Song Sung Blue: Der Traum vom späten Glück

Auch mit der Nachahmung von Idolen kann mensch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Die Neil Diamond Cover Experience „Lightning & Thunder“ brachte es in Milwaukee zu mehr als nur lokalem Ruhm. Nun wird deren Geschichte prominent besetzt mit Hugh Jackmann und Kate Hudson auf für das Home Entertainment veröffentlicht. Doch „Song Sung Blue“ ist keineswegs so unbeschwert wie das Publikum annehmen möchte.

Mike Sardina (Hugh Jackman) macht gleich zu Filmbeginn klar womit es das Publikum zu tun bekommt. Der seit zwei Jahrzehnten trockene Alkoholiker, feiert seine „Trockengeburtstag“ wie jedes Jahr, indem er der Gruppe der Anonymen Alkoholiker erzählt, dass er zwar kein Komponist und auch kein Star ist, aber ein leidenschaftlicher Entertainer, und dann gibt Mike, dessen Künstlername Lightning (Blitz) auch den Rücken seiner Jeansjacke ziert Neil Diamonds „Song Sung Blue“ zum Besten.

Als der Automechaniker anschließend zu seinem Zweitjob als Covermusiker auf der Kirmes unterwegs ist, hat er beschlossen, dort als er selbst aufzutreten. Geht natürlich nicht, aber er macht Eindruck auf die Patsy Cline Nachahmerin Claire (Kate Hudson), die ebenso wie Mike für die Musik brennt. Später dann treffen sich die beiden auf ein Date und beschließen gemeinsam etwas neues zu Starten: Eine Neil Diamond Cover Experience unter den Namen Lightning & Thunder. Auch privat funkt es zwischen dem Army-Veteran und der alleinerziehenden Mutter.

„Sweet Caroline“

Schon bald stellen sich erste Erfolge ein und Lightning & Thunder werden zu lokalen Berühmtheiten in Milwaukee. Ds geht sogar so weit, dass die Grunge Band Pearl Jam Sie als Vorgruppe für das Konzert in der Stadt anfragt. Doch ein schwerer Unfall wirft die beiden zurück. Claire wird von einem Auto umgefahren und verliert ein Bein. Der Familie steht eine harte Zeit bevor und auch die Musik kann nicht immer helfen.

„Song Sung Blue“ erzählt die tatsächliche Geschichte von Mike und Claire Sardina, nimmt saich aber einige dramaturgische Freiheiten. Regisseur Craig Brewer („Empire“, „Hustle & Flow“) wurde auf die ebenso mutmachende wie tragische Geschichte aufmerksam als er die ebenfalls „Song Sung Blue“ benannte Doku über „Lightning & Thunder“ von 2008 anschaute. Da war diese Neil Diamond Experience bereits Geschichte, weil Mike aufgrund einen Herzleidens verstorben war.

Das Drama von Craig Brewer ist – anders wahrscheinlich als die Doku – eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits stellt es den alltäglichen Existenzkampf einer späten Romanze aus dem Arbeitermilieu in den Vordergrund, andererseits die Hoffnungen und Träume, die Menschen durch ein Leben tragen können. Sowohl Mike als auch Claire finden in der Musik etwas, was ihr Leben bereichert und ihnen Mut und Hoffnung und Kraft gibt.

„Soolaimon“

Dabei sind sich die nicht mehr ganz jungen Protagonisten durchaus bewusst, wo ihre Grenzen liegen und was sie selbst für ihr Glück benötigen und investieren wollen. Das ist schon schön anzuschauen und hat einen mitreißenden Drive, der dem Publikum ganz nebenbei die fast vergessenen Leider von Neil Diamond nahebringt. Dessen Hits „Sweet Caroline“ und „Forever in Blue Jeans“ kann wohl jeder, der schon mal auf einer Oldie-Partie war mitjohlen. Aber Neil Diamond hat auch den Soundtrack zum Film „Die Möwe Jonathan“ verfasst, der finanziell erfolgreicher war als der Film selbst.

Das zwiespältige an „Song Sung Blue“ ist die bisweilen schlaffe und herkömmliche Inszenierung. Das geht von floskelhaften Dialogen über teilweise kitschige Inszenierung der Live-Auftritte bis hin zur dramaturgischen Zuspitzung des ohnehin dramatischen Lebens. Im Grunde genommen wird zunächst eine klassische Außenseiter-Wohlfühl-Komödie vorgestellt, die dann in ein existentielles Drama umschlägt. Hugh Jackman und Kate Hudson sind beide musikalisch talentiert und haben eine Vorliebe zur Performance. Das tut dem Film sehr gut und trägt auch über weite Strecken. Und dennoch bleibt das Gefühl, die charakterliche Auseinandersetzung bliebe etwas oberflächlich und der Erzählung vom Entertainment-Traum untergeordnet.

Unterm Strich ist „Song Sung Blue“ ganz unterhaltsam und hat mitreißende Momente mit sympathischen Darsteller:innen. Doch wie auch bei der Musikserie „Empire“ muss sich das Publikum durch ein paar Klischees gucken, um zum Charme der Angelegenheit durchzudringen.

5

Song Sung Blue
OT: Song Sung Blue
Genre: Drama, Biografie
Länge: 133 Minuten, USA, 2025
Regie: Craig Brewer
Schauspiel: Hugh Jackman, Jim Belushi, Kate Hudson
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Universal/ Plaion
Kinostart: 25.12.2025
DVD- & BD-VÖ: 09.04.2026

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