Schöne Töne am 1. April 2022

Nein: Keine Scherze, aber Scherzos. Hier wird keiner verjuxt und bei der Zusammenstellung der neuen und neuentdeckten Töne habe ich dann doch wieder alles über den Haufen geworfen. Verdammter Kraftklub kann ich da nur sagen, aber dazu später mehr. Die Empfehlungen des Tages: The Establishment, Laurie Anderson, Iguana, Punk the Capital, Jon Madof, Meditation für die künstlich Intelligenten und ein Ukraine Soli mit Stoned Jesus und Elephant Opinions.

Zur Einstimmung schon mal die Ansage, dass es dieses Mal nicht nur Musik gibt, sondern mit „Punk the Capitol“ auch eine Filmempfehlung, die im April auf Kinotour kommt, und am Ende sorgt Jon Meadof mit seinem Video auch nicht für neue Töne, dafür aber eventuell für eine brauchbare Selbstermächtigung aller Musiker im neuen Musikmarkt. Kommt alles, kommt alles. Scherzo by the way bezeichnet in der Klassik ein „bewegtes, meist launiges Musikstück“.

Laurie Anderson – Big Science

Was gibt es Schöneres als mit Wolfsgeheul anzufangen? Das hat sich wohl anno 1982 auch die Künstlerin und experimentierfreudige Musikerin Laurie Anderson ( bei Facebook) gesagt, als sie den Titelsong ihres Albums „Big Science“ aufheulen ließ. Es geht anschließend ans Geheul doch in Klangskulpturen und Rhythmusmuster, aber diese Scheibe, die mir Freund Jörg neulich überließ, trifft mich mit ihrem Vibe ganz unvermittelt. Eine der wenigen Achtziger-Scheiben, bei der mir der Sound nicht auf den Senkel geht. Gibt’s inzwischen auch remastered. Bitteschön.

Rick Parker and Li Daiguo

Derber Bruch oder doch lieben in dieselbe Kerbe hauen? Chant Records aus New York sind ein Label, das mir auf Twitter begegnet ist. Chant Records haben sich „abenteuerlicher Musik quer durchs Spektrum“ verschrieben. Auf der Labelseite und bei Bandcamp gibt’s auch einen frei verfügbaren Label-Sampler. Neulich erfreute ich mich – nicht nur wegen des schönen Titels – an Rick Parker und Li Daiguo (Parkerli.net), die ein schönes experimentelles Ambient Album namens „Meditation Music for the Artificial Intelligent“ veröffentlicht haben. Hier ist Song Nummer 2 „A.I. is our progeny ze is going to know what kind of parents we are should we just“ aber Vorsicht, es bleibt nicht so groovy wie es beginnt.

Punk the Capitol

In Ausgabe 211 des Trust Fanzines las ich von einer mir bislang unbekannten Musikdoku. „Punk the Capitol“ (offizielle Filmseite)beschäftigt sich mit den Anfängen der Washingtoner Punk und Hardcore Szene, die massiven Einfluss auf die Entwicklung des Genres hatte. Der Film ist bereits seit 2020 fertig und wurde hierzulande auch bereits 2021 fürs Home-Entertainment auf den Markt gebracht. Aber nun soll noch eine Kinotour folgen, die Pandemie-bedingt immer wieder verschoben wurde. In Hamburg im 3001 Kino ist der Film am 1. Mai 2022 zu sehen. Hier ist der Trailer.

Apropos Konzerte: Ich persönlich halte mich im Moment noch derbe zurück, einerseits weil ich „vulerable“ Familienmitglieder habe, aber andererseits auch, weil mit das Infektionsgeschehen dann doch noch zu umtriebig ist. Dennoch: Es geht wieder was in der Republik! Mal sehen, was an Club, Locations und Infrastruktur noch übriggeblieben ist. Habe ich schon auf die Noisolution Geburtstagsparty am 8. Und 9. April 2022 in Berlin hingewiesen? Das Billing ist großartig.

