Schlimm…oder lustig…wird es im #Sommerkino26, wenn die Reisenden ihr Gefährt verpassen. So wie in „Oops! Die Arche ist schon weg…“ von 2015. Das Animationsabenteuer um die biblische Flutkatastrophe kommt ohne jeden Menschen und ohne religiöse Botschaft daher. Bei der europäischen Koproduktion geht es um das familienkompatible Abenteuer, das einige der Passagiere erleben. Die Geschichte weiß zu unterhalten und ist auch sehenswert umgesetzt.
Alle Tiere werden zu einer großen Konferenz gerufen, weil eine Flutkatastrophe sich ankündigt. Also machen sich auch der kleine Nestrier Finny und sein Vater Dave aus ihrem Wüstenzuhause auf dem Weg um auf dem großen Rettungsboot, der Arche einzuchecken. Aber dort gibt es eine verbindliche Passagierliste und da stehen die Nestrier nicht drauf.
Also verkleiden sich die einfallsreichen felligen Wesen mit Rüssel und puscheligen Ohren als Grimps, um an Bord zu kommen. Das sind wolfsartige Wesen, die ungefähr genauso groß sind wie Nestrier. Aber Kate (Katja Riemann) und ihrer Tochter Leah gefällt der Familienzuwachs ganz und gar nicht. Und während die Erwachsenen sich noch streiten, erkunden Leah und Finny erst einmal die Arche.
Dann kommt die Flut
Doch dann ist die Flut plötzlich da und die beiden müssen feststellen, dass sie gar nicht mehr an Bord sind, sondern auf dem Gerüst herumgeturnt sind. Zum Glück ist da noch eine Insel in der Nähe, wo die beiden mit dem mobbeligen Mobesy und seinem Parasiten Stayput neue Freunde, aber mit dem Griffins auch neue Feinde finden. Und es bleibt die Frage, wie die Übriggelassenen nun auf die Arche kommen sollen, wenn das Wasser weiter steigt?
Die Idee knuddelige Fantasiewesen auf eine abenteuerliche Reise zu schicken, erinnert nicht nur wegen des Vorzeitlichen Settings an „Ice Age“, findet aber durchaus seinen eigenen Ton und seine eigene Geschichte von Freundschaft und gegenseitiger Hilfe. Die Nestrier sind dabei sehr seltsame Wesen: Sie sind fellig, mit Rüssel und im dunkeln leuchtenden Streifen versehen und sondern bei Angst ein blaues Gas ab, das wohl ziemlich müffeln muss.
Nestrier knudeln gerne, sind einfallsreich, und bauen gerne Behausungen. Da sind Konflikte zwischen der raubtierhaften Leah und Finny vorprogrammiert, aber der orangefarbene Charmeur findet mit seiner netten Art schnell Freunde; gemeinsam erreicht man einfach mehr. Soweit auch die etwas wenig prickelnde, schon mehrfach gehörte Botschaft des Films.
Raubtiere und Flauschtiere
Im Grunde ist das Animationsabenteuer recht charmant, aber der Teufel ist ein Eichhörnchen. Bei der Ausgestaltung der Arche als Kreuzfahrt, der Darstellung versnobten Großtieren, und den kurzen Game-Sequenzen kann man sich noch über Geschmacksfragen streiten. Eher unglücklich ist hingegen, dass der kindliche Held in Farbgebung und Bewegungen sehr an den erst vor einigen Monaten erschienenen Drachen Kokosnuss erinnert.
Und wie in beinahe jedem Animationsfilm mit deutscher Beteiligung gibt es die obligatorische Rutschenfahrt, die als filmischer Gag nun langsam mal ausgedient haben sollte, zu sehen etwa in „Konferenz der Tiere“ (2010), oder „Urmel voll in Fahrt“ (2008). Aber so schön psychedelisch wie beim Sesamstraßenableger „Elmo in Grummelland“ (1999) bekommt das sowieso niemand hin.
Wenig Sorgfalt bei den Details
Auch sind nicht alle Details in „Ooops! Die Arche ist weg…“ so sorgfältig ausgeführt, wie man das gerne hätte. Einige Kleinigkeiten sind denn auch den jungen Zuschauern aufgefallen, so wie die fehlenden Fußspuren im Schnee. Anderes wie etwa das über die Reling spucken mit aufgesetzter Kokosnussschale vor der Schnauze, wäre auch nicht nötig gewesen. Und welche der Tiere unter Wasser denn nun atmen können ist mehr als fraglich.
Sicher, das Budget von Toby Genkels Film kann nicht mit den großen Namen des Genres mithalten, was auch niemand erwartet, aber etwas mehr Sorgfalt mit den Kleinigkeiten wäre schon schön gewesen, da kann die heran rauschende Flut noch so gelungen sein.
Alles in allem ist „Ooops! Die Arche ist schon weg…“ solide Unterhaltung für junge Kinozuschauer. Das 3D kann zaubert einige schöne Effekte hervor und die Charaktere und die Story sind stimmig. Abzüge gibt es allerdings wegen der nicht überzeugenden Kleinigkeiten.
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Ooops! die Arche ist weg…
OT: All Creatures Big and Small
Genre: Animation, Familie
Länge: 89 Minuten, D/, 2015
Regie: Toby Genkel, Sean McCormack
FSK: ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Verleih: Wild Bunch/ Telepool
Kinostart: 30.07.2015
DVD-VÖ: 04.01.2016




