This is Spinal Tap II – The End Continues

Hätte jemals ein Musikfan damit gerechnet, dass die kult-Komödie „This is Spinal Tap“ eine Fortsetzung bekommt? Wohl kaum. Nun geht das Ende, 40 Jahre später, weiter und für das Vemächtnis der Band wäre es wohl am besten, wenn einer auf der Bühne sterben würde. Na, Koma ginge auch, meint der amerikanische PR-Manager. „This is Spinal Tap II: The End continues“ wird hierzulande, wo der Kult weit kleiner ist, als Home-Entertainment-Premiere veröffentlicht.

Der tragische Mord an Regisseur Rob Reiner und seiner Frau Michelle Singer im Dezember 2025 überschattet die Veröffentlichung dieser letzter Regiearbeit ganz erheblich. Aktuell wird einer der Sohne des Paars als Hauptverdächtiger angesehen und die Anklageerhebung in dem Mordfall soll am 23. Februar 2026 erfolgen.

Kurz zu Rob Reiner

Rob Reiner war ein Filmmacher für das Publikum und gerade seine frühen Arbeiten haben es zu großer Beliebtheit gebracht. „This is Spinal Tap, „Stand by Me“, „Die Braut des Prinzen“, Harry und Sally“ und „Eine Frage der Ehre“ könnten unterschiedlicher kaum sein und doch eint diese Filmerfolge ihre Zugänglichkeit.

Die (fiktive) britische Hard Rock Band Spinal Tap ging 1984 auf eine (fiktive) US-Tour, die der Dokumentarfilmer Marti DiBergi (Rob Reiner) mit einem Filmteam begleitetet. Seinerzeit ging sehr zur Freude des Publikums ziemlich viel schief. Dabei hatte die Band seit den 1960ern schon eine wechselhafte Karriere hinter sich und musste immer wieder neue Schlagzeuger einarbeiten, weil die alten unter obskuren Umständen verstarben.

40 Jahre später wühlt sich Trisha Yearwood (Trisha Yearwood),die Tochter des damaligen Spinal Tap Mangers, durch dessen Nachlass und stößt auf den vertrag mit der Band. Darin ist noch ein Konzert offen. Also geht es auf die Suche nach den verbleibenden Bandmitgliedern, damit der Vertrag erfüllt wird.

Gitarrist Nigel Tufnel (Christopher Guest) betreibt inzwischen in einen idyllischen Städchen eine Käse-und Gitarrenhandlung und musiziert nur noch mit den Folkies im örtlichen Pub. Gitarrist David St. Hubbins verdingt sich als Komponist für Werbejingles und Bassist Derek Smalls (Harry Shearer) nutzt seinen verblassenden Ruhm um Cryptowährung an den Mann und die Frau zu bringen.

Ein letzter Gig

Die Gitarristen haben siet damals kein Wort mehr gewechselt. Nun soll ein gemeinsames Konzert in New Orleans gespielt werden? Die Vorzeichen stehen schlecht und es fällt der Band trotz Legendenstatus schwer, einen Schlagzeuger zu finden. Auch die Proben im angemieteten Haus in New Orleans gestalten sich schwierig. Auch, weil immer wieder Touristen durch das berüchtigte Anwesen geführt werden.

Okay, ehrlicherweise ist „The End Continues“ kaum als Film zu bezeichnen. Gerade mal 80 Minuten Spielzeit hat diese spät nachgereichte Zugabe aufzubieten, das wäre für ein Rockkonzert definitiv zu wenig. Auch – aber das macht „The End Continues“ auch wieder kongenial sympathisch – folgt diese Mochumentary der gleichen Logik wie die Bandreunions großer Stars. Da spielt viel Fan-Nostalgie mit. Es wird eher alibi-mäßig an neuer Musik herumgetüftelt und von vergangenem Ruhm und eigenen Evergreens gezehrt.

„The End Continues“ tut nichts anderes. Wer „This is Spinal Tap“ seinerseits gesehen und geliebt hat, wird auch milde auf „The End Continues“ gucken. So wie der Rezensent. Der die Mutter aller Mockumentaries immer noch für einen der besten Musikfilme aller Zeiten hält. Aber die Diskussion ist für andere Tage und Texte bestimmt.

Im Grunde läuft es wie bei vielen Fortsetzungen, es gibt mehr von dem, was beim ersten Mal gut funktioniert hat. Das ist weniger lustig und weniger kultig, aber immer noch albern und zeigt der Rock-Star Attitüde den Mittelfinger. Und dann kommt eine Schlagzeugerin zur Band und die alten Herren wissen kaum wie ihnen geschieht. Auch fehlt es an Einsicht um Produktions-Ratschäge von Sir Paul McCartney persönlich anzunehmen.

Stormy Daniels hatte abgesagt

Hierzulande hatte „This is Spinal Tap“ auch damals keinen Kinostart. Der Film wurde eineinhalb Jahre später auf Video veröffentlicht. Anfang der 1990er Jahre vergrub irgendein privater TV-Sender die Mockumentary im Spätprogramm. Die englische Originalversion (OmU) des ansonsten mit Voice Over versehenen vermeintlichen Doku-Films kam erst 2003 auf den Markt. Und dennoch kennt fast jeder ältere Rock-Fan die zu geflügelten Worten gewordenen Jokes aus der göttlichen Komödie.

Ein bisschen fühlt es sich bei „The End Continues“ aber auch an wie beim abschließenden Teil der „Bill & Ted“-Reihe, der hierzulande 2020 für das Home-Entertainment veröffentlicht wurde: „Bill & Ted Face The Music“. Die Wylde Stallions mussten seinerzeit im Abschluss der Trilogie die Realität wie wir sie kennen retten. Auch das mit hohen Nostalgie-Faktor, einem etwas aus der Zeit gefallenen Humor und einem wohlwollenden Publikum, das einfach lange auf diesen Film gewartet hatte; oder auch nicht.

The End Continues“, das Ende geht weiter! Wie sonst könnte man dem Andenken einer der kultigsten Rockbands auf dem Planeten sonst gerecht werden. Und wie sollte es anders sein, es gibt Probleme mit dem Bühnenbild, die wirklich witzig sind. Aber für eine lose Aneinanderreihung von Käseverstecken, Promi-Cameos und alten Hits müsste sich eigentlich kein Publikum aufraffen. Es sei denn, die Band wäre Spinal Tap. Die nach 40 Jahren noch mal zu sehen, wäre schon ein Nostalgischer Traum alter Fans. „Tonight I’m gonna Rock you Tonight“.

This is Spinal Tap II: The End Continues
OT: This is Spinal Tap II: The End Continues
Genre: Komödie, Musikfilm
Länge: 83 Minuten, USA, 2025
Regie: Rob Reiner
Schauspiel: Christopher Guest, Harry Shearer, Michael McKean
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Sony
Vertrieb: Plaion Pictures
Kinostart: nicht in Deutschland
DVD- & BD-VÖ: 29.01.2026

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