Cairo Time: Im Schatten der Pyramiden

Heute geht es im #Sommerkino26 romantisch nach Ägypten. Die stille Romanze „Cairo Time“ (2009) erzählt nicht nur von einer unerwarteten zärtlichen Annäherung im fortgeschrittenen Alter, sondern auch von einem interkulturellen Dialog. Dabei kommt der Stadt Kairo, dem Ort der Handlung eine ganz wunderbar inszenierte weitere Hauptrolle zu.

Eigentlich wollte die Modejournalistin Juliette (Patricia Clarkson) ihren Urlaub mit ihrem Ehemann verbringen und ist dafür zum ersten Mal nach Kairo gereist. Doch der UN-Diplomat ist unabkömmlich, die Lage in dem Flüchtlingslager im Gaza-Streifen ist angespannt aber nicht wirklich bedrohlich. Also erwartet der Ägypter Tareq (Alexander Siddig), ehemals Sicherheitschef bei der UN und ein Freund von Juliette Mann, die Diplomatengattin am Flughafen und bringt sie zum Hotel.

Dort vertröstet ihr Gatte sie am Telefon auf unbestimmte Zeit. Juliette versucht die Stadt eigenständig zu erkunden, doch die schiere Lebendigkeit der ägyptischen Metropole ist ebenso niederschlagend wie ihre Einsamkeit. Hinzu kommen die aufdringlichen ägyptischen Männer, die es einer westlichen Frau quasi unmöglich machen, sich ohne Begleitung in der Stadt zu bewegen.

Ein persönlicher Stadtführer

Juliette sucht Tareq in seinem Café auf und der zurückhaltende aber höfliche Ägypter bietet sich als Begleitung an und zeigt der einsamen Frau die Stadt. So ganz allmählich kommen sich die beiden auch menschlich näher und zwischen dem Ägypter und der Diplomatengattin entwickelt sich eine Zuneigung aus der durchaus mehr werden könnte.

Die Kanadische Filmmacherin Ruba Nada inszeniert ihr eigenes Drehbuch und es gelingt ihr in einfühlsamen und ruhigen Bildern sowohl eine zarte Romanze stilsicher zu inszenieren, als auch die Magie der ägyptischen Metropole einzufangen. Im Grunde ist die Stadt im Schatten der Pyramiden der eigentliche, heimliche Star des Films , mit lichtdurchfluteten langen Aufnahmen saugt „Cairo Time“ die Atmosphäre der Stadt auf und bannt sie nachvollziehbar auf die Leinwand.

Auch die zarte Romanze zwischen der einsamen Journalistin, die sich in der fremden Kultur nur bedingt wohl fühlt, und dem auf seine Weise ebenfalls einsamen Tareq ist zu jederzeit glaubhaft. Die gegenseitige Attraktion wird von tiefem Respekt und unendlich zurückgenommenen Höflichkeit dominiert, so dass die großartig gespielten Charaktere genügend Zeit haben, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Die konstante Abwesenheit von Juliettes Ehemann ist einerseits Bedrohung und andererseits Chance, die sich beide aus Respekt zunächst nicht zu ergreifen trauen.

Die Einsamkeit von Gizeh

Juliette befindet sich gerade in einer Umbruchphase, die erwachsenen Kinder sind nun endgültig eigenständig und Gatte Mark wird von deiner Aufgabe bei der UN ganz eingenommen. Da fällt die Begegnung mit Tareq auf dankbaren Boden.

„Cairo Time“ schafft es allerdings nicht über die ganze Filmlänge die Spannung zwischen den Figuren und den Kulturen aufrechtzuhalten. Gelegentlich ufert der Blick auf die Stadt an den Ufern des Nils aus und verliert sich in den Weiten der Wüste. Darüber kann auch die Schönheit der Aufnahmen nicht hinwegtäuschen. Patricia Clarkson und Alexander Sidding gelingt legen ihre Rollen sehr zurückhaltend aus und bisweilen wünscht man den reservierten Protagonisten den Anflug einer Gefühlswallung, doch dazu sind die kulturellen Barrieren zu fest.

Die Romanze „Cairo Time“ spielt geschickt mit der Magie der Metropole am Nil und versucht das Klischee zu meiden. Die aufkeimende Romanze, die den Kern dieser Reise bildet, wird sehr sensibel und rational inszeniert. Ein schöner, ruhiger Film.

6

Cairo Time
OT: Cairo Time
Genre: Romanze, Drama
Länge: 90 Minuten, CAN, 2009
Regie: Ruba Nada
Schauspiel: Patricia Clarkson, Alexander Siddig
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Alamode
Kinostart: 01.09.2011
DVD-VÖ: 27.01.2012

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