Der Klang der Stradivari: Instrumente sammeln

Reiche Kunstsammler gibt es auch unter Musikliebhabern. So kommt es, dass ein legendäres (fiktives) Ensemble von Streichinstrumenten aus der Hand von Stradivari endlich wieder vereinigt wird. Das wollen viele hören, doch die ausgewählten Musiker harmonieren überhaupt nicht miteinander. Das ist der Stoff, aus dem Komödien gemacht sind. Zu sehen ab dem 6. August im Kino.

Nach der höhlenartigen Bildfahrt durch das Innere einer Geige ist sich der Experte sicher: Dies ist das gesuchte Instrument. Jene Bratsche, die jenes Stradivari-Streichquartett vervollständigen würde, das Astrids (Valérie Donzelli) Vater zu Lebzeiten nicht zusammenbekommen hat. Nun muss die Erbin des Musikliebhabers und Konzernchefs den Aufsichtsrat anhauen, wie hoch sie bei der Versteigerung mitbieten darf. Astrids Bruder, der den Konzern leitet, während sie die Stiftungen koordiniert, findet die Idee eigentlich grundsätzlich blöd. Aber womöglich lässt sich damit ja doch noch Geld verdienen.

Der alte Herr hatte für das Instrumentenquartett eigens ein Musikstück komponieren lassen, das seit Jahrzehnten in der Schublade liegt, und auch schon Musiker ausgewählt, die auf den außergewöhnlichen Instrumenten vortragen sollen. Auch an eine Aufführung war bereits gedacht, und die Aufnahme- und Übertragungsrechte sind schnell verkauft. Und selbstredend fühlen sich die angefragten Musiker geschmeichelt.

Die Paradedisziplin der Kammermusik – das Streichquartett

Die Cellistin Lise (Marie Vialle) hatte mal eine Affäre mit dem Violinisten Peter (Daniel Garlitzky) und wollte eigentlich nie wieder mit ihm eine Bühne teilen. Die junge Bratschistin Apolline (Emma Ravier) sorgt auf Social Media für Furore und Klassikbegeisterung, das lässt den geltungssüchtigen ersten Geiger George (Mathieu Spinosi) entgegen anderslautender Beteuerung nicht kalt. Und so trifft sich das Quartett auf dem Landsitz der Mäzenenfamilie, wo es keinen Internetempfang und auch keine Ablenkung gibt, um zu proben.

Und das geht so gründlich schief, dass Astrid den Komponisten des Stückes, Charlie Beaumond (Frédéric Pierrot), fragt, ob er nicht helfen kann. Doch dem ist sein Stück inzwischen herzlich egal, er ist mit naturalistischen Tonexperimenten beschäftigt. Letztlich guckt Beaumont doch vorbei und die Musiker machen Fortschritte.

Es ist schon absurd, welchen Hype die Stradivari-Geigen auslösen. „Der Klang der Stradivari“ führt direkt zu Beginn den derzeitigen Kunstmarkt ad absurdum: Das Instrument ist nicht nur vom weltbekannten Geigenbaumeister Antonio Stradivari, sondern alle vier Instrumente des Quartetts stammen aus einem Baum. Sie bilden folglich per Wachstum und per Genialität eine Einheit.

Der Ton ist in den Fingern, nicht im Holz

Dabei ist längst nicht jedes Instrument des berühmten Geigenbauers auch eine klangliche Offenbarung, einige sind einfach alt. Und dennoch sind es die Musiker, die die Musik machen und für den Klang zuständig sind. So beobachtet Regisseur Grégory Magne in seiner flotten Komödie allzu Menschliches im kammermusikalischen Kontext.

Vor einigen Jahren hatte das großartig besetzte Drama „Die Saiten des Lebens“ aufgezeigt, wie in einem erfolgreichen Streichquartett Risse entstehen und Umbrüche zu meistern sind. Hier nun geht es weniger um das charaktergetriebene Drama als um die musikalische Detailtreue in einer Komödie, die vor allem pfiffig unterhalten will.

Es ist schon schön, wenn der Starviolinist den wortkargen Komponisten fragt, wie ihm denn die „Vier Jahreszeiten“ gefallen haben, und der antwortet: „Vivaldi ist schwierig.“ Solcherlei mal subtilen, mal bissigen Humor haut „Der Klang der Stradivari“ mit hoher Trefferquote raus. Und ganz nebenbei gibt es auch noch nette Musik zu hören. Das Quartett stimmt auch noch angesäuselt den amerikanischen Folksong „My Girl (Where Did You Sleep Last Night?)“ an, den der Bluesgitarrist Lead Belly bekannt machte und den Nirvana in ihrer MTV-Unplugged-Session vortrugen.

Vielleicht ist gerade die (eigens komponierte) Musik etwas zu gefällig ausgefallen, um auf höchstem Niveau zu unterhalten, aber die musikalisch geschulten, lustvoll aufspielenden Darsteller und die quirlige Inszenierung sind schon einen Gang ins Kino wert.

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Der Klang der Stradivari
OT: Les musiciens
Genre: Komödie
Länge: 102 Minuten, F, 2026
Regie: Grégory Magne
Schauspiel: Valérie Donzelli, Marie Vialle, Daniel Garlitzky, Frédéric Pierrot
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Weltkino
Kinostart: 06.08.2026

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