Marty Supreme: Schläger-Geräusche

Es gibt einen Unterschied zwischen Ping-Pong und Tischtennis. Das zumindest wiederholt der quirlige Marty Mauser immer wieder in dem neunfach Oscar-nominierten Action-Drama „Marty Supreme“. Der junge Mann gilt als Amerikas bester Tischtennisspieler, in einem Land, das sich nicht für Ping-Pong interessiert. Zu sehen mit einem fiebrig charismatischen Timothée Chalamet ab dem 26. Februar im Kino.

Anfang der 1950er Jahre arbeitet Marty Mauser (Timothée Chalamet) im Schuhgeschäft seines Onkels. Der junge Mann ist ein Verkaufstalent und kann scheinbar jedem neue Schuhe aufschwatzen. Deshalb soll Marty auch Geschäftsführer werden. Doch der hat andere Pläne. In London findet eine Tischtennis-Weltmeisterschaft statt und Marty will teilnehmen.

Als der Onkel ihm den Lohn dafür vorenthält, steckt Marty seinem Kollegen, der schon lange auf die Beförderung wartet, dass er auch dieses Mal leer ausgeht…aber er könne Marty auch einfach das Geld geben, das ihm ohnehin zusteht und dann wäre er weg. Schade findet das auch Rachel Mizler (Odessa A’zion), die zwar verheiratet ist, aber immer wieder mit Marty in die Kiste steigt.

In London spielt Marty klasse Tischtennis, verliert im Finale aber gegen den Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi). So wird das nichts mit der groß geplanten Imagekampagne für den Sport mit den kleinen Bällen. Immerhin macht sich Marty mit seiner großspurigen Art beim Weltverband nicht gerade beliebt. Aber ihm gelingt der Kontakt zu einem Wirtschaftsboss.

„Start spreading the News, i’m Leaving today
I want to be a part of it – New York New York

Milton Rockwell verkauft Kugelschreiber und will in den vielversprechenden asiatischen Markt expandieren. Marty hält Tischtennis für das richtige Werbevehikel und hat außerdem ein Auge auf Rockwells gelangweilte Gattin geworfen. Die ehemalige Hollywood-Schönheit Kay Stone (Gwyneth Paltrow) weiß noch nicht, was sie von den Avancen des spiddeligen Energiebündels halten soll. Das Projekt zieht sich und zurück in den USA muss Marty sehen, wie er über die Runden kommt. Beispielsweise mit Wetten in Tischtennis-Kneipen.

Schauspieler Timothée Chalamet ist einer der spielfreudigsten seiner Generation („Dune“, „Bones and All“, „Like a complete Unknown“) und hatte nach eigenem Bekunden bereits für seinen jungen Bob Dylan mit dem Oscar gerechnet. Nun soll es als maulflinker Tischtennis-Spieler soweit sein und „Marty Supreme“ ist für neun Oscars nominiert.

Sicherlich steht Marty Mauser als schillernde und irgendwie linkische Außenseiterfigur im Zentrum der Betrachtung, aber „Marty Supreme“ ist alles andere als ein Sportfilm. Ebensowenig wie es auch „The Smashing Machine“ ist. Das ist insofern interessant und vergleichbar, weil die Gebrüder Safdie bisher als Regieteam Filme realisiert haben. Während „Smashing Machine“ Bennys erste Alleinregie ist, ist „Marty Supreme“ Joshs erster Alleingang.

Beide Filme setzen auf eine ähnliche Prämisse und auf eine ähnliche Dynamik. Hier der Tischtennis-Besessene aus den 1950ern dort der Mixed-Martial-Arts-Vorreiter in den 1990ern. In beiden Fällen eine tragische Obsession, die sich im Sport artikuliert, aber auf Probleme im realen Leben hindeutet. Marty hat Schwierigkeiten da, was er für seien Bestimmung hält, loszulassen.

These Vagabond shoes ar longing to stray
Right through the very heart of it – New York New York“ (Frank Sinatra)

Das ist passioniert und mit viel Tempo in Szene gesetzt. Auch die Tischtennis-Sequenzen sind extrem unterhaltsam. Es zeugt von Detailbesessenheit, dass der deutsche Tischtennisprofi Timo Boll für den Film gecastet wurde. Allerdings geht es jenseits von einer exotischen Zurschaustellung kaum um die Finessen des Sports oder dessen Darstellung, stattdessen wird Spektakel geboten. Und so wundert es nicht, dass Marty ein „Job“ im Vorprogramm der Harlem Globetrotters Welttournee angeboten wird. Auch die Basketballer sind vor allem als spektakuläre Artisten unterwegs um Geld zu verdienen.

Am Ende bleibt es dann an Marty sich zu entscheiden und herauszufinden, was er will. Das ist schon ein bisschen arg kitschig geraten und es bleibt die Erkenntnis, das das Publikum wenig mehr über Marty Mauser herausgefunden hat als es nach den ersten 10 Filmminuten zu entdecken gab. Das reale Vorbild für die Figur wird dann gleichermaßen unwesentlich.

Auf anderer Ebene aber weiß „Marty Supreme“ in seiner Detailversessenheit zu Glänzen. Als New York Film in aller bester Woody Allen Manier, ist die Stadt einfach hinreißend eingefangen. Und in den kundig und kurios gecasteten Nebenrollen spiegelt sich großer Spieltrieb und große Liebe zur Stadt, die niemals schläft. Salut an den großen Musikschreiber Larry „Ratso“ Sloman als Martys Onkel und Filmmacher Abel „King of New York“ Ferrara als hundeliebender Mobster Ezra Mishkin.

Nach packenden Ball- und Wortwechseln bleibt „Marty Supreme“ als ein eindrücklicher Schlemil in Erinnerung. Vielleicht etwas nebulös und von flatterhaftem Charakter, aber doch im Grunde einer, der sich durchschlawinert. Das ist bisweilen flott und knackig inszeniert, bisweilen hangeln sich die Szenen wie Netzroller über die Platte. So richtig schön ist das nicht, aber es zählt.

Bewertung: 7 von 10.

Marty Supreme
OT: Marty Supreme
Genre: Drama, Komödie
Länge: 149 Minuten, USA, 2026
Regie: Josh Safdie
Schauspiel: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion
FSK: Ab 12 Jahren
Verleih: Tobis
Kinostart: 26.02.2026

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