
Theodor Stroms Novelle um den Deichgrafen Hauke Haien gehört zu den großen Geschichten deutscher Literatur. Immer mal wieder kommt eine Bearbeitung des Themas ans Licht. Nun hat es zu einer modernisierten Verfilmung des Klassikers geführt. Zu sehen ab dem 5. Februar 2026 im Kino.
Im heutigen Nordfriesland übernimmt der Ingenieur Hauke Haien (Max Hubacher) gleichzeitig die Funktion des Deichgrafen und die des Direktors für Küstenschutz. Und die Lage ist Besorgnis erregend. Die Deiche sind von der Witterung mürbe. Und Bauunternehmer Ole Petersen (Nico Holonics), der schon früher in Haukes Frau Elke (Olga von Luckwald) verknallt war, hat bei den Deicharbeiten auch schon mal an Material und Sorgfalt gespart um rentabel zu bleiben.
Nun halten die Deiche nicht mehr und Haien arbeitet an einen neuen Küstenschutzkonzept. Das ist durchaus visionär, würde den Dorfbewohnern aber auch einiges abverlangen. Die Bürgermeisterin Janne Manners (Anette Frier) ist interessiert, aber in der Bevölkerung herrscht Ablehnung.
Es hat immer mal wieder Verfilmungen und Bearbeitungen von Theodor Storms „Der Schimmelreite“ gegeben. Nicht zuletzt hat der ehemalige Bundesminister Robert Habeck zusammen mit seiner Gattin Andrea Paluch Storms Story in „Hauke Haiens Tod“ 2001 weiterfantasiert. Der Roman wurde 2023 auch wenig überzeugend verfilmt.
Nun also Hauke Haien als moderner Klimaschützer und möglicherweise Aktivist, je nachdem wie mensch das so sehen mag. Und sicherlich liegt in der eigensinnigen und den Menschen abgewandten Art des Deichgrafen auch etwas von Storms Charakterisierung. Doch darüber hinaus nimmt sich die Modernisierung viel Freiheit.
Von Deichopfern und schwimmenden Städten
Das ist mutig und wünschenswert, nur funktioniert es nicht immer und nicht immer bildstark. Durchaus legitim ist es den traditionellen Hochwasserschutz mit den Klimakatastrophen unserer Tage zu verquicken. Dann ist es schlüssig, dass althergebrachte Konzepte nicht mehr zu greifen wissen. Ein neuer Ansatz muss her. Und das Publikum wird wissen, dass Neues immer mit Argwohn betrachtet wird.
Weniger überzeugend ist die Anpassung damaliger Arbeits-und Machtverhältnisse in unsere Zeit, die postfeudalistische Landbesitzer-Hierarchie zu Kaiserzeiten muss überführt werden in eine Welt mit bürkoratischen Strukturen und beratenden Dienstleistern. Selbstredend sind heutzutage auch mehr Frauen in die Arbeitswelt eingebunden.
Dennoch überzeugt das engagierte Gewusel nicht wirklich. Stattdessen lenkt es ab, oder es verschiebt den Kern der Erzählung hin zu einer Mär über einen verzweifelten Kampf engagierter gegen ein verkrustetes System. Das mag wohl so sein, aber dss fahle Pferd war eigentlich unterwegs zu anderen Gestaden.
Schöner scheitern mit Schimmel und Reiter. So lobens- und wünschenswert der Versuch einer Modernisierung eines Klassikers ist, so unbefreidigend bleibt die Umsetzung. Abgesehen von guten Einzelelementen und teilweise guten Darstellungen wird aus den Einzelteilen kein überzeugendes Ganzes. Und schon gar kein „Eventfilm“ wie es im Pressetext so schön heißt.
Der Schimmelreiter
OT: Der Schimmelreiter
Genre: Literaturverfilmung, Drama
Länge: 96 Minuten, D, 2026
Regie:; Francis Meletzky.
Drehbuch: Léonie-Claire Breinersdorfer frei nach „Der Schimmelreiter“ Von Theodor Strom.
Schauspiel: Max Hubacher, Nico Holonics, Olga von Luckwald,
FSK: nicht bekannt
Verleih: Arsenal Film
Kinostart: 05.02.2026




2 Kommentare
Wie unverschämt kann man sein, eine solche wertvolle Literaturvorgabe für einen solchen Schwachsinn zu missbrauchen. Das mit Unterstützung von mittelmäßigen bzw. schlechten „Schauspielern“.
Eine Filmneuauflage, aufgrund historischer Grundlage, wäre wirklich schön gewesen. Z. B. mit Jörg Hartmann als Hauke Haien, Henny Reents als Elke Volkerts und Peter Kurth als Ole Peters.
Und nicht ein solch gequirlter Schrott. Im Grunde fast strafbar.
Sehr geehrter Martens,
Ihre Meinung bleibt Ihnen unbenommen. Kunst – auch wenn sie nicht gefällt – sollte nie strafbar sein. Oder eben immer, weil sie so provokant ist.
MfG,brutstatt.de