Tom und Jerry – Der verlorene Kompass: Zeitreise-Feuerwerk

Während hierzulande das tierische Animationsduo „Tom & Jerry“ vor allem als TV-Unterhaltung bekannt ist, starteten die animierten Kurzfilme mal als Kinounterhaltung und wurden auch mit Oscars ausgezeichnet. Nun kommen der Kater Tom und die Maus Jerry wieder auf die Leinwand und landen per Zeitreise im alten China. Das hat wenig mit der ursprünglichen Gaudi zu tun, ist aber turbulent computeranimiert. Zu sehen ab dem 30. April 2026.

Kater Tom hat eine neue Anstellung als Wachpersonal einer Kunstausstellung. Dort wird gerade traditionelle chinesische Kunst ausgestellt. Unter anderem auch der sagenumwobene Astral-Kompass, dem magische Kraft zugeschrieben wird. Maus Jerry ist sehr interessiert an der Ausstellung und will hinein, was Tom zu verhindern versucht.

Es dauert nicht lange und die beiden raufen sich durch die Ausstellungsräume und haben versehentlich den Kompass aktiviert. Nun finden sich Katze und Maus alten China wieder. Dort hat der Phönix-Meister einst den Kompass verloren. Vom himmlischen Meister hat er 300 Jahre Frist bekommen, um den Kompass zu finden. Die laufen gerade ab und der Phönixmeister und sein in ein Huhn verwandelter Gehilfe laufen Gefahr sterblich zu werden. Mit Tom und Jerry taucht nicht nur der Kompass auf, sondern auch die Rivalen des Phönixmeisters, die hoffen, den Kompass in die Hände zu bekommen.

Katz und Maus im alten China

„Tom & Jerry: Der verlorene Kompass“ ist komplett in China produziert worden und erstmals ausschließlich in CGI. Der Look des kultigen Duos weiß zu gefallen und auch die anderen Charaktere überzeugen., Ebenso die Effekte und die Hintergründe. In visueller Hinsicht stören eigentlich nur die konstanten Explosionen, die zwar farbenfroh, aber auch ermüdend sind.

Hinsichtlich der Handlung hat „De verlorene Kompass“ zwei Handicaps zu überwinden. Zum einen waren Tom & Jerry eigentlich nie als spielfilmlange Unterhaltung angelegt, sondern immer nur in knackigen 20 Minuten Episoden. Das macht für den Spannungsbogen und die Erzählhaltung einen erheblichen Unterschied. Und damit hatte auch Daffy Duck im aktuellen Kinoabenteuer zu kämpfen. Zudem wirds kompliziert, wenn die beiden Protagonisten nicht reden, sondern nur Laute von sich geben.

Die Transformation der westlichen Katz und Maus in fernöstliche Mythologie klappt ebenfalls nicht so recht. Dazu sind die wie Pokemon-Spielkarten eingeführten Charaktere viel zu übermächtig. Zum einen sind sie viel verschnörkelter und aufwändiger gestaltet, zum andern reden sie alle. Da können die flinke Maus und der verknallte Kater kaum mithalten.


Das Huhn und der Phönixmeister

Kein Wunder also, dass die bedien wie Fremde in einem fremden Land, wie deplatzierte Ritter der traurigen Gestalt wirken, selbst wenn sie ihre leidlich gelungene Handlung haben. So bleibt am ende ein klassisches chinesisches Animationsspektakel mit quietschbunter Mythologie. Das ist sicher ganz nett, aber ebnen kein Tom und Jerry Abenteuer.

Was möglich gewesen wäre zeigt der Beginn des Films, wenn sich Tom und Jerry durch die Ausstellung tollen. Da zittert Tom wie eine Saloontüre und die Musiker auf einer Zeichnung werden von den beiden Störenfrieden beim Vorspielen gehindert. Das ist chon schön und anarchisch und eigentlich klassischer Tom und Jerry Spaß.

Ein Lehrer würde angesichts des Titels und der tatsächlichen Ausgestaltung dieses turbulenten Animationsabenteuers sicherlich urteilen: Thema verfehlt. Gleichwohl ist die Produktion von „Der verlorene Kompass“ komplett in China entstanden und dort mag dass Publikum sich in der Welt voller Götter, Kobolde und Dämonen fragen, was denn die Katze und die Maus dort tun. Im Westen mag die Frage anders herum gestellt werden. Tom und Jerry sind in dem epischen Kampf um die Macht des Kompass eher Beiwerk und wirken sehr deplatziert. Die Story nun wieder ist ein wenig eindimensional und zielt auf Remmi Demmi Effekte ab. Dennoch: Die am Computer entstandenen Animationen haben ihre Qualität.

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Tom und Jerry: Der verlorene Kompass
OT:  Mâo Hé Lâoshâ: Xîng Pán Qí Yuán, International: Tom & Jerry: Forbidden Compass
Genre: Animation
Länge: 104 Minuten, VRC, 2025
Regie: Gang Zhang
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Splendid Films /24 Bilder
Kinostart: 30.04.2026

Tom und Jerry bei Wikipedia

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