Effekte der adrenaligetriebenen Serie. In „Der zerbrechliche Planet“ sind Carls versuche Ina zu überreden wenig überzeugend. Einfach nur zu einzufordern: „Du musst mir vertrauen!“, bringt es dann auch nicht.

Immerhin ist in dem Bonusmaterial, das aus kurzen Einblicken in die Dreharbeiten besteht, zu sehen, dass Autor Jan Guillou am Set war und die Serie offensichtlich mag. Schließlich hat er Jakob Oftebro seinerzeit zwar nicht gecastet, aber für fähig und würdig befunden.

Die zweite Staffel der schwedisch-deutschen Spionage-serie „Hamilton“ nach Motiven von Thriller—Autor Jan Guillou überzeugt mit viel Action und kurzweiliger Dringlichkeit. Bisweilen bleiben die Dialoge etwas schlicht und die Wendungen genreüblich, aber das Format hat Charme und entwickelt Eigendynamik.

Serien-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Hamilton – Staffel 2
OT: Hamilton (S2), aka „Agent Hamilton“
Länge: 350 Minuten, D/S/LT, 2022
Regie: Eric Leijonborg Per Hanefjord
Literaturvorlage: „Coq Rouge“ Romanreihe von Jan Guillou
Darsteller: Jakob Oftebro, Annika Hallin, Jörgen Thorsson, Nina Zanjani
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Edel Motion, ZDF Enterprises
DVD- & BD-VÖ: 13.01.2023

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