Der Medicus 2: Freie Heilfürsorge

Das Historiendrama „Der Medicus 2“ erzählt die Geschichte des englischen Heilers Rob Cole weiter, der in der vorangegangenen Bestseller-Verfilmung nach Noah Gordon in den Orient aufbrach um die Heilkunst zu erlernen. Nun kehrt Cole zurück nach England und bringt licht und Gesundheit ins finstere Mittelalter. Freilich nicht ohne Widerstände. „Der Medicus 2“ erscheint am 15. Mai für das Home-Entertainment.

Nachdem Rob Cole (Tom Payne) seine Heilerausbildung im persischen Isfahan beendet hat, wendet sich das Schicksal der Mediziner dort, denn Ibn Sina (In Europa als Avicenna bekannt) und seine Schüler verlieren die Gunst des Sultans. Dann bricht ein Krieg aus und Rob und seine schwangere Frau beschließen in dessen Heimat zurückzukehren. Mit dabei einige von Robs engsten Freunden und das Buch mit Ibn Sinas Erkenntnissen und Heilmethoden.

Doch bereits die Überfahrt über den Ärmelkanal steht unter keinem guten Stern. Zwar überleben Rob und sein neugeborenes Kind, doch Rebecca (Emma Rigby) ertrinkt. In der Stadt London will die Ärzteschaft nichts wissen, von diesen Fremden und ihrem vermeintlich neuem Wissen. Außerdem dürfen Juden nicht innerhalb der Stadt praktizieren. Leofric (Francis Fulton-Smith), der Leibarzt des Königs ist in dieser Hinsicht rigoros.

Hunne (Aidan Gillan), der Leibarzt der Königin Mercia (Emily Cox) ist da neugieriger, hat aber keine Einwände die Fremden aus der Stadt zu jagen. Rob überwindet indes seine Trauer mit Hilfe eine keltischen Schamanin. Er findet neuen Lebensmut und beschließt ein Armenkrankenhaus außerhalb der Stadt zu gründen. Außerdem beschäftigt er sich zunehmen mit Krankheiten des Geistes.

Das große Buch der Heilkunde

Für Rob und seine Freunde wendet sich das Blatt, als er die als sterbenskrank geltende Frau des Ritters Godwin (Owen Teal) heilen kann. Zwar haben die Mediziner nun einen mächtigen Fürsprecher, geraten aber auch in politische Ränkespiele.

„Der Medicus 2“ basiert anders als der Vorgänger nicht auf der Romanvorlage von Noah Gordon. Der hatte seine Trilogie mit einem Zeit-und Epochensprung fortgesetzt und im zweiten Roman von einem Nachkommen Coles erzählt, der nach Amerika auswandert. Im Roman „Der Medicus“ kehrt Cole zwar mit Frau und Kindern zurück in die Heimat, aber das ist eher ein Epilog um die Geschichte abzurunden.

Nach dem Erfolg der Verfilmung von 2013 war es wahrscheinlich höchst verlockend die Geschichte fortzusetzen und so hat Regisseur Philip Stölzl auch an einer Fortschreibung der Geschichte um Rob Coles Rückkehr mit gewirkt. Dramaturgisch und im Aufbau des Films ist „der Medicus 2“ im Grunde eine Variation des Erfolgsprinzips, das sollte beim Publikum üblicherweise für reges Interesse sorgen. Und wird sicherlich auch wieder für eine mehrteilige TV-Auswertung zur Verfügung stehen.

Allerdings funktioniert die eigenständige Geschichte nur bedingt. Zwar mag mensch nun einwenden, dass bereits der Roman sich viele fantastische Freiheiten nimmt, um die Geschichte eines christlichen Arztes in einer verbotenen Welt zu erzählen, aber „Der Medicus 2“ nimmt viele fantastische Elemente in die Geschichte auf. So kommt es zu druidischen Ritualen und Thronkämpfen, die auch ganz wunderbar in die fantastisch-fiktive Welt von „Game of Thrones“ gepasst hätten.

Besitzstandswahrung einer Bader-Kaste

In Bezug auf die Herrschaftsverhältnisse im England des 11. Jahrhunderts setzen Stölzl und sein Team Knut den Großen (Liam Cunninggham) als siechenden König auf den Thron. Dessen englischer Name Canute ist ebenso verbürgt wie seine Vasallen Godwin und Leofric, der in Mercia herrschte. Ein Schelm, wer nun den Leibarzt Leofric auch den Geliebten der Königin Mercia werden lässt. Mit der Besetzung von Emily Cox, fühlen sich Fans von Historiendramen direkt auch in „The Last Kingdom“ versetzt, wo die Abenteuer Uthred von Bebbernburgs ebenjene Entstehungsperiode des englischen Königreichs bildstark erzählen.

Zurück zum „Medicus“ ist dessen Hinwendung zu Krankheiten des Geistes und des Gemüts eine Erweiterung des medizinischen Handlungsspielraumes und eine ein weites Feld neuer Symptome und Krankheiten, die es zu behandeln gilt. Gleichwohl kommt die Naturheilkunde der keltischen Heilerin ebenso esoterisch und modernistisch rüber wie die multikulturelle Heilergemeinschaft, die aus Persien flüchten musste. Manchen mag das als zeitgemäße Botschaft und humanistische Aussage des Historienepos dienen, es sorgt auch für viele Momente des Stirnrunzelns.

Wie bereits im Vorgänger gelingt es der Produktion unter deutscher Federführung ein opulentes historisches Drama zu erzählen. Das hat viele visuell beeindruckende Momente, auch wenn nicht alle CGI-Momente zu überzeugen wissen und die eine oder andere Kulisse arg an eine deutsche Mittelgebirgskleinstadt erinnert. Leider trägt die Handlung nicht über die gesamte Länge des Epos. Während es gegen Ende geradezu hahnebüchen turbulent wird, sind es vor allem Momente im „Krankenhausalltag“, die das Erzähltempo erheblich entschleunigen. Der Aufmerksamkeit des Publikums tut das nicht immer gut.

Die Fortschreibung des Historiendramas „Der Medicus“ folgt der typischen Verwertungslogik einem geneigten Publikum mehr von dem erfolgreichen Gleichen zu präsentieren. Allerdings kann das Drama nicht auf die Bestsellervorlage zurückgreifen, so dass sich erheblich Abstriche in der Plausibilität und der Kompaktheit der Erzählung ausmachen lassen.

5 von 10

Der Medicus 2
OT: The Physician 2
Genre: Historiendrama,
Länge: 143 Minuten, D/, 2025
Regie: Philip Stölzl
Schauspiel: Tom Payne, Owen Teale, Emily Cox
FSK: ab 12 Jahrne
Verlieh: Leonine
Kinostart: 25.12.2025
DVD-& BD-VÖ: 15.05.2026

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