Salami Aleikum: Der Lebensschal

Und noch eine Rückschau auf multikulturelles Leben in Deutschland: „Salami Aleikum von 2009. Der Verlust der Heimat und die Suche nach der eigenen Identität sind ernste Themen, aber in der Culture Clash Komödie „Salami Aleikum“ ist das die Basis für einen überbordenden Abflug in humoristische Höhen, die man aus Deutschland so nicht erwarten konnte.

Der in Köln lebende Perser Mohsen (Navid Akhavan) soll eigentlich die elterliche Schlachterei übernehmen, doch der Junge ist zu weich und kann

kein Blut sehen. Um Stress abzubauen, strickt Mohsen an seinem Lebensschal. Das führt immer wieder zum Streit mit dem Vater (Michael Niavarani). Als dann ein zwielichtiger polnischer Gauner Mohsen eine Herde fertig verarbeiteter Schafe anbietet, wittert Mohsen seine Chance den Familienbetrieb doch zu übernehmen.

Die Krux an der Sache: Die Schafe müssen aus Polen abgeholt werden. Also macht sich der junge Iraner mit dem Kleintransporter auf den Weg und strandet mitten im finstersten Ostdeutschland. Durch eine Autopanne lernt Mohsen die Mechanikerin Ana kennen, und verliebt sich auf der Stelle in die großgewachsene Vegetarierin.

Um Ana (Anna Böger) nicht abzuschrecken gibt er sich als Textilfabrikant aus und bewirkt so einen ungeahnten Hoffnungsschimmer für die seit der Wende brach liegende Fabrik. Ausgerechnet Anas Vater (Wolfgang Stumpf) will den Betrieb wieder aufnehmen, der vermeintliche neue Investor kommt als letzte Rettung. Immer tiefer verstrickt sich Mohsen in sein Lügengespinst. Als dann seine Eltern auftauchen wird es brenzlig.

Auf dem Weg nach Polen

Allein die Handlung hat Potential für eine gelungene Komödie doch Regisseur und Drehbuchautor Ali Samadi Ahadi lässt es damit nicht bewenden und kredenzt dem Zuschauer auch ein visuelles Feuerwerk, das hierzulande seinesgleichen sucht. Mit liebevollen Animationen, die gekonnt und pfiffig in den Film eingebaut werden, und traumhaften Bollywood-Sequenzen peppt er das Aufeinandertreffen von Ossis und Persern modern und lebenslustig auf.

„Salami Aleikum“ ist auch durch die Liebe zum Detail, die Tempowechsel, Rückblicke und Nebenhandlungen so wunderbar und mitreißend geworden. Doch der eigentliche Knaller des Films sind nicht die Liebenden, sondern die beiden Väter. Man hat lange nach den richtigen Darstellern gesucht: Vorgabe war, dass die Darsteller auch einen authentischen Hintergrund haben sollten.

Wolfgang Stumpf und der Österreicher Michael Niavarani sind schon allein grandios, aber ihre gemeinsamen Szenen gehören zu den Höhepunkten des Films. Der hierzulande leider wenig bekannte Michael Niavarani geht voll in der Rolle des iranischen Möchtegerngenerals auf und in den kleinen aber feinen persischen Dialogen, die, auch das gehört zu der authentischen Stimmigkeit des Films, untertitelt sind, verbirgt sich so mache grandiose Pointe.

„Salami Aleikum“ wagt viel und gewinnt alles. Das mag nicht jedem gefallen, hat aber einen hohen Wohlfühlfaktor und seltenen Unterhaltungswert.Völlig zu Recht war das die Komödienüberraschung des Kinosommers von 2009. „Salami Aleikum“ macht einfach Spaß und zeigt fast nebenbei auch noch deutsche Befindlichkeiten auf. Eine absolute Überraschung und ein mitreißender Film.

8

Salami Aleikum
OT: Salami Aleikum
Genre: Komödie, Romanze
Länge: 97 Minuten, D/A, 2010
Regie: Ali Samadi Ahadi
Schauspiel: Navid Akvahan, Wolfgang Stumpf, Anna Böger,
FSK: ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Verleih: Zorro Film, Good Movies
Kinostart: 23.07.2009
DVD-VÖ: 19.03.2010

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