Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski: Blütenweiße Weste

Am Ende von „Der perfekte Schein“ wird ein gefälschter Geldschein als Kunstwerk versteigert. Der Cézanne der Geldfälscher hatte die französische Nationalbank mehr als 15 Jahre um den Schlaf gebracht. Das launige Krimidrama „Der perfekte Schein“ erzählt die Geschichte des berühmtesten Geldfälschers Frankreichs mit viel Zeitkolorit. Zu sehen ab dem 30. Juli im Kino.

Jan Czeslaw Bojarski (Reda Kateb) ist Pole, aber nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtling in Frankreich gelandet. Hier hat es der Ingenieur und Erfinder schwer, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Sein Kumpel Anton Dowgierd (Pierre Lottin) ist da schlichter gestrickt, hat es aber ebenso schwer, in Lohn und Brot zu bleiben. Schließlich sind die Zeiten hart und die Franzosen haben Vorrang vor den Immigranten.

Als Passfälscher hilft Bojarski so manchem Kleingauner oder anders in die Bredouille Gekommenen aus der Klemme. So wird auch der Gaunerboss Maréchal auf den Fälscher aufmerksam und heuert ihn an, auch um Falschgeld herzustellen. Das funktioniert Anfang der 1950er Jahre in Lyon auch ganz lukrativ, bis der Neffe des Bosses übermütig und unvorsichtig wird.

Der „Minerva und Herkules“

Kommissar André Máttei (Pierre Bouillon) von der neu gegründeten Task Force wird auf die Bande aufmerksam und nimmt die Werkstatt, die als Schaltzentrale dient, hoch. Bojarski kann sich aus dem Staub machen und nimmt die Druckplatten für die Geldscheine mit. Fortan beschließt er, selbstständig zu arbeiten. Auch weil er es satt hat, als Immigrant ohne Papiere, die bei der Flucht aus einem ungarischen Gefangenenlager verloren gingen, mit seinen Erfindungen hausieren zu gehen.

Seiner Frau Suzanne (Sara Giraudeau) erzählt Jan nichts von seinen kriminellen Aktivitäten. Für sie hat er sich mit seinen Erfindungen selbstständig gemacht. Und der Wohlstand, der mit der Arbeit einhergeht, sorgt für eine zufriedene Familie. Doch Kommissar Máttei stößt erneut auf Falschgeld und bleibt Bojarski auf der Spur. Allerdings geht er davon aus, dass hinter dem groß angelegten Betrug eine mehrköpfige Bande steckt.

Der „Land und Meer“

„Der perfekte Schein“ beginnt mit einem Überfall in klassischer Wegelagerer-Manier. Die Bande von Maréchal lauert einem Transport auf, der Papier für Geldnoten zur Druckerei bringt. Dabei kommt es zu Toten und die Polizei beginnt zu ermitteln. Doch so actionreich und gaunerfinster geht es in „Der Fall Bojarski“ nicht weiter. In Rückblenden werden Jan Bojarskis Nachkriegsstationen in Lyon erzählt, bis hin zu jenem Überfall.

Später dann, als sich der „Cézanne der Geldfälscher“ selbstständig gemacht hat, ist sein Hauptproblem die Herstellung von Papier. Eher zufällig kommt der Raucher Bojarski darauf, Zigarettenpapier für die reißfeste Mixtur zu verwenden. Seine Geräte baut sich der Ingenieur einfach selbst. Und so entsteht in einer geheimen Kammer in der Garage eine lukrative Geldherstellung.

Regisseur Jean-Paul Salomé („Arsène Lupin“) inszeniert sein Krimidrama nach handelsüblicher Dramaturgie und stilisiert seine beiden Kontrahenten als Schicksalsgemeinschaft. Der Flic ist besessen davon, den genialen Kriminellen zu fassen, der Fälscher versteht sich als Künstler, der Anerkennung sucht. Das mag sicherlich psychologisch nachvollziehbar sein, es bleibt Spekulation des Drehbuchs und in der szenischen Umsetzung schon in gewisser Weise genreüblich. Wer sich mit den Innenansichten eines Fälschers auseinandersetzen möchte, der sei auf die Doku „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“ (2014) verwiesen, in der der Kunstfälscher freimütig Einblicke gibt.

Der „Bonaparte“

Mit der Besetzung der Hauptrollen kann „Der Fall Bojarski“ hingegen punkten. Reda Kateb („Django“, „Den Menschen so fern“, „Un prophète“) geht in der Rolle des ruhigen, genialischen Geldfälschers auf und Sara Giraudeau kann als Gattin ebenso überzeugen wie Pierre Lottin als alter Freund und Pierre Bouillon als Kommissar. Allerdings ist die Ausstattung schon sehr nostalgisch und bisweilen zu pittoresk ausgefallen, ebenso wie etwa in der französischen Komödie „Madame Populaire“, in der alles hübsch farbenfroh und zuversichtlich wirkt. Weiterhin sind die Actionszenen schon ein wenig albern. Wie in der US-Krimiserie „The Untouchables“ alias „Chicago 1930“ von Ende der 1950er-Jahre stürmt die Polizei einen Unterschlupf und auf der Stelle wird wild herumgeballert. Besonders überzeugend wirkt das nicht.

Auch erinnert mich „Der perfekte Schein“ bisweilen an die Comics der Ligne claire. Während die Inszenierung so spannend ist wie bei „Tim und Struppi“ von Hergé, hat Pierre Bouillon bereits ein Gesicht wie aus einem Léo-Malet-Comic von Jacques Tardi. Das trägt mit der nostalgischen Inszenierung dazu bei, dass „Der perfekte Schein“ ein wenig zu comichaft pittoresk ausgefallen ist.

Die True-Crime-Geschichte „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski“ ist ein wenig zu hübsch und nostalgisch inszeniert, um wirklich packend zu sein. Die Story hat ihre Momente, die Figuren ihren Charme, aber die Erzählung fällt deutlich zu absehbar aus, um wirklich packend zu sein.

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Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski
OT: L’affaire Bojarski
Genre: Krimi, Biografie
Länge: 128 Minuten, F, 2025
Regie: Jean-Paul Salomé
Schauspiel: Reda Kateb, Sara Giraudeau, Pierre Lottin, Pierre Bouillon
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Progress Film
Kinostart: 30.07.2026

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