In der südkoreanischen Thriller-Groteske „No Other Choice“ beginnt ein arbeitsloser Manager seine Mitbewerber zu dezimieren, um endlich wieder Arbeit zu kriegen. Der renommierte Filmmacher Park Chan-Wook inszeniert das bitterböse Bewerbungsgespräch nach einem Roman von Donald Westlake. Zu sehen bei Plaion Pictures ab dem 5. Februar 2025 im Kino.
Für Oscar-Nominierungen hat es dann doch nicht gereicht. Obwohl „No Other Choice“ mit seiner bitterbösen Gesellschaftskritik durchaus in eine ähnliche Rochtung stößt wie „Parasite“ von Regiekollege Bong Joon-Ho und auch die Vorlage von us-amerikanischen Vielschreiber Donald E. Westlake stammt, würde „No Other Choice“ bei den Academy Awards nicht berücksichtigt. Gleichwohl konnte die abseitige Krimi-Komödie weltweit Fans und Kritiker beeindrucken. Worum geht es also?
Man-Su (Lee Byjung-Hun), der fleißige Manager einer Papierfabrik, hat einiges erreicht. Seine Vorzeigefamilie mit Sohn, Tochter, zwei Hunden und einer beachtlichen Bonsai-Zucht lebt in einem modernen großzügigen Haus. Doch dann verliert Man-su seine Arbeit. Während die Gattin Kürzungen in Haushaltsführung und Freizeitgestaltung vornimmt, tun stetige Ablehnungen und Mentaltrainings für Jobsuchende ihren Teil, dass der ehemalige Ingenieur jegliches Selbstvertrauen verliert.
Dann wird sogar eine Stelle in einer anderen Papierfabrik frei und Man-su beschließt alles zu tun, um den begehrten Job zu ergattern. Doch es gibt Mitbewerber, die mindesten gleichermaßen qualifiziert sind. Der verzweifelte Man-Su beschließt die Konkurrenz auszudünnen. Dazu ist einiges an Vorbereitung nötig.
Papierflieger
Der 2008 verstorbenen Krimiautor Donald E. Westlake schrieb unter dem Pseudonym auch die kultigen Parker-Krimis. Wer sich auf diesen Seiten schon mal getummelt hat, findet hier auch Vorstellungen von Verfilmungen und Comics. Die Vorlage zu diesem film erschien 1997 relativ spät im Werk des Autors unter dem Originaltitel „The Axe“. Die Axt kriegen ist im amerikanischen ein Slangausdruck für eine Kündigung bekommen. (Wird in „No other Choice“ auch erklärt). Hierzulande wirde der Roman unter dem Titel „Der Freisteller“ veröffentlicht. Vor Park Chan-Wook hatte es bereits 2005 eine europäische Verfilmung des Krimis gegeben, die hierzulande nicht in die Kinos kam.
Nun ist Park Chan-Wook („Oldboy“, „Thurst“, „Die Taschendiebin“) ein versierter Erzähler mit Hang zum Drastischen und zum Genremix. So verwundert es nicht, das die ursprüngliche Heile Welt des Protagonisten beinahe irrwitzig zuckersüß und plastikhaft gezeichnet wird. Das Publikum ahnt, dass es zum Bruch kommen muss. Auch die Übergangsphase nach Verlust der Arbeit – und in Korea – womöglich auch der Verlust des Ansehens und des Gesichts – gestaltet der Film drastisch, satirisch und überzogen. Das ist nicht jedermanns Sache und es hilft auch nur bedingt zur konsequenten Auslegung der weiteren Handlung.
Papiertiger
Wobei sich schon die Frage stellt, warum der Film „No Other Choice“ – keine andere Wahl – heißt? Das ist durchaus fraglich, den auch einschneidende Veränderungen im Leben lassen selten nur eine Wahl zu. Aber das nun zuviel hineinzuinterpretieren würde dem Film nicht gerecht werden. Denn der hat durchaus seine Qualitäten und seine Aussage. Denn der Verlust des Jobs ist der zunehmenden Machinisierung geschuldet. Und die hört auch weiterhin nicht auf.
„No Other Choice“ will jedoch vor allem die Verzweiflung, die kriminelle Energie und die Moral der handelnden Personen ausstellen und in einer Abfolge von abstrusen Tötungsversuchen zu einem komödiantischen Irrwitz antreiben. Das gelingt sehr unterhaltsam. Zum Nachdenken regt es nicht an. Soll es auch nicht. Anders etwa als Parks letzter Film, der stilisierte mysteriöse Krimi „Frau im Nebel“, und auch anders als Parks Frühwerke wie „I’m a Cyborg“ oder „Thirst“.
Mit „No other Choice“ legt Koreas Meister-Regisseur Park Chan-Wook eine Krimi-Groteske vor, die die moderne Arbeitswelt ebenso vorführt wie das verzweifelte Bemühen wieder ein Rädchen im Getriebe zu sein. Bissig und blutig – Business bizarr.
No Other Choice
OT:
Länge: 139 Minuten, ROK, 2025
Genre: Thriller, Satire, Komödie
Regie: Park Chan-Wook
Schauspiel: Lee Byung-Hun, Lee Sung-Min,Son Ye-jin,
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Plaion Pictures
Kinostart: 05.02.2026




