Creation Stories: Situationisten machen Platten

Je nachdem, wen man fragt, kriegt der Musikfan schon mal zu hören, dass Creation Records eines der einflussreichsten Independent Record Label überhaupt war. Der Schotte Alan McGee hat einen eigenwilligen Musikgeschmack und überbordende Energie und gründet eher spontan und zufällig eine Plattenfirma. So zumindest zu sehen in der Home-Entertainment-Premiere „Creation Stories“ von 2021, die hierzulande mit etwas Verspätung Ende März 2026 veröffentlicht wird – dafür mit großartigem Bonusmaterial.

Und das steht auch gleich mal im Vordergrund. 2010 hat der Dokumentarfilmer und Musikfan Danny O’ Connor die Musikdoku „Upside Down: The Story of Creation Records“ veröffentlicht. Mit viel Liebe zum Detail und Originalinterviews mit allen wesentlichen Beteiligten ist seinerzeit eine großartige Doku entstanden. Die war auch mal als DVD zu kriegen, ist aber aktuell nicht mehr erhältlich. Nun ist „Upside Down“ als Bounusmaterial“ zumindest auf der Blu-Ray enthalten – und läuft der Fiktionalisierten Aufarbeitung leider komplett den Rang ab.

Alan McGee (Ewan Bremner) sitzt im Flieger nach Los Angeles, wo er zu einer Party geladen ist und zuvor noch einen Interviewtermin mit der Journalistin Gemma (Suki Waterhouse) Absolviert. Alan erzählt die turbulente und wechselvolle Geschichte des Record Labels Creation Records, die in Rückblicken erzählt wird, während die interessierte Journalistin und ihre Freundinnen de Musikmanager zeitgleich ausfragen.

Angefangen mit Alans Rockstarträumen in den 1970ern, die seinen bodenständigen Vater zur Weißglut treiben über die frühe Freundschaft mit Bobby Gillespie, der später Primal Scream gründet, bis hin zur ersten Band und dem Entschluss in die Musikhauptstadt London zu ziehen und es da als Punk-Band zu schaffen.

Fernseh Persönlichkeiten und andere Punks

Eher zufällig nehmen Alan und seine Freunde regelmäßig Demos von befreundeten Bands auf und von solchen, die sie mögen. Es entwickelt sich eher nebenbei eine Szene, die auf diese krachige Nischenmusik steht. Mit The Jesus And May Chain gelingt Creation Records ein erster Achtungserfolg. Nur leider haben Alan und seine Kumpel kein Händchen für die Finanzen. Fast alles was an Einnahmen auftaucht, wird entweder in Party angelegt oder direkt wieder in neue Musik investiert. Creation Records schrammen chronisch an der Pleite vorbei.

Der Erfolg stellt sich ein, die Drogen lassen nicht auf sich warten und die Profitgierigen Tentakel der Musikindustrie winken auch bald. Dann als Creation Records schon längst zum Sony Konzern gehört, entdeckt Alan McGee, mal wieder eher zufällig, Oasis in einem kleinen Club. Der Rest ist Musikgeschichte. Und Bald kommt auch eine große „Oasis“ Doku in die Kinos und in den Stream.

Es ist nicht so, dass „Creation Stories“ keine unterhaltsamen Momente hätte, aber der Spannungsbogen einer Lebens- und Erfolgsgeschichte baut sich gar nicht erst auf, wenn der junge Alan (Leo Flanagan) im Jugendzimmer einen klischeebeladenen Konflikt mit seinem Vater hat, der befürchtet, dass der Make up tragende Bengel homosexuell sein könnte. Das mag der Realität entsprechen, aber es ist ebenso absehbar wie langweilig in Szene gesetzt und kommt mit schlichtem Witz kaum aus dem Kinderzimmer heraus.

Die Popkultur stirbt nicht aus. Sie wird wiedergeboren.

Auch später kann die Erzählung von Alan, die immer wieder von der Journalistin unterbrochen wird, keine Dynamik aufbauen. Das ist schade, denn die überbordende Punkengergie der frühen Tage hätte etwas mehr cineastisches Chaos vertragen können. Ähnliches ließ sich leider auch über das fiktionale Punk-Drama „London Town“ (2019) sagen, in dem Jonathan Rhys Meyer den Clash-Frontman Joe Strummer spielt. Auch dort kommt die Story nicht aus dem biederen Erzählen heraus.

Es mag sein, dass der Drehbuchbeitrag von Irvine Welsh etwas an „Trainspotting“erinnern mag, in dem Ewan Bremner ja ebenfalls aufspielt. Möglich ist allerdings auch die Ausdeutung, dass „Creation Records“ beziehungsweise Alan und Bobby „Trainspotting“ beeinflusst haben und /oder es schlicht der damalige Zeitgeist war, der auf drogen- und partyinduziertes Chaos abzielte.

Auch werden Erinnerungen an „Kill Your Friends“ wach. Die Verfilmung von David Nivens Roman-Abrechnung mit der Musikbranche kam 2015 mit Nicholas Hoult in der Hauptrolle heraus und bestach vor allem durch Zynismus, konnte aber dramaturgisch auchnicht auf ganzer Länge überzeugen.

So bleibt ein engagiert aufspielender Ewan Bremner, der für die frühen Londoner Tage von Alan, deutlich zu alt ist, aber mit Laufender Spielzeit sein Alter einholt. Es bleibt viel tolle Musik und es gibt einige schone musikalische Inszenierungen. Für einen unterhaltsamen Video-Abend reicht das nur bedingt. Ich verweise noch einmal auf die enthaltende sehenswerte Doku.

5

Creation Stories – Der Mann der Oasis entdeckte
OT: Creation Stories
Genre: Biopic, Music, Drama,
Länge: 110 Minuten, UK, 2021
Regie: Nick Moran
Schauspiel: Ewan Bremner, Leo Flanagan, Suki Waterhouse,
FSK: ab 12 Jahren
Extras: Doku Upside Down – The Story of Creation Records
Vertrieb: Pandastorm
Kinostart: Nicht in Deutchland
Digital-VÖ: 20.02.2026
DVD- & BD-VÖ: 27.03.2026

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