
Ein Rückblick auf die Willkommenskultur in Deutschland: „Almanya – Willkommen in Deutschland“ von 2011 aus dem Archiv. „Almanya“ erzählt die Geschichte der Familie des 1.000.001 Gastarbeiters und ist einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme von 2011 und wurde mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Das humorvolle Familienportrait einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Deutschland gibt’s nun für den Hausgebrauch: eine liebevolle aber harmlose Tragikomödie.
Hüsein (Vedad Erincin) ist in den 1960ern als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Später holte er dann seine Familie nach. Heute leben seine Kinder und Enkelkinder mit einer Selbstverständlichkeit in Deutschland. Doch nach mehr als 40 Jahren haben Hüsein und seine Frau Fatma beschlossen einen deutschen Pass zu beantragen.
Bei einem Familienessen hat das Familienoberhaupt große Neuigkeiten zu verkünden, zur Verwunderung seiner Frau allerdings nicht, den deutschen Pass, sondern den Erwerb eines Hauses in Anatolien. Jetzt soll die ganze Familie auf Reisen gehen, um das Haus zu renovieren. Erzählt wird die in Rückblenden aufgerollte Familiengeschichte aus der Perspektive der fast erwachsenen Enkelin Canan (Aylin Tetzel) , die gerade ungewollt schwanger ist.
Arbeitsurlaub
Die beiden Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli beschäftigen sich filmisch schon seit längerem damit, was es bedeutet als Türke in Deutschland zu leben. „Almanya“ ist nach zwei TV-Produktionen („Alles getürkt“ und „Ich Chef du nix“) ihr erster Kinofilm und ein großer Kassenerfolg. Die Familie ist großartig besetzt und würde auch zu Recht mit einem Preis für das gesamte Ensemble ausgezeichnet.
Der Film selbst hat allerdings Längen, viele Gags verpuffen und vor allem in der ersten Filmhälfte häufig mit dem Klischee zu kämpfen. Die Figurenkonstellation kommt einem irgendwie bekannt vor und die familiären Probleme und Knackpunkte recht plakativ inszeniert. Ohne weiter Schwierigkeiten, kann sich der Zuschauer mit an die gedeckte Tafel setzten und dem Treiben folgen.
Das Aufrollen der Familiengeschichte aus Sicht der Enkelgeneration hat sowohl Vor-als auch Nachteile, die Rückblenden sind durchaus gelungen aber die Erzählhaltung von Canan bleibt häufig in verniedlichenden Perspektive die sie ihrem sechsjährigen Cousin Cenk gegenüber an den Tag legt. Als die Familie dann zu der Reise in die alte Heimat aufbricht, verlässt auch der Film die ausgetretenen Pfade und bekommt einen eigenen Ton.
„Almanya –Willkommen in Deutschland“ ist trotz der tragischen Elemente eine weitgehend harmlose Feel-Good-Komödie, in der auch Bundeskanzlerin Merkel einen Gastauftritt hat. Viele der Charaktere wirken als hätte man sie schon getroffen und der Inszenierung mangelt es gelegentlich an Spritzigkeit und einem Sinn für Humor, der über das politisch Korrekte hinaus geht.
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Almanya – Willkommen in Deutschland
OT: Almanya – Willkommen in Deutschland
Genre: Komödie, Drama
Länge: 97 Minuten, D, 2011
Regie: Yasemin Sandereli
Schauspiel: Vedad Erincin, Lilay Huser, Aylin Tetzel
FSK: Ab 6 Jahren
Verleih: Leonine (Concorde)
Kinostart: 10.03.2011
DVD-VÖ: 24.09.2021 (Neuauflage)
