The Company – Das Ensemble: Leben für den Tanz

In einer seiner letzten Regiearbeiten inszenierte Hollywood-Altmeister Robert Altman den Alltag einer Ballettkompanie mit all den Höhepunkten, Widrigkeiten und privaten Einblicken in einige Charakterleben. 2004 kam das Drama hierzulande ins Kino im September hat Studio Hamburg Enterprises den Film mit Neve Campbell und James Franco für das Home-Entertainment wiederveröffentlicht.

Das Joffrey Ballet of Chicago steht kurz vor einer großen Premiere als die Ballerina sich bei einem Sturz ein Bein bricht. Der künstlerische Direktor Alberto Antonelli (Malcolm McDowell) hebt die junge Ry (Neve Campell), die Zweitbesetzung, ins Rampenlicht und sorgt für eine gefeierte Premiere. Ry beginnt eine Beziehung mit dem vielbeschäftigten Chefkoch Josh (James Franco) dessen Restaurant gerade sehr angesagt ist. Doch Privatleben und Job sind nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen.

Antonelli engagiert für ein neues Stuck einen kanadischen Choreographen, der einen fantastischen Tanzansatz vertritt, irgendwo in der Schnittmenge auch psychologischem Ausdruckstanz und Kindermärchen. Das Ensemble, die Techniker und Bühnenbildner steht vor einer enormen Herausforderung. Dabei hoffen junge Talente endlich ihre Chance zu bekommen, etablierte Tänzerinnen verteidigen ihren Rang im Ensemble und fürsorgliche Eltern werfen sich für ihren Nachwuchs ins Zeug. Direktor Antonelli muss dabei auch noch den Finanzrahmen im Auge behalten, künstlerisches Ansehen ist keineswegs gleichbedeutend mit kommerziellem Erfolg.

Robert Altman, der 2006 verstarb, gehörte zu Beginn der 1970er zu den ganz großen Neuerern des amerikanischen Kinos. Seine New Hollywood Kriegssatire „M.A.S.H.“ gehört wohl zu den einflussreichsten Filmen der Zeit und des Zeitgeistes. Wer mehr über den großen Filmmacher wissen will, der in den 1990ern sein großes Comeback mit „The Player“ und „Short Cuts“ feierte, sei auf den 2014 erschienenen Dokumentarfilm „Altman“ von Ron Man verwiesen.

Stilistisch war Robert Altman einer der ersten Filmmacher, die es wagten Dialoge mit den realistischen Sprachfetzen von Umgebungsgesprächen zu unterlegen. Das sorgte anfangs ebenso für Verwirrung wie für einen höheren Grad an Realitätsabbildung in den Filmen. Die Methode hat Altman beibehalten und auch sie zeichnet auch „The Company“ aus. Vieles geschieht hier gleichzeitig, parallel oder sich überschneidend, so dass der Eindruck einer hohen Betriebsamkeit entsteht.

Für das Gesamtbild im Leben der Ballettkompanie mag das zutreffen, im Leben der einzelnen Figuren fehlt es bisweilen an ruhigen Momenten, die auch das Publikum bräuchte, um die Bildflut zu verarbeiten. Es gibt sehr viele Charakterstudien zu betrachten. Das Drehbuch an dem auch Hauptdarstellerin Neve Campbell mitschrieb setzt auf episodischen Charakter und die Magie des Tanzes.

Das Konzept geht nicht immer auf, denn die thematische Klammer schlicht den Jahresverlauf und aufführungsverlauf zu folgen zeigt auch einigen Leerlauf in den annähernd zwei Stunden. Dann aber wieder Filmt „The Company“ die Tänzer:innen des Chicagoer Balletts, das für den Film gecastet wurde, und zeigt in unterschiedlichsten Perspektiven und Betrachtungen die hinreißenden Choreographien und Tanzfiguren, greift die Körperlichkeit des Tanzes geradezu haptisch auf. Entfesselt die Luftigkeit der Musik und der Anmut immer wieder in neuen Sichtweisen. Da geraden die Untiefen des Drehbuchs schnell in den Hintergrund.

„The Company“ lebt von starken Ballettaufnahmen auf Bühne und im Studio. Dennoch gelingt es Robert Altman seine ganz eigene typische Alltags- und Figurenzeichnung in das Ballettjahr der Chicagoer Company einzubringen. Das hat auch einige Längen und orientierungslos anmutende Sequenzen sorgt aber weit öfter für Faszination.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

The Company – Das Ensemble
OT: the Company
Genre: Tanz, Ballett, Drama,
Länge: 112 Minuten, USA, 2003
Regie: Robert Altman
Darsteller:innen: Neve Campbell, James Franco, Malcolm McDowell
FSK: ohne Altersbeschränkung
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises
Kinostart: 20.05.2004
DVD-VÖ: 02.09.2021

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