Teddy und Don sind davon überzeugt, dass Außerirdische die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Sie finden in der Firmenchefin Michelle ein Alien, dass ihnen deren Pläne verraten soll. Der griechische Filmmacher Yorgos Lanthimos legt mit „Bugonia“ eine schräge Sci-Fi-Komödie vor, die unsere wirren Zeiten krass auf die Schippe nimmt. Mit dabei Jesse Plemmons und Emma Stone. Im Home-Entertainment ab dem 29. Januar 2026.
Mensch glaubt es kaum, aber in der Antike und noch bis ins Mittelalter hinein war die Ansicht weit verbreitet, dass Bienen und andere Insekten aus den Kadavern anderer Lebewesen erwachsen. Bugonie nennt sich dieser Glaube. Nu je, die Menschheit nahm auch lange an, die Erde wäre eine Scheibe. Und wer nicht aus seinem Dorf herauskommt, kann immer noch nur bis zum Horizont blicken. Flach, ne?
Teddy (Jesse Plemmons) züchtet Bienen und ist der festen Ansicht, dass Außerirdische von Andromeda die Erde erobern wollen. Sie kommen nicht nur, sie sind schon hier! Es gilt sie zu erkennen. Kumpel Don (Aidan Delbis) macht fleißig und wissbegierig mit und zusammen haben die beiden vor, die Firmenchefin Michelle (Emma Stone) zu entführen und zu befragen. Sie soll den Kontakt zum Mutterschiff der Andromedaner herstellen, damit Teddy mit den Außerirdischen verhandeln kann, um die Welt zu retten.
Die allein lebende Turbokapitalistin Michelle übt in der Firma gerade mehr Diversität und besseres Betriebsklima, ist aber eigentlich eher profitorientiert. Die beiden Verschwörungstheoretiker ergreifen sie, als sie nach Hause kommt. Zunächst muss der Kopf geschoren werden, denn die können getrackt werden. Und dann beginnen die Befragungen.
„Let’s kick the impossible’s ass“
„Bugonia“ beginnt mit einem Prolog über Bienen, Bestäubung und die Organisation der Bienenvölker im Bienenstock bis zu jenem Zeitpunkt, an dem das Volk abstirbt. Dann erst entfaltet der im unüblichen Format 1,5: 1 gehaltene Film seine Geschichte. Und die hat es wirklich in sich.
Die Vorbereitungen der beiden gesellschaftlich eher abgehängten Kerle werden gegen die kraftstrotzende Morgenroutine der Firmenchefin parallel montiert. Und nachdem beide Parteien solide vorgestellt wurden, kommt es zur irrwitzigen Entführung. In Schutzanzügen und mit Papiergesichtern kriegen Don und Teddy den Hintern versohlt, bis die Spritze mit dem Betäubungsmittel wirkt.
Michelle findet sich in der Position der Gefangenen wieder, hört sich die hahnebüchenen Theorien von Teddy an und versucht selbstbewusst das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Dazu geht sie auch auf die abstruse Alien-Theorie ein. Doch es nützt nichts – Teddy weiß, was er hören will. Bis die Elektroschocks als Druckmittel Teddy offenbaren, dass er nicht nur eine Außerirdische der mittleren Führungsebene gefangen hat, sondern ein Mitglied der königlichen Familie von Andromeda.
„Bugonia“ ist das Remake des koreanischen Mystery-Sci-Fi-Thrillers „Save the Green Planet“ der 2003 von Regisseur Jang Joon-Wang gedreht wurde. In Genrekreisen hat die irrwitzige Verschwörungsfarce einen gewissen Bekanntheitsgrad. Drehbuchautor Will Tracy („The Menu) hat die Story ein wenig aktualisiert und Elemente wie Social Media, den Frauenhass der Incels (involuntary celibate, englisch für ‚unfreiwillig sexuell enthaltsam‘) und die Virenbedrohung der Covid-19-Pandemie in die absurde Komödie integriert.
„Willkommen im Hauptquartier des menschlichen Widerstands“
Das alles ist – wie so häufig bei Yorgos Lanthimos („The Favourite“, „The Lobster, „Poor Things“) – mit großer Stilsicherheit in Szene gesetzt. Allein der scheinbar naive Prolog über die Bienen kommt wie eine Naturdoku daher. Dann werden die ärmliche Behausung von Teddy und die moderne Villa von Michelle ebenso gegeneinander gestellt, wie die Charaktere selbst.
Emma Stone („The Help“) wirkt mit ihrem geschorenen Kopf und dem Trenchcoat eigenartig eckig und monströs. Das erinnert schon ein bisschen an das Kreatürliche in „Poor Things“. Jesse Plemmons („The Programm“, „Antlers“) nun wieder könnte mit seiner Langhaar-Frisur und der abgewetzten Outdoor-Funktionskleidung auch beim Sturm auf das Kapitol in Washington dabeigewesen sein. Das ist schon arg bissig und gesellschaftskritisch, vornehmlich auf die us-amerikanische Gesellschaft gemünzt, aber „Bugonia“ macht dort keineswegs Halt.
Nach Ari Asters„Eddington“ (Ebenfalls mit Emma Stone) ist „Bugonia“ in jüngerer Zeit bereits der zweite große amerikanische Film, der sich mit eigenwilliger Weltsicht und alternativen Fakten beschäftigt. Ein Schelm, wer da an die Regierungsorange denkt. Dafür wurden immerhin vier Oscar-Nominierungen vergeben.
Tatsächlich erscheint mir „Bugonia“ als einer der zugänglichsten Lanthimos-Filme. Möglicherweise auch und gerade, weil die Geschichte bereits andernorts und zu anderer Zeit das Licht der Welt erblickt hatte. Vielleicht aber nutzt sich der „bizarre, fordernde Lanthimos-Effekt“ inzwischen auch einfach ab. Mit Emma Stone scheint der griechische Regisseure eine Langzeitmuse gefunden zu haben, immerhin ist „Bugonia“ seit „The Favourite“ bereits der vierte gemeinsame Film.
„Bugonia“ ist das aktualisierte, amerikanische Remake eines koreanischen Films.Das ist ebenso aberwitzig wie bizarr und somit typisch für Lanthimos. Aber eben auch nahe am Original und somit weniger originell. Verschwörungstheoretiker gibt es aktuell genügend und die Alien-Thematik lässt sich trefflich auf andere Gesellschaftsgruppen übertragen. Vielleicht hat die Menschheit es doch verdient, auszusterben.
Bugonia
OT: Bugonia
Genre: Mystery, Science-Fiction, Kommödie
Länge: 118 Minuten, USA, 2025
Regie: Yorgos Lanthimos
Schauspiel: Emma Stone, Aidan Delbis, Jesse Plemmons,
FSK: Ab 16 Jahren
Verleih: Universal Pictures International
Vertrieb: Plaion Pictures
Kinostart: 30.10.2025
DVD- & BD-VÖ: 29.01.2026




