Anger Mgmt. – Anger is Eternal: Album Review

Da ist eine Verstärkerröhre zu sehen, die hell glimmt. Oder doch nicht? Das Röhreninnere sieht menschlich aus und verdrahtet. Im Kontext der Post Punk Trios Anger Mgmt. weist das sowohl auf den Titel den feinen Debüts „Anger is Energy“ hin als auch auf den aktuellen Tonträger „Anger is Eternal“, denn eigentlich ist der Wolfram-Draht, der da im Gasambiente leuchtet, kaum kaputtzukriegen. Die Lebensdauer von Leuchtmitteln wurde seinerzeit künstlich beschränkt. Also keine Eternal Flame. Immerhin aber Nachschub an Songs vom der Wuttherapie aus der Schweiz seit dem 24. April 2026 auf Noisolution Records.

Jetzt hängen mir unpassender Weise die Bangles im Ohr, selbst Schuld. Denn der gitarrenlastige, hochenergetische düstere (post) Punk Sound von Anger Mgmt. ist davon ziemlich weit entfernt. Doch ich frage mich ohnehin, wie ich diesem tollen Album angehen soll, weil ich doch das Debüt doch schon so abgefeiert habe? Also zunächst die Basics, das Trio aus Wintherthur in der Schweiz besteht seit 2022 und hat 2023 sein Debüt veröffentlicht.

Soundtechnisch hat man sich (mehr oder minder) dem klassischen Post Punk verschrieben, wie ihn Joy Division, The Cure und Konsorten bereits in den 1980ern gespielt haben, ein hauch Gothic, eine Prise Hardcore, eine Spur Grunge und ganz viel feiste Produktion machen daraus eine sehr eigene und mitreißende Mischung. Auf „Anger is Eternal“ ist ein neuer Schlagzeuger dabei. Domink Jucker sorgt hinter Bassist Simon Hirzel und Gitarrist und Sänger Nik Petronijevic für die Wirbelsäule des Sounds. Aufgenommen hat die Band dieses Mal gleich bei und mit Yvo Petrzilek in Kollbrunn, der bereits beim Debüt für den Mix zuständig war.

„The cracks spread like whispers, a map of my pain“

Nicht nur der Sound ist anders, fetter mit gleißenderen Gitarren, auch die Songs sind weiter aufgestellt und decken eine größere Spannweite ab, ohne den Kern von Anger Mgmt. zu verlieren. Möglicherweise ließe sich das als klareres Song-Destillat bechreiben. Und gleichwohl „Anger is Eternal“ eine inhaltliche Reise macht von „I Thought i’d started to make Progress again“ hin zu „I feel better“ ist doch Song Nummer acht „Anything Ahead“ der eigentlich Brückensong zum früheren Schaffen. „I don’t see anything ahead“.

Fans der Band dürfte inzwischen bekannt sein, das Sänger Nik an Angststörungen leidet und sich auch als Aktivst betätigt und versteht, weshalb die Texte auch auf dem zweiten Album wieder zur Innenschau und zur Reflexion einladen. Konsequenter Weise sind die Lyrics dieses mal mit beim Tonträger dabei. Wobei die limitierte durchsichtige Vinylauflage schon sehr schön geworden ist. Aber das nur nebenbei.

Der Opener „I Thought i’d started to make Progress again“ startet hochenergetisch mit soundgewordeneer Frustration ins Album. Räudiger Sound, garstige Gitarre und voll auf die zwölf. „Torch the Lies“ geht dann bedächtiger zu Werke und gefällt mit eingängigem Refrain. „Under My Sin“ pumpt sich mit großartiger Bassline in die Herzen derer auf dem Tanzboden. Die Video/Single manifestiert, dass es sich um einen Knallersong handelt.

„Trace the Cracks“ hat so schnelle Rock’n’Roll-Vibes wie sie für frühen Punk typisch sind und auch im Old school New Wave zu finden sind. Bei dem Sound fühlen isch Anger Mgmt. einfach zuhause. „In this Body“ ist deutlich melodischer als ich die Band früher wahrgenommen habe. Der Mittempo-Song nimmt sich zurück, lasst Raum zwischen den Beats und wartet mit einem tollen Refrain auf. Doch so entspannt kann es keinesfalls weitergehen. Folglich reißt die Band mit Hilfe von Gastsänger Thorsten Polomski (of Bubonix-Fame) in „Cut the Rot“ eine Hardcore-Minuten runter wie Nix.

„Each fracture a story , each scar a refrain.“ (In this Body)

„Keep Trying“ fallt vielleicht ein wenig zu gefällig aus, ist aber dennoch ein guter Midtempo-Song mit balladesker Strophe und rockigem Refrain. ‚“Anything Ahead“ rockt vertraut, aber darum nicht weniger mitreißend. Und der Refrain ist einfach catchy. „Echoes“ hat wieder diesen old School Goth-Vibe, der der Band gut zu Gesicht steht und der melodische Gesang ist schon sehr eingängig. „No Future No Past“ kommt kurz vor Albumende auch etwas unaufgeregt daher. Hier spoielt die Band wieder ihre liebgewonnen Trademarks aus und setzt auf Melodik statt Überraschungsmoment. Mir ist das gelegentlich zu gefällig, dann wieder finde ich den song einfach schon in siener Melancholie.

Zum Abschluss setzt „Buzz“ noch mal ein Highlight und ist mit Bedacht als sehens- und hörenswerte Video/Single ausgekoppelt worden. Im Video ist ein „wilder Kerl“ beim Kicken zu sehen und ich fühle mich auf der Stelle abgeholt. Aber auch musikalisch geht es in etwas andere Gefilde, verzerrter Gesang, ein Grunge Groove und eine hymnischer Chorus, der dermaßen stationtauglich ist, dass jeder mittun kann. Das ist schon richtig groß.

So, nun hat de Rezensent das ganze Album durchgehechelt und wundert sich dass die elf Songs nur unwesentlich länger sind als die Acht auf dem Vorgänger. Auch eine Straffung der Strukturen gehört zur musikalischen Weiterentwicklung dazu. Anger Mgmt. haben auf „Anger is Energie“ einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Das Spektrum ist offener, der Sound ist dichter, da ist mehr Selbstbewusstsein und bei allem Wuttherapie mehr Spieltrieb. Ist das nun besser als das Debüt? Es ist anders, beides ist großartig und energiegeladen und mitreißend. Hervorragend geeignet um Dampf abzulassen. Also, Ohren auf und hin zum Anger MGMT.

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Anger Mgmt. – Anger is Eternal
Genre: Post Punk, Grunge, Alternative,
Länge: 34 Minuten, 11 Songs, CH, 2026
Interpret: Anger Mgmt.
Label. Noisolution Records
Vertrieb: Edel
Format: CD,m digital, Vinyl
VÖ: 24.04.2026

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