Kraken – Erwachen der Tiefe: Im kalten dunklen Fjord

Während andernorts im sogenannten Sommerloch immer wieder Monstersichtungen aus Seen hervorgekramt werden, schickt der norwegische Creature-Horror-Film „Kraken“ ein urzeitliches Riesenwesen an die Oberfläche. Der handelsübliche Genrefilm kann mit einigen guten Ideen und majestätischer Landschaft an den norwegischen Küsten punkten. Zu sehen ist „Kraken – Das Erwachen der Tiefe“ ab dem 23. Juli 2026 im Kino.

Die Meeresbiologin Johanne (Sara Khorami) wird von einem Kollegen gebeten, sich Daten aus einem Fjord anzusehen. Ausgerechnet im Sognefjord, dem längsten und tiefsten der eiszeitlich entstandenen Meeresarme Europas, sind abnorme Werte aufgetaucht. Hier soll eine moderne Lachsfarm entstehen, die ihre Fischzucht mittels Schall von Parasiten befreit. Johanne kommt aus der Gegend und hat dort am Projekt mitgearbeitet.

Nun kehrt sie zurück, um die Anlage zu überprüfen. Ausgerechnet als der Bürgermeister und das Team auf der Lachsfarm Investoren aus Asien erwarten. Doch auch innerhalb der Gemeinde regt sich Widerstand gegen das vermeintlich ökologische Fischzucht-Projekt. Henriette (Ingvild Holthe Bygdnes), die Tochter des Bürgermeisters, hat sich militanten Umweltschützern angeschlossen, die das Projekt boykottieren wollen. Doch auch Ingenieur Erik (Mikkel Bratt Silset), der mal mit Johanne zusammen war und mit ihr die „sonare Entlausung“ der Lachse entwickelt hat, bemerkt Störungen im Betrieb der Anlage.

Sonar gegen Lachsläuse

Sogenannter Creature-Horror ist eine beliebte Spielart des Gruselgenres, und seit Steven Spielberg den weißen Hai auf einen Strandbereich der USA losgelassen hat, ist klar, dass die Vernunft und der Schutz von Menschenleben angesichts einer unglaubwürdigen, aber präsenten Bedrohung immer auch wirtschaftlichen Interessen entgegenstehen. Die setzen sich letztlich erst einmal durch, und das führt dann zur Katastrophe. So auch in „Kraken“, dem norwegischen Gruselfilm, der eine intelligente Forscherin in den Mittelpunkt der Handlung stellt.

Es gehört im Genre schon immer dazu, dass es zunächst eines Spannungsaufbaus bedarf, und der gelingt „Kraken“ ziemlich souverän. Einerseits werden einige Seltsamkeiten stilsicher in die Handlung einbezogen, dann beruft sich das Team von Regisseur Pål Øie auf alte Legenden. Namentlich die vom Kraken. Die riesige Kopffüßler-Gestalt gehört in den klassischen Sagenschatz der nordischen Mythologie. Andernorts wird auch vom Leviathan gesprochen, der nicht immer ein Wal, sondern auch ein Riesenkrake sein kann.

Die Sage von den Riesententakeln

Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch angesichts des majestätischen Fjords, der nicht nur als Kulisse dient. Und dann tauchen riesige krabbenartige Wesen auf, die sich als gefährlich und gefräßig outen und die Besatzung der schwimmenden Lachsfarm angreifen. Lustigerweise kommen die Biologen irgendwann zu dem Schluss, dass es sich um Unterwasserparasiten handeln könnte, wären sie nicht so groß. Wie riesig müsste dann das Wirtstier sein? Ja, genau, das fragt sich auch das Publikum, weiß aber immerhin, dass die Bekämpfung der Parasiten am Lachs genauso gut funktioniert wie die Ultraschall-Reinigung der Brillengläser beim Optiker.

Eigentlich ist auch die Tricktechnik ganz gelungen, die „Kraken“ auffahren kann, und die unterschiedlichen Handlungselemente sind gleichermaßen solide. Nur macht die Summe der einzelnen Elemente kein packendes Filmerlebnis. Für Genrefans mag sich das Kinoerlebnis möglicherweise anders darstellen. Regisseur Pal Øie hat bereits den Katastrophenfilm „The Tunnel“ (2019) in einem realistisches Setting angelegt. In „Kraken“ setzt er erneut auf die geografischen Eigenheiten Norwegens um seine Geschichte zu erzählen.

Nach pfiffigem Auftakt und solidem Stimmungsaufbau wartet das Publikum lange gespannt auf die titelgebende Kreatur. Die erscheint dann auch tricktechnisch effizient in Teilen, aber ohne massiven Eindruck zu hinterlassen. Dennoch hat man das Gefühl, es liegt nicht an mangelnder Tricktechnik, dass „Kraken“ dann doch nicht zu wohligen Gruselschauern führt, sondern an der fehlenden Dynamik des Films.

5

Kraken – Erwachen der Tiefe
OT: Kraken
Genre: Horror, Grusel
Länge: 100 Minuten, N, 2026
Regie: Pål Øie
Schauspiel: Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset, Ingvild Holthe Bygdnes
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Splendid / MfA
Kinostart: 23.07.2026

Schreibe einen Kommentar