Demon Days: Marvel Goes Japan

Immer wieder kommen bei Marvel Comics alternative Welten und „was wäre, wenn“-Geschichten zum Zug, in denen die beliebten Helden erfrischend anders vorgestellt werden. Und trotzdem ist „Demon Days“ anders als alles bisherige. Die Ausnahmekünstlerin Peach Momoko verbindet die japanischen Sagenwelt mit den Superwesen von Marvel. Daraus entsteht eine ganz eigene Optik und eine Geschichte über Identität, die nicht nur für die angepeilte junge Leserschaft von „Panini Ink“ spannend ist. Ab Oktober 2022 bei Panini Comics.

Normalerweise beginnen die Rezensionen bei brutstatt.de mit dem Inhalt der Geschichte, bevor es an die detailliertere Vorstellung geht. Für „Demon Days“ zunächst eine Entwarnung: Die Leserschaft muss sich nicht in japanischer Mythologie und Historie auskennen, um die Geschichte zu verstehen.

Jene Fabelwesen, die vorkommen, werden zu Beginn erklärt und in die Handlung eingeführt, ohne dass darunter die Spannung und der Erzählfluss leiden müsste. Es beginnt mit einer Geschichte vor langer Zeit. Erst anschließend widmet sich „Demon Days“ dem Schicksal von Mariko, einer jungen frau, die sich in ihrer Umgebung immer wieder fremd und als Außenseiterin fühlt. Dass es dafür Gründe gibt, wird in den 4 Kapiteln der Yashida-Saga erzählt, die jeweils einer US-Ausgabe entsprechen. In den USA freilich haben die Einzelausgaben unterschiedliche Titel, und könnten auch als in sich abgeschlossen betrachtet werden.

In den alten Tagen lebten Menschen und Oni – japanische Oger – nicht mehr in Frieden nebeneinander, sondern die Menschen hatten ihren Platz in der Natur vergessen. Immer wieder trauten sich Oni aus ihren Waldverstecken und vernichteten die Ernten der Menschen. Das Mädchen Tsuki hat die Nase voll und wehrt sich als ein Roter Oni auftaucht. Sie schlägt ihn in die Flucht.

Eine Geschichte in der Geschichte

Tags darauf erschient eine Kriegerin in Begleitung eines Wolfes, namens Logan, und bietet Hilfe an. Doch auch der böse Schlangengott ist zurückgekehrt in den Tempel und die weise Zauberin prophezeit, dass der Schlangengott nur mit hilf der Oni für immer verbannt werden kann. Eine schwierige Aufgabe…

…und eine spannende Lektüre für Mariko, die in ihrer Freizeit gerne Geschichten liest. Die junge Frau fühlt sich ausgestoßen, ist in ihrer Schule Außenseiterin und gerät immer wieder in Konflikte. Da kann auch die rothaarige Gouvernante Kuroki wenig helfen. Immerhin hat sie Mariko auch in Kampkünsten unterrichtet.

Doch Mariko erfährt von ihrer Großmutter, dass sie im Wald aufgelesen wurde, quasi adoptiert. Nun macht sich die junge Frau zusammen mit einer Freundin auf die Suche nach ihrer wahren Familie. Doch der Weg ist bedrohlich und jemand trachtet Mariko nach dem Leben.

Im Grunde ist „Demon days“ eine Geschichte über Identität, die allerdings mit vielen Verweisen auf die japanische Geisterwelt verflochten ist. Oft genug sind diese übernatürlichen Wesen Geschöpfe aus dem Marvel superhelden-kosmos. Fans werden schnell erkennen, dass das Grundgerüst der Story in Wolverines Liebe zu einer Japanerin liegt. Jener Mariko, die hier auch wieder von ihrer Familie bedroht wird.

Superhelden als Naturgeister aka Yokai

Das Artwork ist bezaubernd. Die Zeichnungen sind für Superhelden-Comics ausgesprochen unüblich. Bei Graphic Novels kommt solcherlei aquarellierter Gestus und diese Art von leichtfüßiger Farbgebung eher einmal vor. Darin schwingt auch die grafische Erzählweise von Mangas, japanischen Comics, mit und gerade die Dynamik der Action-Sequenzen ist klassisch.

Dabei sind die eigentlichen Highlights der Illustrationen die organische und gelegentlich ornamentische Formgebung der Hintergründe und Landschaften. Darin kommen die fließenden Farben wunderbar zur Geltung.
Fans werden sicher spannend erwarten welche Helden vorkommen und wie die einzelnen Marvel-Charaktere in die Geschichte eingebunden sind. Da gibt es einige Überraschungen, anderes ist schnell ausgemacht wie die Elementargeister Thor und Storm oder der böse Schlangengott Venom. Außerdem gibt es noch Black Widow, Red Hulk, Mystique, Wolverine, Spider-Man zu entdecken. Aber das sollte jede:r Leser:in selbst entdecken.

„Demon Days“ überzeugt mit einem herausragenden Artwork, das angelehnt ist an die traditionelle japanische Aquarelltechnik. So eine gelungene Fusion von Ost und West, von Tradition und Moderne bekommt die Leserschaft selten geboten. Die Story ist wendungsreich und spannend. Die Einbindung der Marvel-stars als „Naturgeister und Gottheiten ist nicht nur ungewöhnlich, sondern faszinierend.

Comic-Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

Demon Days: Mutanten, Monster und Magie
OT: Demon Days: Blood Feud (2021) 1, Demon Days: Cursed Web (2021) 1, Demon Days: Mariko (2021) 1, Demon Days: Rising Storm (2021) 1, Demon Days: X-Men (2021) 1, Marvel Comics, 2021
Autorin, Zeichnerin, Farben: Mariko Yashida
Englische Dialoge: Zack Davisson
Übersetzung: Alexander Rösch
ISBN: 9783741629204
Verlag: Panini Comics, Softcover, 172 Seiten
VÖ: 11.10.2022

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