Ai Weiwei – The Fake Case

Weiter geht es in der kleinen Artikelreihe #ArtInAugust mit einem der populärsten internationalen Künstler der letzten Jahre: Ai Weiwei. Es gibt zahlreiche Dokus über den chinesischen Künstler, der immer wieder mit der Staatsmacht in Konflikt gerät. In „Ai Weiwei – The Fake Case“ geht es darum, publik zu machen, warum der Künstler seinen Pass abgeben musste und unter Hausarrest gestellt wurde.

Jüngst (2014) konnte Ai Weiwei zur Austellungseröffnung im Berliner Groupius-Bau nicht persönlich anwesend sein. Er steht zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest und die Regierung hat nach wie vor seinen Pass konfisziert. In seiner Heimat China ist der Künstler Ai Weiwei längst nicht so bekannt wie im Westen. Bei uns hat auch und gerade sein politisches Engagement gegen das chinesische Regime zu seiner Popularität beigetragen.

Der dänische Filmmacher Andreas Johnsen hat Ai Weiwei ein Jahr lang begleitet, nachdem dieser aus 2011 aus einer 81-tägigen Haft entlassen wurde. Direkt anschließend wurde der Künstler wieder unter Hausarrest gestellt. Anschaulich mitzuerleben in der Doku „Ai Weiwei – The Fake Case“miterleben.

Ai Weiwei verschwindet spurlos

Aber der Reihe nach: Am 3. April 2011 wird Ai Weiwei überraschend und ansatzlos on den chinesischen Behörden festgenommen und ist 81 tage lang vom Erdboden verschwunden. Anschließend taucht der Künstler ebenso unerwartet wieder auf. Kommentare gibt Weiwei nicht ab. Der Fall sorgt weltweit für Schlagzeilen. Internationale Filmteams und Reporter nehmen sich des Themas an.

Zusätzlich sieht sich Ai Weiwei in den Monaten nach seiner Verhaftung mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung konfrontiert. Er selbst redet von einem fingierten Gerichtsverfahren, das ihn von der künstlerischen, oft politisch motivierten, Arbeitabhalten soll. Insofern ist der Filmtitel „The Fake Case“ bewusst doppeldeutig, denn auch Ai Weiweis beschuldigte Firma heißt FAKE.

Die Doku von Andreas Johnsen ist nah am Künstler und vermittelt dessen beklemmende Lebenssituation eindrücklich. Ebenso dessen ständigen Versuch, sich trotz der behördlichen Beschränkungen einzumischen. Irgendwie gelingt das auch häufig ziemlich nachdrücklich. Der Filmmacher beschränkt sich ausdrücklich auf die Perspektive Weiweis und filmt (fast) nur, wenn dieser sich regt.

So entsteht ein sehr intimes Portrait, in dem auch Werke anderer chinesischer Künstler auftauchen, die sich mit Weiwei beschäftigen, wie etwa ein lebensgroßer Nachbau von Situationen während seiner Haft, oder etwas das Fotoprojekt, in dem sich 100 Nackte nur mit Ai Weiwei-Fotos bedeckt aus Protest haben ablichten lassen. In China, wo Nacktheit verpönt ist, wein großes Wagnis.

Auch auf den Umgang des Künstlers mit den vornehmlich westlichen Medien gelingt „The Fake Case“ ein unverstellter Blick. Ausländische Filmteams wollen Interviews oder Statements, die dem Künstler allerdings strengstens untersagt sind. Die Zwickmühle ließe sich pantomimisch beheben, schlägt Ai Weiwei vor, indem man ihn beim Duschen, quasi bei ritueller Reinigung filmen würde. Für den englischen Reporter ist dass dann doch etwas zu viel. Und so hat „The Fake Case“ das Privileg diese „Kunstaktion“ am Ende für die Nachwelt festzuhalten.

Der dokumentarische Ansatz

Es ist sicherlich nicht einfach einen neuen, originellen filmsischen Ansatz über Ai Weiwei zu finden. Der Künstler arbeitet selbst mit dem Medium Filmen und es gibt etliche Portraits. Unter anderem auch „Never Sorry“ von der amerikanischen Filmmacherin Alyson Klayman, der vor zwei Jahren in die Kinos kam. Johnsons Doku kann dem sicher noch einige Facetten hinzufügen, allerdings gibt es auch gravierende Überschneidungen mit Klaymans Film, der die Zeit direkt nach der „Entführung“ auch damals schon thematisiert hat.

Letzlich bleibt fraglich, ob sich das große öffentliche Interesse an dem chinesischen Künstler, der mit seinem Beitrag zum Entwurf des „Bird’s Nest“ genannten Olympiastadions in Peking (Architekten Herzog & DeMeuron) zu Weltruhm gelangte, auch in Zuschauern an der Kinokasse niederschlagen wird. Mit der Berliner Ausstellung ist immerhin das Interesse wieder entfacht.

„Ai Weiwei – The Fake Case“ ist eine gelungene und interessante Doku über einen populären Künstler, der es versteht sich in unserer moderne Medienwelt souverän zu bewegen. Der filmische Ansatz ist intimer als der jener 2012 erschienenen Doku „Ai Weiwei – Never Sorry“. Die zeichnet allerdings ein umfassenderes Bild und ist im direkten Vergleich, der sich auch durch die zeitliche Nähe aufdrängt, sehenswerter.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ai Weiwei – The Fake Case
OT: Ai weiwei – The Fake Case
Genre: Doku, Kunst, Aktivismus
Länge: 86 Minuten, DK, 2013
Regie: Andreas Johansen
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Mindjazz, Alive
Kinostart: 08.05.2014
DVD-VÖ: 30.01.2015

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