Die aktuelle Weltlage schlägt mir nicht erst seit gestern auf den Magen. Daher präsentiert brutstatt.de in loser Folge Filmreviews aus dem Archiv, die sich unter dem Motto #WeltImKrieg beschäftigen. Den Auftakt macht Katherine Bigelows „Zero Dark Thirty“, der 2013 die Jagd nach dem Terroristen Osama Bin Laden in einen Spielfilm packte. Das Review wurde zum Kinostart verfasst.
Auch dieser Streich der Oscar-Gewinnerin und Regisseurin Katherine Bigelow („A House of Dynamite“, „Detroit“) wurde mehrfach nominiert. In „Zero Dark Thirty“ geht’s um nicht weniger als die Suche nach Osama Bin Laden, den Kopf von Al Quaida und Verantwortlichen für die Anschläge vom 11. September 2001. Die Frage ist, die Frage bleibt, ob das Thema geeignet für einen Spielfilm ist?
Es hilft auch nichts, dass zu Filmbeginn darauf hingewiesen wird, das „Zero Dark Thirty“ auf authentischen Protokollen beruht: Nachdem vor dunkler Leinwand Stimmen vom 11. September 2001 erklungen sind, geht’s gleich in die Vollen. Die C.I.A. Agentin Maya (Jessica Chastain) kommt zu ihrem ersten Außeneinsatz in Pakistan, wo sie bei der Befragung von Verdächtigen dabei ist, um herauszufinden, wo sich Osama Bin Laden aufhält. Die Suche wird sich ein Jahrzehntlang hinziehen und erst am 2. Mai 2011 wird der Terroristenführer in seinem sicheren Haus von einer Eingreiftruppe überwältigt und getötet.
Phasen der Terroristenjagd
Regisseurin Katherine Bigelow inszeniert die Terroristenjagd nach einen Drehbuch von Mark Boal, der schon für „The Hurt Locker“ das Oscar-prämierte Script besorgte. Auch für Zero Dark Thirty, benannt nach dem Militärausdruck für Null Uhr Dreißig, ist das Drehbuch Oscar-nominiert, allerdings nicht von ähnlicher Qualität. In den 157 Filmminuten wird der Zuschauer durch die wichtigsten Etappen der Jagd nach Bin Laden gescheucht, begleitet wird er dabei von der Hauptfigur Maya.
Mayas Hauptaufgabe ist es, einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den Zeiträumen und Szenen herzustellen. Für eine Protagonistin ist Maya, die von Jessica Chastain durchaus sehenswert gespielt wird, erstaunlich abseits stehend und unbeteiligt, beinahe wie ein immer präsenter Kriegsbeobachter, der sich selbst nicht einmischen darf.
Folter
Im Grunde lässt sich „Zero Dark Thirty“ in drei Phasen enteilen: Zunächst wird eine gute halbe Stunde lang auf der Leinwand gefoltert, was die Protokolle und journalistischen Erkenntnisse hergeben, während Maya alles mitansieht. Danach schließen sich quälend lange Jahre der vergeblichen Suche an. Die verbissene, fast manische Maya verfolgt unnachgiebig eine Spur nach der anderen und landet immer wieder im Wüstenstaub, bis endlich ein vermeintlicher Unterschlupf gefunden ist. Dann muss in Washington Überzeugungsarbeit geleistet werden, das Anwesen im Norden Pakistans zu stürmen. Der tatsächliche Einsatz macht dann den dritten Teil des Films aus.
Versteckspiel
Dass „Zero Dark Thirty“ auf eine Bewertung der Ereignisse, gerade der Befragungsmethoden verzichtet, ist absolut legitim. Auch die sehr ausführliche Darstellung der unterschiedlichen Befragungsmethoden sind nicht das eigentlich zweifelhaft an den historisierenden Thriller-Drama, nein es ist gerade die letzte, hochspannende und actiongeladene Phase des Films, die so irritierend ausgefallen ist.
Mausefalle
Bigelow inszeniert die Erstürmung von Bin Ladens Versteck als adrenalinschwangeres Loblied an die toughen Kampfmaschinen, die das Monster schließlich erlegen. Eine Sichtweise und Instant-Heldenverehrung, die viele Amerikaner teilen, die völkerrechtlich allerdings bei weitem nicht so eindeutig ist und mir schlicht ein ganz miese Gefühl vermittelt.
Unabhängig von der Frage, wie faktisch richtig „Zero Dark Thirty“ trotz (oder gerade wegen) des Verweises auf die Protokolle ist, die Art der Inszenierung ist höchst zweifelhaft. Das Thema wäre besser aufgehoben gewesen, wenn man es nicht als Action-Thriller-Drama auf die Leinwand gebracht hatte. Denn gerade dort, wo der Film in seinem Element ist und am stärksten wirkt, in den Actionsequenzen, ist er am wenigsten gelungen. Da ist es beinahe nebensächlich, das „Zero Dark Thirty“ eigentlich überhaupt keine Handlung und keine Hauptfigur hat und deutlich zu lang ausgefallen ist.
Nein, die Jagd nach Osama Bin Laden ist in dieser Weise kein geeignetes Thema für ein Thriller-Drama, weshalb „Zero Dark Thirty“ bei aller technischen Perfektion nicht wirklich gelungen ist.
Zero Dark Thirty
OT: Zero Dark Thirty
Genre: Drama, Action, Krieg
Länge: 157 Minuten, USA, 2012
Regie: Katherine Bigelow
Schauspiel: Jessica Chastain, Jason Clark, Joel Edgertzon
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Universal
Kinostart: 31.01.2013
DVD- & BD-VÖ: 06.06.2013






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