Eine junge Frau verarbeitet den Tod ihres Vaters, indem sie sich der Falknerei widmet und sich einen Habicht zulegt. Was sich zunächst etwas eigenwillig anhört, ist die autobiografische Geschichte von Helen McDonald, die darüber einen erfolgreichen Roman geschrieben hat, der nun verfilmt wurde und ab dem 23. Juni 2026 im Kino zu sehen ist.
Helen McDonald (Claire Foy) ist Lehrbeauftragte mit Stipendium in Cambridge. Ihr Vater (Brendan Gleeson) ist ein ebenso lebenslustiger wie neugieriger Pressefotograf. Als der Vater überraschend verstirbt, bleiben eine trauernde Witwe und zwei erwachsene Kinder zurück. Während ihre Mutter und ihr Bruder darauf bedacht sind, rational mit der Situation umzugehen, stürzt Helen in ein emotionales Loch.
Sie erinnert sich, dass sie als Kind mit ihrem Vater die Falknerei ausprobiert hat und beide ein gemeinsames ornithologisches Interesse geteilt haben. Helen legt sich einen Hühnerhabicht (englisch: Goshawk) zu und beginnt, das Weibchen namens Mabel abzurichten. Helens Freundin Christina (Denise Gough) ist zwar etwas verwundert, steht aber auf dem Standpunkt: Wenn es Helen hilft, dann passt das schon.
Doch Helen tut sich schwer mit dem Raubvogel, den sie in ihrer Wohnung auf dem Campus hält. Sie sucht den befreundeten Falkner Stuart (Sam Spruell) auf, der ihr beim Abrichten hilft. Doch es dauert eine ganze Weile, bis sich Mabel und Helen näherkommen. Derweil scheint Helen sich immer weiter aus der Welt der Menschen zu entfernen.
Die Falknerei ist eine Form der Jagd, die eine jahrhundertelange Tradition hat. Die Beizjagd mit dem Raubvogel ist seit 2010 sogar immaterielles UNESCO-Kulturgut. Für Helen ist die Falknerei aber vor allem eine Verbindung zu ihrem verstorbenen Vater. In Rückblenden und Erinnerungen taucht der immer wieder auf und begleitet die Phasen des Heranwachsens seiner Tochter.
Ein plötzlicher Verlust zerrüttet das Leben
Claire Foy und Brendan Gleeson machen dieses Drama von Regisseurin Philippa Lowthorpe an sich schon sehenswert. Beide gehen in ihren jeweiligen Rollen auf und sorgen so für ein nuanciertes und sehenswertes psychologisches Drama. Und auch das Hühnerhabichtweibchen ist im Film durchaus eine Attraktion für sich. Die Kamera weiß in Detailaufnahmen, Kamerafahrten und Flugsequenzen eine ungestüme, unzähmbare Wildheit zu entfachen, die durchaus sehenswert ist.
Faszinierend ist an „H wie Habicht“ sicherlich der eigenwillige Ansatz der Trauerarbeit. Helen lässt sich ganz auf die Falknerei und den Habicht ein und blendet darüber mehr oder minder bewusst ihre berufliche Umgebung und ihre Lebensumstände aus. Das mag mensch Verdrängung nennen oder aber notwendige Auszeit, um dem Verstand und den Gefühlen Raum zu geben, um sich an die Verlustsituation anzupassen.
Die Verfilmung bleibt nahe an der Protagonistin und ihrer Befindlichkeit. Helen ist da ebenso wenig zugetan oder liebevoll wie Mabel. Wie kommt mensch also zurecht mit der Situation? Einfach machen und sich Distanz verschaffen. Dabei ist Claire Foy schon furchterregend überzeugend, während der Film als solcher bisweilen etwas vor sich hin plätschert. Fast so, als wolle er nicht von seiner Hauptfigur ablenken.
Dass der Roman ein Erfolg wurde, war scheinbar nicht abzusehen. Es verwundert aber ebenso wenig wie eine Verfilmung des Themas. Inwieweit sich da Diskrepanzen auftun, vermag ich nicht zu ermessen. Wohl aber verspürte ich während des gesamten Films eine Irritation, weil der Mensch das Tier dergestalt für die Trauerbewältigung instrumentalisiert. Es mag durchaus angehen und hehre Tradition haben, falkenartige Vögel für die Jagd abzurichten. Als Therapeut scheint mir ein Hühnerhabicht nur bedingt tauglich. Aber vielleicht macht das für viele im Publikum den Charme des Films aus.
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H Wie Habicht
OT: H is For Hawk
Genre: Drama, Biographie
Länge: 119 Minuten, UK, 2025
Regie: Philippa Lowthorpe
Vorlage: Gleichmnamiger Roman von Helen McDonald
Schauspiel: CLaire Foy, Brendan Gleeson
FSK: ?
Verleih: DCM
Kinostart: 23.07.2026





