Man sagt zwar immer, Deutschland sei ein Krimiland. Aber meistens geht es dann um die Beliebtheit von Thrillern. So richtige Vollzeitganoven schätzt die Leserschaft hierzulande vielleicht weniger. Ein Fehler – wie Dortmunder und seine Crew beweisen, wenn sie in der Graphic Novel „Fünf gegen eine Bank“ nach einem Donald-Westlake-Roman eher mit Verkehrsproblemen zu kämpfen haben als mit dem Bankraub selbst. „Dortmunder – Fünf gegen eine Bank“ ist im Juni bei Deutschlands führendem Krimi-Comic-Verlag Schreiber & Leser erschienen.
John Archibald Dortmunder ist Ganove durch und durch, aber momentan ist Flaute. Dann kommt Kumpel und Mittäter Andy Kelp vorbei und schlägt ein Ding vor, das sich zunächst absurd anhört. Andys Neffe Victor hat ausgetüftelt, dass in der Capitalists & Immigrants Bank auf Long Island jeden Donnerstag ein Haufen Kohle übernachtet. Der wird zwar streng bewacht, aber die Bankfiliale ist aktuell in einen Wohncontainer, einen riesigen Campingwagen, verlegt. Da fehlen nur Räder und das Ding wäre fahrbereit.
Dortmunder bleibt skeptisch, und es braucht auch noch einen Fachmann, um den Safe zu knacken. Da kommt dann Herman X (wie Malcolm) ins Spiel, der als bester seines Faches gilt. Fahrer Stan Murch ist sowieso mit von der Partie, wenn es flott ab durch die Mitte gehen soll. Zurzeit kümmert sich Stan aber um seine Mutter, die normalerweise Taxi fährt, gerade aber mit Halskrause auf Schadensersatz hofft. Dortmunders Freundin May findet die Idee, eine ganze Bank zu klauen, auch originell.
„… und das machte ihn nervös.“
Gesagt, getan – doch dann fangen die Probleme erst an. Kein Versteck zu finden weit und breit, und der Safe macht Herman deutlich mehr Probleme als erwartet. Das kann dauern, während die Polizei um Captain Deemer Long Island systematisch abriegelt.
John Dortmunder ist ein Ganove, den Donald E. Westlake in den 1970ern ins literarische Leben gerufen hat. Westlake ist unter dem Pseudonym Richard Stark auch für die Parker-Krimis verantwortlich, die unter Krimi-Fans durchaus Kultstatus genießen und immer mal wieder Revival-Wellen erfahren (unter anderem mit der großartigen Parker-Graphic-Novel-Martini-Edition).
Aber zurück zu Dortmunder, der tatsächlich nach dem DAB-Bier (Dortmunder Aktien Brauerei) benannt wurde. Im Nachwort zur Graphic Novel „Fünf gegen eine Bank“ erzählt Westlake anno 2004, dass er den Gauner eigentlich nur aus einer Verlegenheit heraus erfunden hat, denn eine Parker-Story wollte ihm nicht so recht passen – es brauchte einen anderen Gaunerhelden.
„Was gab es Schöneres, als einen Ausflug nach Long Island zu planen?“

Mit Erfolg, wie sich schnell zeigt, denn Dortmunders erster Coup „Hot Rock“ wurde gleich mit Robert Redford in der Hauptrolle verfilmt. Bei Parker hatte sich Westlake sehr lange gegen Filmrechte gesträubt. Außerdem wurde der Krimi auch von Lax als Graphic Novel adaptiert und ist immer noch bei Schreiber & Leser erhältlich. Stilistisch ist das allerdings eine komplett andere Geschichte als diese „Fünf gegen eine Bank“. Westlake hat ja auch Storys geschrieben, die nicht in Reihen passen, wie etwa „Die Axt“. Der Roman wurde jüngst als koreanischer Thriller „No Other Choice“ zum zweiten Mal verfilmt.
Szenarist – oder Autor – Doug Headline ist ein Krimi-Experte. Er hat die Krimi-Comicserie „Harry Dickson“ in Arbeit, bereits einige literarische Krimis adaptiert und vor allem jüngst ein Parker-Abenteuer als Graphic Novel inszeniert. „Eine Falle für Parker“ ist schon ein großer Spaß und glänzt auch mit der dynamischen, aber schwarz-weißen Umsetzung. Nun gesellen sich Zeichner Jesús Alonso Iglesias und Koloristin Isabelle Merlet zu Headline und sorgen für eine flotte, 70er-Jahre-bunte und sehr lebendige Umsetzung der Story in eine Bildgeschichte. Das hat bisweilen schon sehr cineastische Züge, und das fast filmische Erzählen kommt mit viel Dynamik rüber und mit genau der richtigen Mischung aus Close-ups, Totalen und erzählenden Panel-Seiten. Aufgepeppt wird die Story immer wieder mit schönen Ganzseitern, die aus der Vogelperspektive mal ein Gespräch in einem Wohnzimmer, mal einen Fluchtweg durch den Vorort inszenieren.
Außer, ein richtiges Ding zu planen.
Aber machen wir uns nichts vor: Das ist eine klassische Räubergeschichte, ein Heist-Comic, wenn man denn so will. Wer dem Genre nicht viel abgewinnen kann und nicht aus purer Freude an den bunten Seiten und den schrulligen Charakteren gerne durch Bildgeschichten wandert, der ist hier falsch. Wer jedoch daran interessiert ist, wie eine Profi-Truppe von Gaunern einen originellen Coup landet, wird belohnt mit einer launigen und flotten Geschichte, die ziemlich einnehmend in Szene gesetzt ist.
Tatsächlich finde ich persönlich es extrem spannend, wie sich Doug Headline als Autor dem klassischen Westlake-Charakter annähert und wie er die Unterschiede zu einer Parker-Story auch im Comic deutlich macht. Beide Bände sind in gewisser Weise gleich gestaltet. Bei „Fünf gegen eine Bank“ gibt es noch Bonusmaterial (Skizzen, Nachwort, Buchcover). Aus Sammlerperspektive ist es etwas erstaunlich, dass der Dortmunder-Band breitere Seiten hat und damit im Regal etwas heraussticht – oder man zieht den Parker einfach ein Stück vor. Es bleibt (zumindest für mich) interessant, ob Doug Headline sich zukünftig noch an weiteren Westlake-Storys zu schaffen macht. Ich bin dabei.
„Dortmunder – Fünf gegen eine Bank“ ist ein tolles Heist-Comic und eine ziemlich gelungene Adaption einer Vorlage des legendären Krimi-Autors Donald E. Westlake. Doug Headline, Isabelle Merlet und Jesús Alonso Iglesias liefern einen Topjob ab.
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Dortmunder – Fünf gegen die Bankfiliale
OT: Bank Shot, Dupuis, 2026
Genre: Krimi, Graphic Novel
Autor: Doug Headline
Zeichner: Jesús Alonso Iglesias
Farben: Isabelle Merlet
Vorlage: Gleichnamiger Roman von Donald E. Westlake
ISBN: 978-3-96582-234-4
Verlag: Schreiber und Leser, Hardcover, 128 Seiten
VÖ: 09.06.2026
Fünf gegen eine Bank bei Schreiber und Leser