The Etablishment – Factory

Nun wird es namentlich verwirrend: das Niederländische Outfit „The Establishment“ macht Hardcore und Punk mit „Post-punk-Note “ und tut das ganz hinreißend eigenständig. Nicht zu verwechseln ist die Band übrigens mit The Establishment (UK), die inzwischen scheinbar das Handtuch geworfen haben. Die Niederländer, die übrigens alle noch in anderen Bands spielen, haben mit „II“ vor einigen Monaten neues Ohrenfutter veröffentlicht und „Factory“ ist die Video-/Single-Auskopplung.

Iguana – Rites of Passages

Etwas betagter ist auch das aktuelle Album der psychedelischen Hard Rocker Iguana. „Translation Symmetry“ datiert aus 2019 wurde aber Pandemie-bedingt nicht auf die Bühnen gebracht. Das soll nun endlich folgen. Tourdaten auf der Bandseite. Die Band aus Chemnitz gefällt mit eingängigen Melodien und verzerrten, spacigen Sounds. Hier die brandneue neue Video-Single „Rites of Passages“.

Kraftklub – Ein Song reicht

Apropos brandneu, apropos Chemnitz, die Kollegen von testspiel.de haben darauf hingewiesen, dass die Band Kraftklub demnächst ein neues Album veröffentlicht und auf Tour geht. Vorab gibt es die Single „Ein Song reicht“, die direkt im Ohr bleibt. Seit „Ich will nicht nach Berlin“ freu ich mich über Kraftklub-Texte. Dieser bringt die Sehnsucht auf den Punkt, die viele von uns mit Musik verbinden. Und jetzt alle: „Verdammter Mike Skinner. Kate Nash, Lykke li. Tame Impala und die Killers. Florence and the Maschine!“

Grüße aus der Ukraine mit Stoned Jesus und Elephant Opinions.

Dieser verdammte russische Angriffskrieg auf die Ukraine stürzt die Menschen vor Ort in tiefste Not! Und kein Ende in Sicht! Es bleibt nicht aus, dass weltweit Solidarität und Unterstützung laut werden, aber die Hilfe bleibt schwach und oftmals symbolisch. Die Stoner Rocker von Stoned Jesus (Bandcamp-Seite) mussten gerade eine Tour mit Samavayo absagen. Das aktuelle Album „From the Outer Space“ datiert auch bereits von 2019 und so richtig viel Promo wurde dafür nicht gemacht. Immerhin ist auf Bandcamp der Opener „The Sweet Whore of Babylon“ zu hören. Bittesehr.

Elephant Opinions (BAndcamp-Seite) gehen da soundmäßig anders zur Sache. Die Ukrainer machen Screamo-core. Und auf den ziemlich aktuellen Album „Another Side of Youth“ geht flott von den Stimmbändern weg und direkt auf die 12. Der Opener „Mirrors around you“ gibt einen trefflichen Höreindruck von Elephant Opinions. Beide Bands, Elephant Opinions und Stoned Jesus sind übrigens schon etliche Jahre im Geschäft und machen ihr Ding.

Jon Madof: Music Business for Weirdos

Zum Abschluss dieser wie immer zu lang ausgefallenen Kolumne ein (ungeprüfter) Hinweis für alle Musiker und Soundkünstler, Eigenvertriebler und Indiependent Artist da draußen im weltweiten Netz. Musiker Jon Madof der unter anderem auch bei Zion80 aktiv ist, hat ein neues Projekt am Start, dass sich eher mit der unkreativen Seite des Musikbusiness beschäftigt: „Music Business for Weirdos“. Es kann nicht schaden, da mal vorbeizuschauen, sollte jemand Ambitionen haben. Immerhin gibt es ein digitales Heft mit Tipps „10 Mistakes Weirdo Musicians Make and How To Avoid Them“, wenn man sich in die Mailing Liste einträgt.

Das wars in Sachen Beschallungstipps. Bis zum nächsten Mal. Bleibt sauber, bleibt gesund. Wir hören und lesen uns.

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