Coffy: Krankenschwester auf Rache-Trip

Spätestens seit Quentin Tarantinos „Jacky Brown“ hat jeder die afroamerikanische Schauspielerin Pam Grier wieder auf den Schirm. Mit „Coffy“ begründete Pam Grier ihren Ruf als Ikone des Blaxploitation-Films der 1970er. Nun legt Studio Hamburg den Genre-Klassiker in digital remasterter Version erneut auf Blu-Ray auf. Der cineastische Ausflug in die frühen 1970er ist in vielerlei Hinsicht eine zweischneidige Angelegenheit.

Die Krankenschwester Coffy (Pam Grier) ist auf Rache aus. Sie will diejenigen drankriegen, die ihre kleine Schwester zu einem heroinsüchtigen Drogenwrack gemacht haben. Zunächst knöpft sich Coffy den Dealer vor, doch der Polizist und Jugendfreund Carter (William Elliot) bringt die Krankenschwester auf die Idee, dass man an die Hintermänner rankommen müsste, um wirklich etwas zu verändern.

Carter macht sich immer noch Hoffnungen, obwohl Coffy eine Beziehung mit dem Anwalt Howard Brunswick (Booker Bradshaw) hat, der nun auch für den Kongress kandidiert. Also gibt sich Cofffy als jamaikanisches Call Girl aus und lässt sich auf den Dealer und Zuhälter King George (Robert DoQui) ein. Den anderen Pferdchen in Stall gefällt das kaum. Aber Mystique alias Coffy hat eine Fuß in der Tür und lernt so auch den perversen Mafia-Boss Arturo Vitroni (Alan Arbus) kennen. Doch bevor Coffy die Kriminellen umnieten kann, fliegt ihre Tarnung auf.

Das Blaxploitation-Genre versuchte seit den 1960er Jahren die „Exploitation-Filme für ein afro-amerikanisches Publikum attraktiv zu machen. Exploitation-Filme sind (auch heute noch) günstig produzierte mit rudimentärer Handlung versehene Reißer, in denen es im Wesentlichen um die Zurschaustellung von Sex und Gewalt geht. Diese Art des Filmemachens hat sicherlich einige Perlen hervorgebracht und sofern man hier den Genre-Begriff verwenden will, folgen die Filme einem eng umrissenen Muster.

„Coffy“ ist nicht nur jener Film, der Pam Grier zur Ikone der afroamerikanischen Kultur machte, sondern auch eine Blaupause für kommende toughe Frauengestalten im action-Genre. Zwar soll Regisseur Jack Hill, übrigens kein Farbiger, behauptet haben, dass MGM die Figur nur erfunden hat, weil man die Filmrechte für „Cleopatra Jones“ verloren hätte. Aber die Rechnung ging auf, auf dem Höhepunkt der Blaxploitationwelle spielte der zwei Millionen Dollar teure „Coffy“ nicht nur seine Produktionskosten locker wieder ein , sondern zog auch mehr Zuschauer als „Cleopatra Jones“.

So sehr Tarantino „Coffy“ auch schätzt, der Film ist nicht forteilhaft gealtert. Sicher bleiben der filmhistorische Wert, eine coole Antiheldin und eine kontroverse Selbstjustiz Handlung, wie sie auch Clint Eastwood oder Charles Bronson geadelt hätte. Allerdings sind sowohl die Action-Sequenzen als auch die Effekte nicht sonderlich überzeugend. Das würde heute jeder Filmschüler mit weniger Budget besser hinbekommen.

Trotz digitalen Remasterings ist die Bildqualität nicht immer überzeugend und es gibt zwei Sequenzen, die nachträglich hinzugefügt scheinen, in der ohnehin grenzwertigen deutschen Synchro kommen hier auch andere Sprecher:innen zum Zug. Überraschender Weise gibt es in der kaum vorhandenen Handlung auch noch längen, die es durchzuhalten gilt. So ist die Krankenschwester nur in einer Szene zu sehen, in der sie wieder aus dem OP geschickt wird, da hätte die Heldin auch genauso gut in einer Wäscherei arbeiten könne, ihr Tagwerk kommt im Film nur alibimäßig vor.

Die deutsche Sprachfassung krankt zudem daran, das die bösen Jungs nur total bescheuerte Sprüche klopfen wie weiland in den Bud Spencer Filmen oder in der deutschen Fassung von „Ein Fall für Zwei“. Das mag einem Zeitgeist entsprochen haben, nimmt dem ernst gemeinten Genrewillen des Films aber seine gesamte Dramatik. Typen mit Einteiler und Cape, die auch noch quatschige Sachen sagen, kann man kaum für Schwerverbrecher halten.

Der englische Wikipedia-Eintrag zu „Coffy“ erwähnt, dass es nicht nur eine remasterte Version des Films auf Blu-ray gibt, sondern (zumindest in den USA) auch eine mit einigem Bonusmaterial, unter anderem ein Interview mit Jack Hill. Die vorliegende „Coffy“-Blu-ray hat weder Untertitel noch weiterführendes Bonusmaterial zu bieten. Hier gibt es nur den Film und ein paar Trailer. Aber um den Film geht es ja schließlich , um das fieseste Ein-Frau-Killer-Komando das je in der Stadt war.

Der Blaxploitation-Film „Coffy“ begründete den Ruhm von Schauspielerin Pam Grier und zählt zu den erfolgreicheren und populären Beiträgen des Genres. Was Anfang der 1970er noch richtig gerockt hat, ist nicht sonderlich gut gealtert. Heute sorgen die seinerzeit expliziten Darstellungen nur noch bedingt für steigenden Blutdruck.

Film-Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Coffy
OT: Coffy
Genre: Action,Thriller,
Länge: 90 Minuten, USA, 1973
Regie: Jack Hill
Darsteller: Pam Grier, Booker Bradshaw, Robert DoQui
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Studio Hamburg
Kinostart: 28.03.1974
DVD-VÖ: 2003
BD-VÖ: 26.06.2020

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