Kanaan – Earthbound: Album Review

Frostig geht es auf „Earthbound“ keineswegs zu, dem vierten Studioalbum des norwegischen Trios Kanaan. Das wahrscheinlich namensgebende gelobte Land des instrumentalen Dreiers scheint die Wüste des Permafrosts zu sein. Aber dazu später mehr. Auf Jansen Records erscheint „Earthbound“ dieser Tage und liefert noisige Ausflüge in psychedelischen Stoner Rock. Dreckiger sind sie wohl geworden die drei aus Oslo.

Nach einem stimmungsvollen Intro geht es mit dem mäandernden Riffmoster „Return to The Tundrasphere“ direkt in die Vollen: schwer, wuchtig und mit eingängiger hookartiger Melodie-Phase nimmt der Neunminüter direkten Bezug auf einen früherenSong von Kanaan. Auf den 2020 erschienenen „Odense Sessions“ gab es „Urgent Excursions to the Tundrasphere“ zu hören.

Seinerzeit zwar wie seit jeher ein Trio, aber mit Gastmusikern und vor allem einem deutlich verspielteren Jazz-Vibe, waren die dringenden Ausflüge eher neugierige Erkundungen der Tundra. Hingegen walzt die Rückkehr eher alles nieder, was da in den kurzen Permafrostsommer zart sprießt. Gerade so, als würden Kanaan die Erderwärmung und dem Abtauen mit zusätzlichem Druck beikommen wollen. Kanaan entfachen sprichwörtlich jenen „Thunder on the Tundra“ der 1980er Show-Metal Band „Thor“, mit der Kanaan ansonsten nix am Hut haben. Musikalisch geht das Kalkül locker auf.

Überhaupt scheint es bei Kanaan auf „Earthbound“ direkter, rockiger und noisiger zuzugehen als in der Vergangenheit. Fast so als müsse die Band sich erden, im Matsch wühlen, Staub aufwühlen. Die anschließenden mittellangen „Pink Riff“ und „Bourdon“ rocken ziemlich straight und gehen gut in den Gehörgang. Da kommt auch eine Nähe zu den ebenfalls instrumentalen Ausflügen von „Karma To Burn“ auf. Starke Scheibe soweit.

„Mirage“ ist dann so etwas wie ein kleines Zwischenspiel und eventuell die Einleitung zum zweiten Teil des Opus. „Mudbound“ walzt sich anschließend lindwurmartig hinab ins Tal und kommt mit fuzziger Monotonie auf den Punkt so wie Neurosis ihre Katharsis entfachen. Klasse Nummer, bei der auch die Melvins durchscheinen.

Den Ausklang der Scheibe mit den kürzeren Nummern „Crash“ und „No Stars unturned“ bildet dann eine Wand aus Noise wie sie Acid Mother Temple nicht konsequenter umsetzen könnten. Leider aber habe ich bei beiden Stücken das Gefühl die musikalischen Phrasen auf denen das Trio da herumreitet mögen proberaumtauglich und jamfähig sein, aber als Songs auf „Earthbound“ sinken beide Tracks ganz schön ab und sorgen so leider für einen eher nervigen Ausklang des Albums.

Allein, es liegt nicht an der Song-Reihenfolge sondern an der stumpfen Wiederholung von Lärm, die sich schon fast wieder in „Free Jazz“-artige Assoziationen und Noisescapes wiederfindet. „Crash“ und „No Stars Unturned“ überzeugen mich nicht. Aber der Rest des Albums ist wirklich bockstark und die Band entwickelt sich.

Auf „Earthbound“ schlagt das Osloer Stoner Trio Kanaan schwer psychedelischere Töne an. Es geht deutlich noisiger, weniger jazzig zu als bislang. Die Band experimentiert mit Rifflandschaften und Soundwänden, lockert das instrumentale Album mit musikalischen Zwischenspielen auf und verliert sich auch schon mal im lärmigen Nebel, aber daneben gelingen auch epische wuchtige und eingängige Riffmonster, die außergewöhnlich tight und auf den Punkt gebracht klingen. Es tut sich was in den eisigen Weiten der subpolaren Kältewüste.

Album-Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

Kanaan – Earthbound
Genre: Musik, Stoner Rock, Psychedelic Rock
Länge:
Interpret: Kanaan
Label: Jansen Records
Vertrieb: Soulfood
VÖ: 12.11.2021

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