Hochenergetisch geht es bei Modula Nation zu. Die Band aus Graz pflegt einen alternativen Crossover und Stilmix aus heavy Sounds und funky Rhythmen und allem was nicht bei 3 auf dem Baum sitzt. Solche Sounds waren in den 90er Jahren mal schwer angesagt und wer weiß, mit der Faith No More Reunion und den ansteckenden Energie von Modula Nation kann sich da ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum auftun.
Gestaltungswille ist ein starker Impuls und Sänger und Synth-Künstler Heinz Wallner bastelt schon seit geraumer Zeit an musikalischen Kreationen. Bei Bandcamp datiert die erste EP von Modula Nation von 2009. Seinerzeit noch mit Synth-Pop beschäftigt und vor allem als angereichertes Duo mit Bassist Ricardo Paz, der immer noch dabei ist.
Nach einem längeren Winterschlaf kommt 2023 eine weitere EP und wohl auch der Impuls au dem Duo ein Band(Projekt) zu formen. Bei den folgenden Performances ist Schlagwerker Philip Pluhar mit von der Partie und ein Gitarrist. Der hat inzwischen für den aktuellen Saitenkünstler Markus Steinrück Platz gemacht. Von der „Shred Live EP“ von 2023 sind immerhin noch 2 Songs in überarbeiteter Form auf „The Rift“ zu finden.
Der Bandname ist Programm bei Modula Nation. Klangmodule ordnen sich zu Räumen und Zuständen an und entwickeln so eine zusammenhängenes Konstrukt vielseitiger Musik, eine Klangnation wenn mensch so will. Das Cover mit dem Augen, die aus einem Riss in der Erdoberfläche auftauchen, erinnert an The Residents, Die Videos mit Overalls und Motorradhelmen an Daft Punk und soundtechnisch bedient sich Modula Nation gehörig bei Faith No More und Co.
Ein Riss in der Rock Zeit
Das ist einerseits ganz erfrischend und hat in der aktuellen Musiklandschaft auch ein wenig gefehlt. Andererseits sind nicht alle Songs gleichermaßen gelungen, einiges kommt recht cheesy rüber und die Radio-Jingles als verbindendes Album Konzept von Song zu Song gab es anderweitig auch schon mal. Aber was ist heutzutage noch originell? Und zumindest im Bereich der Musik sind die Arrangements und das Energielevel des Vortrags mindestens ebenso wichtig, um Eindruck zu machen.
„Modula Radio – Guerilla Nation“ eröffnet den Reigen von 9 Tracks als Radioansage beim Autofahren. Dann legt der Titelsong „The Rift“ mit heftigem Beat und Stakkatoriff los und Zappelöphillips und -phillippas unter uns zum mitzumachen. Der mit Effekten belegte Gesang sorgt für einen Industrial Metal Vibe und das fipsige Synth (Oder Gitarren-)Solo zerrt auch mal an den Nerven.
„Silicon Carne“ begeint erneut mit Sample, dieses mal ein Cheerleeder-Chor und dann gehts funky und gehörig in FNM-style ab. Mittig kollabiert der Groove und da muss eine:r wieder Münzen in dne Automaten stecken. Nu je, kann die Band machen. „Headlights“ ist einer der früheren Songs und hat eher so Wavige Vibes, die aber eine andere Klangfarbe der Band zeigen. Der Refrain ist etwas flau und bei der Gelegenheit fällt mir ein, das ich etwas las über eine Eurodance-Band namens Das Modul, die womöglich auch in die Namensfindung mit hereingespielt haben mag. Das Gitarrensolo später im Lied ist dann auch so ein Kitschmoment, der für mich nicht funktioniert.
Hyperphobia and Soul Fever
„The Breakout“ist wieder in funky Rockteritorien unterwegs und ich fühle mich an die Funkmetal-Band Mordred erinnert, aber das mag keiner mehr erinnern. Der Refrain will dan wieder hinaus in Epische. Ich mag Kuhglocken.
Modual Radio – Hyperphobia“ leitet dan die zweite Albumseite ein, auch wenn bei mir eine CD vorliegt. Es geht ums Ordnungsprinzip. „Shred“, ebenfalls ein älterer Song, setzt wieder auf abgehackte Rhythmik und epische Melodie im Refrain, dazu kommt einiges an Bleeps und Klongs und verzerrtem Gesang. Diese Grazer Melange haut für mich recht eingängig hin – inclusive Breaks und Richtungswechseln. „I Won’t let Them“ ist wohl die Power-Ballade des Albums. Der getragene, spärliche Beginn geht in einen poppig gedudelten Mittelteil und dann in einen rockigen fast kakofonischen Klimax über, der sicher seine eigene Logik hat, mich aber emotional nicht sonderlich berührt.
Beim abschließenden „Soul Fever“ trefft 80 Synthieballade auf tribal Grooves und spanische Lyrics. Dann rocken Modula Nation flott und poppig los und schwenken in Richtung Jam aus, der sich dann zu einer Santana-Feier ausweitet. Das war so anfangs nicht zu erwarten und möglicherweise mögen andere Ohren diese fast 1 minütige Achterbahnfahrt eher genießen.
Bisweilen ist es ja „nur“ die Reihenfolge eines Albums die eine Dramaturgie nachhaltig beeinflusst. Doch nicht jeder hört das Album als Gesamtkunstwerk und heutzutage sind einzelne Leider und ihre Darreichung als Stream und / oder Video zumindest ebenso einflussreich für den Erfolg einer Band. Und da haben Modula Nation absolut was zu bieten. Auf Albumlänge gibt es durchaus gewisse Untiefen zu überstehen. Soundtechnisch ist „The Rift“ knackig ausgefallen und auch die Musiker haben es drauf. An Songwriting und Arrangements lässt sich noch feilen. „The Rift“ ist ein solider erster Eindruck.
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Modula Nation – The Rift
Genre: Alternative Rock, Crossover,
Länge: 42 minuten, A, 2026
Interpret: Modula Nation
Label: Tonzonen Records
Vertrieb: Cargo Records
Format: CD, digital, Vinyl
VÖ: 24.07.2026