Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern

Fans haben den „Black Widow“ Film des MCU sicher sehnsüchtig erwartet, der eigentlich dieser Tage geplant war. Die Virus-Pandemie hat sämtliche Kinostarts erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Zeit genug also, sich mit der, oder zumindest einer wichtigen Comic-Vorlage des kommenden Blockbusters zu beschäftigen. Panini Comics hat hierzulande gerade den Sammelband Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern herausgebracht. Eine actionreiche Angelegenheit.

Für diesem Marvel Knights Sammelband ist keinerlei Vorwissen von Nöten. Die drei in sich abgeschlossenen Geschichten, die jeweils über drei US-Hefte ausgebreitet werden, befassen sich mit der Vergangenheit der Black Widow Natasha Romanow. Bevor sie eine Averger wurde, war Miss Romanow eine russische Spionin, die von KGB im Ausbildungszentrum Red Room zur effizienten Spionin und Kampfmaschine ausgebildet wurde.

Ihr Comic-Debüt feierte Black Widow einst als Gegnerin von Iron Man. Aber das war schon in den 1960ern. Heute bietet die ambivalente Vergangenheit der Heldin immer wieder Stoff und Ansatzpunkte für neue spannende Spionage-Stories. So beispielsweise auch die 2016 gestartete „Black Widow“-Soloserie von Mark Waid und Chris Samnee, deren Auftaktband auf diesen Seiten vorgestellt wurde.

Nun aber „Tödliche Schwestern“: Dabei handelt es sich um drei Geschichten, die Natasha Romanow mit einer anderen russischen Black Widow konfrontieren. Diese Yelena Belov wurde ebenfalls im Red Room ausgebildet und wird nun von den Sowjets für Spionage-Aufträge eingesetzt. In „Tödlicher Wahnsinn“ (OT: „Itsy Bitsy Spider“) treffen die beiden Schwarzen Witwen aufeinander, als sie für ihre jeweiligen dienste ein mysteriöses und tödliches Virus ausfindig machen sollen. Die Geschichte nimmt ihren Anfang in der vorderasiatischen Wüste im fiktiven Land Rhapastan. Yelena hängt sich bereits in den USA an Natashas Fersen und die jüngere macht ihren Anspruch auf Namen und Virus nachdrücklich geltend.

Die Story von Devin Grayson ist klassisches Spionage-Material mit ein bisschen S.H.I.E.L.D.-Hintergrund und das Artwork von J.G. Jones ist ebenso wie die Kolorierung von Dave Kemp typisch für die ausgehenden Neunziger. Runde, nicht mehr komplett muskelbepackte Charakter, ordentlich Soundeffekte und sehr offenes Panneling. Bisweilen wird auf Hintergründe verzichtet, was die Figuren aus den Seiten treten lässt. Gefällig Sache dieser „Tödliche Wahnsinn“.

Weiter geht es dann mit dem Dreiteiler „Identität“ (OT: „Breakdown“) in dem der russischen Black Widow, Yelena, von der amerikanischen, Natasha, die Identität geraubt wird. Wie in John Woes filmischem Action-Spektakel „Face Off –Im Körper des Feindes“ tauschen die beiden Witwen die Gesichter. Daredevil, seinerzeit Widows Lover, ist damit nicht so ganz einverstanden, aber schließlich geht es um Ergebnisse. Die psychologisch ausgefeilte Spionage-Thriller-Story stammt von Devin Grayson und Greg Rucka. Das Artwork von Scott Hampton ist keine typische mainstream-superhelden-angelegenheit, sondern eher aus künstlerischen Graphic Novels bekannt. Etwas erinnert der Stil, der mit wenig schwarzer Konturierung und sehr pastellartiger Farbgebung punktet an Esad Ribics („Silver Surfer: Requiem“) Art zu zeichnen.

Zum Abschluss gibt es dann noch den Dreiteiler „Blasse kleine Spinne“ (OT: „Pale Little Spider“) von Autor Greg Rucka und Zeichner Igor Kordey geht dann noch etwas erwachsener zur Sache. In einem Sexclub in Moskau wird der Ausbilder von Black Widow Yelena Belov tot aufgefunden. Nun muss die Agentin den Todesfall aufklären, hat es dabei mit Moskauer Polizisten zu tun und mit einer ziemlich herrischen Domina. Im Privatleben des Ausbilders tun sich perverse Abgründe auf. Die Farbgebung von Chris Chuckry und die Zeichnungen von Igor Kordey wirken in ihrer organischen und cartoonesque überspitzen barocken Üppigkeit schon sehr nahe an Howard Chaykins Fortsetzung seines Skandalcomics „Black Kiss“. Inhaltlich wandelt Rucka auf den abgründig erwachsenen Spuren von Garth Ennis, dessen „Hellblazer“ vor allem aber „Preacher“ ja auch mal derbe gewalttätig und explizit zur Sache kommt. Wie auch immer, die Story von Rucka funktioniert als subtiler Mordfall, quasi Darkroom statt Red Room.

Insgesamt sind die drei Geschichten alle recht lesenswert und sind etwas erwachsene wie man das von „Marvel Knights“ und später von „Marvel Max“ Titeln auch erwartet. Bei Black Widow spielen da selbstreden auch sexy Unterschwingungen mit, um die männliche Leserschaft zu packen, und selbst wenn heute einiges optisch etwas plump wirkt, entsprechen die Stories doch dem Zeitgeist und als Trilogie wird auch grafisch und Stilistisch eine große Bandbreite vorgeführt. Die düsteren Angelegenheiten stammen übrigens aus den Jahren um die Jahrtausendwende und wurden auch hierzulande als Einzelhefte bei Panini veröffentlicht. Wer damals schon dabei war, braucht diese Sammelausgabe also weniger, alle anderen können sich auf spannende und düstere Thriller-Action freuen.

Der Sammelband „Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwester“ konfrontiert die beliebte Avengers-Heldin mit ihrer Vergangenheit und so auch mit sich selbst. Drei starke Stories sorgen für actionreiche und spannende Comic-unterhaltung, die Lust auf den kommenden „Black Widow“-Film macht.

Comic-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern
OT: Black Widow (1999) 1-3, Black Widow (2001) 1-3, Black Widow (2002) 1-3, Marvel Comics
Autoren: Devin Grayson, Greg Rucka
Zeichner: J. G. Jones, Scott Hampton, Igor Kordey,
Farben: Scott Hampton, Andy Troy, Chis Chuckry, et al.
Übersetzung: Carolin Hidalgo, Reinhard Schweizer
Verlag: Panini Comics, Softcover, 228 Seiten
VÖ: 07.04.2020

Black Widow – Tödliche Schwestern bei Panini Comics

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