Die vierte Macht: Eine Zensur findet nicht statt!

Die Zeiten in denen (politischer) Journalismus hierzulande eine weitgehend angesehene Profession war, sind spätestens mit den abstrusen „Lügenpresse“-Parolen und Fake News Verdächtigungen vorbei. Auch das Machtkorrektiv der Berichterstattung als Kontrollorgan der Machthaber ist dadurch beschädigt worden. Man braucht also nicht nur nach Russland zu schauen, wo Regisseur Denis Gansels in seinem Thriller einen Journalisten ins Kreuzfeuer geraten lässt. Aus dem Archiv: „Die vierte Macht“ von 2012.

Ein deutscher Boulevard-Journalist gerät in die Fänge der unübersichtlichen russischen Machtverhältnisse, als er sich aus Liebe politisch engagiert. Der Thriller zeigt zwar spannende Ansätze, verliert sich aber immer wieder in Gemeinplätzen und kommt nicht über solide Genre-Unterhaltung hinaus.

Der Berliner Boulevard-Journalist Paul Jensen (Moritz Bleibtreu) soll in Moskau einem Szenemagazin zu einem neuen Look und mehr Glamour verhelfen. Engagiert wird Paul von seinem Mentor Alexej Onjegin (Rada Serbezija), der schon zu Pauls Vater ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Paul zieht in die ehemalige Wohnung seines verstorbenen Vaters, der als überzeugter Kommunist die mediale Landschaft in Russland mitgeprägt hat und bei einem Autounfall ums Leben kam.

Mit Politik oder gar Weltverbesserung hat Paul nichts am Hut, bis er die die schöne Russin Katja (Kasia Smutniak) kennenlernt. Die mutige Journalistin engagiert sich auch politisch und leidet direkt unter der eingeschränkten Pressefreiheit, als ihre Redaktion wegen unerwünschter, systemkritischer Artikel geschlossen wird. Langsam beginnt Paul hinter die Fassaden der russischen Macht zu blicken. Doch bevor er weiß wie ihm geschieht, ist er in einem Bombenaschlag verwickelt und landet im Gefängnis.

Dennis Gansels „Die vierte Macht“ ist ein Politthriller, der die zeitgenössische Situation in Russland geschickt als Hintergrund für eine im Prinzip spannende Story nutzt. Doch leider wird die Spannung der Grundgeschichte immer wieder durch überstrapazierte Motive, wie das schwierige Verhältnis Pauls zu seinem Übervater oder die geheime Willkürmacht im Staate Russland unterbrochen. Und auf Spielfilmlänge offenbart „Die vierte Macht“ einige Durchhänger in Bezug auf Storykonstruktion und Spannungsbögen.

Während die Moskauer Partyszene nicht mit der Berliner Nachtwelt aus „Wir sind die Nacht“ konkurrieren kann, weiß die Gefängnissequenz trotz einiger plakativer Schwächen dennoch zu überzeugen. Die schwierige Gratwanderung russischer Journalisten im Angesicht einer staatlichen Zensur, die auch vor Säuberungen nicht Halt macht, wirkt bisweilen ein wenig verharmlost.

Vielleicht mag es auch daran liegen, dass in der internationalen, wohl auf Englisch gedrehten Koproduktion die deutschen Schauspieler die undankbare Aufgabe hatten, sich selbst nachsynchronisieren zu müssen. Vor allem Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu geht dabei viel von seiner Leinwandpräsenz verloren. Dennoch ist die Besetzung in dem Thriller mit Max Riemelt, Stipe Erceg und Mark Ivanir sehenswert.

Immerhin scheint „Die vierte Macht“ Denis Gansel die Tür nach Hollywood aufgestoßen zu haben, wo er mit Jason Statham „Mechanic:Resurrection“ drehen durfte, bevor sich Gansel dann dem Kinderbuchklassiker „Jim Knopf“ widmete. Aktuell ist der Filmmacherund Produzent mit der Serienfassung seines Filmes „Die Welle“ erfolgreich.

Im Vergleich zu Gansels vorangegangenen Filmen „Die Welle“ (2008) und „Wir sind die Nacht“ (2010) stößt „Die vierte Macht“ deutliche an die Grenzen einer Gesamtkonzeption, die sich eng in den Genregrenzen des Thrillers bewegt, und kommt trotz guter Ansätze nicht über das Maß solider Genreunterhaltung hinaus. Als Thriller mit politischem Hintergrund funktioniert „Die vierte Macht“ dennoch großteils ganz spannend.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Die vierte Macht
OT: Die vierte Macht
Genre: Polit-Thriller,
Länge: 115 Minuten, D, 2012
Regie: Denis Gansel
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Kasia Smutniak, Rade Serbedzija
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Universal
Kinostart: 08.03.2012
DVD- & BD-VÖ: 13.09.2012

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