Salad Days: Straight outta Washington, D.C.

salad-days-documentary-1-vorschauJa, ich trag mal wieder Eulen nach Athen, damit auch jene, die neu in der Gegend sind, wissen, worum es geht. Washington, D.C. ist bekanntermaßen die Hauptstadt der USA. Altgediente Punk- und Hardcore-Fans wissen hier aber auch eine fantastische Musikszene zu verorten, die in den 80ern virulent, wütend  und kreativ war -in Sachen Weiterentwicklung des Punk. Maßgeblichen Einfluss hat der DC-Hardcore auch heute noch. Begriffe wie Emo-Core und Straight Edge wurden hier, wenn auch unfreiwillig und wohl auch aus einem Missverständnis heraus, geprägt. Filmmacher Scott Crawford war schon damals als junger Bengel und Fanzine-Macher Teil der Szene. Darum ist „Salad Days“ auch so mitreißend und so lebendig ausgefallen. Eine Pflichtverantstaltung für alle, die sich Punk nennen wollen.

Dasalad-days-documentary-5s immer noch pumpende Herz der damaligen Hardcore-Bewegung  in Washington, D.C. ist Ian MacKaye und dem gehören konsequenter Weise auch die Eröffnungsstatements der Doku. Der Sänger und Mitbegründer von Minor Thread und Fugazi und Labeleigentümer von Dischord steht wie kein anderer für die Punk-Szene, die sich zu Beginn der 1980er Jahre in der amerikanischen Hauptstadt gebildet hat. Damals konnte man in DC fast alles machen, weil keiner hingeguckt hat.

Die Stadt hatte damals etwa 500 000 Einwohner und kaum mehr als die Verwaltungsbürokratie der Regierung zu bieten. Runtergewirtschaftet wie so viele amerikanische Städte zu der Zeit. Doch wo urbane Brachen sind, tun sich Lücken und Nischen auf, die Undergroundszenenkulturen zu nutzen wissen. Besonders der vor allem von Afroamerikanern bewohnte ziemlich heruntergekommene Stadtteil Georgetown hatte einen extrem schlechten Ruf. Ausgerechnet hierhin verschlug es die weißen Kids, wenn sie ihre Lieblingsbands live auf der Bühne sehen wollten.

SaladDays-documentary-7Und in allerbester Do it Yourself Manier gründeten sich erste Bands, die den Punk auf ihre Weise interpretierten: Mit mehr Geschwindigkeit, mit mehr Wucht und mehr Wut. So wie die afroamerikanische Punk-Band Bad Brains. Ian MacKaye gründete „Minor Thread“, deren letzter EP „Salad Days“ auch Crawfords Doku ihren Namen verdankt. Henry Rollins shoutete – damals noch kaum tattoowiert unter seinem richtigen Namen Henry Garfield – bei S.O.A. (State of Alert) ins Mikro und „Youth Birgade“, „Teen Idles“ und „Void“ legten die Grundsteine dessen, was heute Hardcore genannt wird. Dischord war von Beginn an als Veröffentlichungsorgan der Szene gedacht.

Straight Edge wie es heute verstanden wird, war damals kaum einer in der Szene, sondern vor allem minderjährig, was bedeutete, dass die Jungs und Mädchen entweder nicht in Clubs hereingelassen wurden, oder mit fetten Edding-Kreuzen auf den Händen markiert wurden, damit sie keinen Akohol bekamen. MacKaye und Co. wollten die Kids aber bei den Shows haben, woraufhin konsequenter Weise der Alkoholausschank unterblieb. Es ging immer nur um die Musik, den Zugang zur Musik und das Selbermachen.

salad-days-documentary-ianmackayeScott Crawford ist in seiner durch Crowdfunding finanzieren Doku nicht an Nolstalgie und Verklärung der guten alten Zeit gelegen, sondern an einer umfassenden Dokumentation der Szene. Weil Crawford schon damals Teil der Hardcore-Szene war, hat er auch eine Vielzahl an Musik-Veteranen und Szenepersönlichkeiten vor die Kamera bekommen. Außerdem gibt es auch einen Haufen Amateurvideos aus der Zeit, die die Rückschau eindrücklich ergänzen und die Konzertfotos (hauptsächlich von Jeff Saah) zum Leben erwecken. So erzählt man ohne Nostalgie von früher, vom Einfluss des Trouble Funk, vom Niedergang der ersten Welle der Bands, vom Revolution Summer und der Weiterentwicklung der Szene. Die Wut bleibt, der Groove kommt. Fugazi treten auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und Major Label strecken ihre kalten Greifer nach der lokalen Szene aus.

„Salad Days“ macht nicht nur Spaß und transportiert den Spirit jener Tage, sondern ist für nachfolgende Fans und Musiker auch ein brodelnder Topf voller Musik, die es vielleicht noch zu entdecken gilt. Für alle anderen Punks und Ex-Punks vielleicht eine Rückbesinnung auf das, was wirklich relevant ist.

Movie Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

salad-days-documentary-plakatSalad Days
OT: Salad Days – a Decade of Punk in Washington, D.C. (1980-1990)
Genre: Musik, Dokumentarfilm, Punk
Länge: 100 Minuten, USA 2014
Regie: Scott Crawford
Mitwirkende: Ian MacKaye, Henry Rollins, Thurston Moore
Vertrieb: Moviemento
Kinostart: 14.05.2015

Offizielle Film-Homepage Salad Days
Discord Label-Homepage
Jim Saah Homepage

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