Wer seit fast 20 Jahren zusammen Musik macht, wird wissen was er mag. So wohl auch das Trio Dirty Sound Magnet aus dem schweizerischen Fribourg oder Freiburg. Deren Fuzz- und Verzerrer-induzierter Blues-Rock-Sound schwelgt gerne in Gitarren und nimmt sich hier und da Anleihen und Inspirationen. So auch auf dem aktuellen fünften Album „Me and My Shadow“, das seit Ende Januar 2026 erhältlich ist.
Schon der Opener ist ein Kracher, wenn mensch denn auf heavy Blues Riffs steht und auf eine groovy stampfende Hymen mit eingängigen Vocals. „Power of this Song“ huldigt auch textlich der Bluestradition und rockt zugleich ganz erheblich. Das ist schon faszinierend und wurde zurecht als Video/Single ausgekoppelt.
Freilich sind Barden selten so mantraartig auf so wenige schlagwortartige Ausdrücke fokussiert. Mir fällt Ben Harpers „Power of Gospel“ von „Fight For Your Mind“ ein. Oder auch Iggy Pos dadaistischer Hit „The Passenger“. Ich sag mal so, ich gestatte es es nur wenigen Künstlern mit ein „La la la“ entgegenzuschleudern. Möglicherweise gehören Dirty Sound Magnet künftig dazu.
„Dogs can be trusted, cats can be loved“
Das Trio hatte zuletzt 2023 ein Album vorgelegt, das sich in seiner musikalischen Ausrichtung schon von dem bisherigen Bandschaffen unterschied. Während bis dato vor allem heavy, bluesy, stoner, psychedelic gerockt wurde und es eigentlich auf jedem der drei Vorgängeralben mal eine ausufernde lange Nummer und einige Hitaspiranten für die Retro-Rock-Disko gab, war „Dreaming in Dystopia“ eher so eine progessive Hippie-Angelegenheit. Ich hörte da (zugegeben nur kurz und zu Recherchezwecken) viele Sixties-Einflüsse, Beatles Harmonien und melodisch bisweilen akustische Psychedelia, aber keine Riff-Kracher.
„Me and My Shadow“ kehrt also quasi zur alten Erfolgsformel zurück und in rund 42 Minuten bringt das Trio 8 Songs zu Gehör. Der Längste ist „Calypso“ mit annähernd 10 Minuten. Inhaltlich geht es darum, dass das lyrische Ich in den Träumen der Calypso ankommt. Kalypso ist in der Odyssee ein mythische Figur, mit der Odysseus lange auf einer Insel zusammenlebt, bis er schließlich doch nach Hause aufbricht. By The Way: Christopher Nolans Epos „Odyssee“ kommt diese Jahr auch in die Kinos.
„Wolves should be feared, Deer can be hunted“
Aber ich schweife ab; so wie der Song, der für jeden Traum, in dem der Erzähler auftaucht, ein neues Motiv und eine neue Stimmung aufbaut. Das ist aus progressiver und aus Komponistensicht sicher eine spannende Angelegenheit. Mir als Hörer war das zu diffus, zu ungerichtet und zu zerfasert. Ich konnte die Songstruktur nicht im Ohr behalten. Gleichwohl hat’s in „Calypso“ Ideen für zwei Dutzend Lieder.
Damit wäre die Bandbreite von Dirty Sound Magnet grob umrissen. Darin befinden sich auf „Me and My Shadow“ weitere Sound- und Songperlen. „Dance or Die“ kommt als funky Alternative Rock daher und hat coolen Gesang. Die Backing Vocals schwächeln etwas und das Santana-artige Gitarrensolo wirkt etwas befremdlich. „Swimming in Trance“ ist anschließend eine verträumte Ballade, mit feiner Slide-Gitarre.
„Dead inside“ ist ein weiterer potentieller Hit. Anfangs Psych Rock mit wirbelnden Gitarrensounds. Dann baut es Spannung auf und sorgt mit Gesang, der an einen frühen Ozzy Osbourne erinnert, für Sabbath-Flow und kommt zum Refrain mit 80th Hard Rock Vibes rüber. Eigenwillige Angelegenheit, aber es funktioniert (für mich).
„God must be woreshiped, Nature could be tamed“
(The 9 Commandments of Men)
Nachdem „Calypso“ träumte, geht es mit „The 9 Commandments of Men“ weiter. Der Text kritisiert den Umgang des Menschen mit seiner belebten Umwelt ist eigentlich ein flotter Akkustik-Blues. Wie immer bei Dirty Sound Magnet allerdings mit einem Twist. In „Long Drive“ mache ich Yacht Rock Atmosphäre aus, zu der auch die ausufernde Gitarrenarbeit passt. Abschließend kommt der Titelsong als songtechnische Duftmarke wieder auf den Punkt. Ein feistes bluesiges Riff und eine bärenstarke Dynamik machen Lust auf mehr. Dann kommt ein verspielter ruhiger Part und anschließend mehrere Gitarren-Spuren zu einem furiosen Finale sprinten. Ein bisschen orientalische Ornamentik drin und Abgang.
Ein wenig erinnert mich das Musizieren und das Trio-Konzept mit seinen eklektischen Bezügen und Inspirationen an jenes der britischen Band Little Barrie um Ausnahmegitarrist Barry Cadogan, die allerdings mehr Funk und Soul Einflüsse verarbeiten. Auch Dirty Sound Magnet haben einen Ausnahme-Künstler an den sechs Saiten, das Trio ist sich ihrer musikalischen Tradition ebenso gewahr, doch bisweilen ist mir das schlicht zuviel Gegniedel.
Es ist offensichtlich, dass das Trio Dirty Sound Magnet auf Gitarristen und Sänger Stavros Dzodzosz zugeschnitten ist, der auch noch alle Songs komponiert. Das ist musikalisch absolut tight, ufert aber immer wieder aus. Bisweilen wäre – etwas songdienlicher gedacht – weniger vielleicht effektiver. Auch wenn die Band keinen klassischen Rock machen will, ist der Sound so markant und eigenständig, dass virtuoses Schaulaufen nicht immer notwendig und oder zielführend ist. Live geht da bestimmt mehr. Tour-Daten Checken nicht vergessen.
Dirty Sound Magnet – Me and my Shadow
Genre: Progressive, Psychedelic, Stoner, Blues Rock
Länge: 42 Minuten, 8 songs, CH 2026
Interpret: Dirty Sound Amgnet
Label: Transgenic Records / Tonzonen Records
Vertrieb: Cargo
Format: CD, digital, Vinyl
Album-VÖ: 30.01.2026
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DSM Homepage mit Tourdaten (März Deutschland anschließend Europa)


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