Die Neue im Mädchenchor der katholischen Schule darf auch gleich mit auf Chor-Wochenende. Dort wird intensiv an der Sangeskunst gearbeitet, aber es auch Zeit um mit gleichaltrigen Pubertierenden die Bauarbeiter zu beobachten. „Little Trouble Girls“ ist die slowenische Einreichung zu den diesjährigen Academy Awards. Der Debütfilm der Filmmacherin Urška Djukic konnte bereits auf der letzten Berlinale Eindruck machen. Nun kommt „Little Trouble Girls“ am 29. Januar 2026 in die Kinos.
Die sechzehnjährige Lucija (Jara Sofija Ostan) ist noch neu im Mädchenchor ihrer katholischen Schule. Ein bisschen schüchtern hat sie Mühe befreit mitzusingen. Doch die selbstbewusste Ana-Marija (Mina Švajger) ist nett und aufmunternd. Demnächst geht es auf ein Chorwochenende – aus der slowenischen Kleinstadt heraus in ein Kloster nach Norditalien. Doch vorher bekommt Lucija Ärger von ihrer Mutter, weil sie in der Chorprobe Lippenstift getragen hat. Dafür wäre sie noch zu jung.
Auf der sommerlichen Chorfreizeit geht es etwas lockerer zu, obwohl ernsthaft am Gesang gearbeitet wird. Der Chorleiter (Saša Tabaković) ist ehrgeizig, auch wenn die heranwachsenden Mädchen sich über seine kurzen Hosen lustig machen. Doch zwischen den Proben ist Zeit die Gegend zu erkunden und die Bauarbeiter, die das Kloster renovieren, heimlich bei ihren Badepausen zu beobachten. Die unschuldige Lucija ist außerdem irritiert von Ana-Marijas Aufmerksamkeit ihr gegenüber und von den sich regenden Gefühlen.
Das Langfimdebüt der slowenischen Filmmacherin Urška Djukic erzählt mit ruhigem Ton und ruhigen Bildern vom Erwachsenwerden eines Mädchens, dass religiös aufgewachsen ist und nun erstmals ihre einigen Sexualität kennenlernt. Das ist notwendigerweise etwas verstörend, aber der Film nähert sich der Protagonistin und dem Thema sensibel und vorsichtig. Kaum einmal wird konfrontativ auf dem scheinbaren Gegensatz von Religion und Sexualität eingegangen, statt dessen herrscht ein sanftes Erkunden.
„Öffne Dich! Sing!“
Dabei sind die Bildwelten durchaus suggestiv. Während zu Filmbeginn diverse Marienstatuen gezeigt werden kommen in Filmverlauf und quasi mit aufkeimender Lust Aufnahmen von Körperdetails zum Zug. Sei es der gerade entblößte Bauchnabel, seien es bemalte Lippen. Die Mädchen verhalten sich altersgerecht und spielen „Wahrheit oder Pflicht“, was (nicht nur) für Lucija durchaus ihre Dramatik hat. Die Protagonistin scheint ihren Altersgenossinnen gegenüber doch noch recht naiv und unschuldig zu sein. Quasi als Höhepunkt des Films sieht das Publikum dann die bekleidete bebende Schulter von Lucija.
Und dann kommt es doch noch zu Konflikten, die in dem Alter und beim Singen im Chor wohl vorkommen mögen. Doch so wirklich aufgelöst wird in „Little Trouble Girls“ recht wenig. Vieles wird angedeutet und Einiges der Perzeption des Publikums überlassen und am Ende, wenn die junge Lucija eine Höhle erkundet, hat der Rezensent doch das Gefühl, ihm mag hier etwas entgangen sein.
Möglicherweise geben die Trauben Aufschluss: Ana-Maria erklärt der jüngeren Lucija als Strafe für Sünden müsse sie unreife Trauben essen. Das sei doch bekannt. Auf dem Markt kauft sich Lucija dann am Ende reife Trauben und verzehrt diese mit Genuss. Das hat sicher seine Qualitäten, aber die erzählerische Strahlkraft fehlt dann doch. Etwa so wie es das georgische Drama „Die langen hellen Tage“ (2013) oder das polnische Drama „Ida“ (2013) auf die Leinwand brachten.
„Little Trouble Girls“ erzählt von Erwachsenwerden junger Mädchen im katholischen Slowenien. Das ist beizeiten betörend und immer sensibel, bisweilen aber auch arg im bedeutungsschwangeren Bildklischee gefangen.
Little Trouble Girls
OT: Kaj ti je deklice
Genre: Drama
Länge: 89 Minuten, SLO /I, 2025
Regie: Urška Djukić,
Schauspiel: Jara Sofija Ostan, Saša Tabaković, Mina Švajger,
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Grand Film
Kinostart: 29.01.2026




