Die rote Soja ist wieder zurück. Hierzulande zwar nicht auf der Leinwand, aber immerhin als Home-Entertainment-Pemiere. Die Kämpferin aus dem „Conan der Barbar“-Kosmos macht in einer neuen Verfilmung allerdings eher einen bemühten Eindruck. Einige Schauwerte und gelungene Aspekte hat „Red Sonja“ anno 2025 dennoch zu bieten.
Es beginnt mit dem Idyll einer Kindheit im Volk der Hyrkanier. Das weise Volk lebt im Einklang mit der Natur bis es von kriegerischen Barbaren fast ausgelöscht wird. Dem Kind Sonja gelingt die Flucht vor den Kriegern. Sie wächst allein in den Wäldern auf.
Eines Tages als junge Frau wird Sonja (Matilda Lutz) von vorbeiziehenden Jägern gefangen genommen und vor den Imperator Draygan (Robert Sheehan) gebracht. Der junge Herrscher vertraut auf das Wissen in einem magischen Buches, von dem er allerdings nur die Hälfte besitzt. Mit dem Wissen um Kräfte, Maschinen und Mächte hatte der ehemalige Sklavenjunge auch den Tyrannen Dragan töten können und seinen Platz einnehmen.
Nun sucht Draygan in dem Wäldern nach dem Rest des Buchs. Sonja wird derweil zu dem Damnati gesperrt, jenen Sklaven, die in Gladiatorenspielen um ihr Leben kämpfen müssen. Es dauert nicht lange, bis die rebellische Sonja zu fliehen versucht.
Owbohl Red Sonja seit einer gefühlten Ewigkeit im Conan-Kosmos herumstreunt, ist sie keine direkte Figur von Conan-Autor Robert E.Howard aus den 1930er Jahren. Tatsächlich hatte der Marvel-Comicverlag in den 1970ern die Rechte für Conan Bildgeschichten. Comic-Autor Roy Thomas, machte seinerzeit aus der nebenher erwähnten „Red Sonya of Rogatino“ eine eigenständige Heldin, die aus Hyrkanien stammt und immer wieder die Wege mit dem Barbaren-König von Cimmeria kreuzt.
Im hyperborischen Zeitalter
Daraus wurde in den 1980ern nach dem erfolgreichen „Conan“-Film mit Arnold Schwarzenegger eine Spin of mit Brigitte Nielsen als „Red Sonja“. Das Ding floppte aber arg und fiel auch bei der Kritik durch. Es folgten Jahrzehnte auf der Suche nach einer Fortsetzung aus der schließlich vor ein paar Jahren eine Reboot wurde. Das Drehbuch besorgte Tasha Huo, die bis dato die „Witcher“-Serie „Blood Origin“ gescripted hatte. Die Regie übernahm MJ Basset („Solomon Kane“, Silent Hill: Revelation“.
Das Publikum sieht „Red Sonja“ anno 2025 das begrenzte Budget an, und dennoch bemüht sich die aufwändige Produktion um Originalität. Da rennen kauzige Fantasie-Dinos durch den Wald, es gibt Zyklopen und andere Fabelwesen und unter den Kriegern und Völkern sind auch solche die wie Mandrills aussehen. Das ist schon fantasievoll. Auch die – wahrscheinlich mit KI und CGI umgesetzten Sets im Wald, am See und in der Gladiatoren-Arena machen einen ansehnlichen Eindruck, dem ein geneigtes Publikum durchaus genießen kann. Einen gewissen Trash-Faktor eingeschlossen, den die Zuschauer:innen bei Comic- und Pulp-Vorlagen immer mitdenken sollte.
Und so braucht es einen Moment, bis sich herauskristallisiert, warum „Red Sonja“ nicht aus den Pantoffeln – oder besser Fell-Sandaletten – kommt. Es mangelt schlicht an Dynamik. Obwohl die Action-Sequenzen großteils brauchbar choreografiert sind, weiß das Tempo nicht zu überzeugen. Bisweilen gibt’s diesen Slo-Mo-Schnee wie er auch in der leider misslungenen „Conan“ 3-D-Verfilmung mit Jason Momoa zu sehen ist. Und dann keulen die Kämpfer:innen mit Schwertern aufeinander ein. Dramatisch ist das leider nicht.
Der Barbar und das Buch
Es fehlt an Spannung. Zum Teil ist es dem Bemühen geschuldet, einen originellen Blickwinkel auf die charismatische Figur zu bekommen. Weg von machohaften Gemacker eines Mannweibs hin zu einer empathischen aber kämpferischen klugen Frau, die auch Fehler machen darf und das weiß. So weit so lobenswert.
Leider aber sind viele Charaktere so im Genreklischee gefangen, dass es schwer fällt sie überhaupt ernst zu nehmen. Immerhin kommt der Imperator nicht als Muskelbarbar daher, sondern als nerdiger Zauberlehrling. Dessen Lebensgeschichte auch tragische Züge zeigt. Und dennoch muss sich Red Sonja mit der weißen Annisia (Wallis Day) messen, die dem Imperator ihr Schwert verschreiben hat, um selbst mächtig zu werden.
Eigentlich hätte „Red Sonja“ mehr Potential gehabt, aber irgendwie kommt es trotz der Altersfreigabe ab 16 Jahren und gehörigen Kunstblut-Mengen nicht zu robuster Genreunterhaltung. Statt dessen peilt die Verfilmung ein junges, wahlweise weibliches Publikum an, dass früher wohl TV-Serien wie „Herkules“ oder Xenia“ geguckt hätte. Möglicherweise funktioniert in dieser Altersgruppe auch die hölzerne Charakterzeichnung etwas besser.
Hätte die Neuverfilmung von „Red Sonja“ nicht bereits in Einstieg soviel Aufmerksamkeit verspielt, hatte sich der Rezensent sicherlich mit mehr Wohlwollen der späteren Rebellion gegen den Imperator gewidmet. Das Publikum guckt sich quasi ein und weiß dann auch die gelungenen Filmaspekte zu würdigen. Allein, da fehlt die Dynamik und der Drive um weitere leinwandtaugliche Abenteuer zu erzählen.
Red Sonja
OT: Red Sonja
Genre: Fantasy, Action
Länge: 110 Minuten, USA, 2025
Regie: MJ Bassett
Schauspiel: Matilda Lutz, Robert Sheehan, Wallis Day,
FSK: ab 16 Jahren
Verlieh: Vuelta
digital-VÖ: 12.02.2026
DVD- & BD-VÖ: 26.02.2026




