Space Bandits: Telepathische Weltraum-Echsen und viel Wut

Es ist und bleibt eine Win-Win-Stuation: Seit Comic Autor Mark Millar bei Netflix unter Vertrag steht und dort Stoffe und Stories für diverse Bereiche und Medien entwickeln darf. Kommen mit beständiger Regelmäßigkeit lesenswerte neue Kurzserien auf den Comic-Markt. Hierzulande veröffentlicht Panini die knackigen Stories. Nun kommt mit „Space Bandits“ ein knackig Inszenierter Rachefeldzug zweier Damen in zukünftigen Welten auf dem Markt.

Die beiden (Anti-)Heldinnen in „Space Bandits“ treffen sich – wie sich das für böse Jungs und Mädchen gehört im Knast. Tun sich zunächst zwangsweise zusammen, um wieder herauszukommen und setzen die gelungenen Zusammenarbeit dann für einen konsequenten Rachefeldzug fort. Rache an denen, die sie sitzen gelassen haben.

Im Falle des kriminalistischen Genies Cody Blue handelt es sich dabei um ihre ehemalige Gang. Die hatte Cody extra aus den ruchlosesten aller Gauner zusammengestellt um eine Serie spektakulärer Raubüberfälle durchzuführen. Für die vier Kerle war klar, dass, egal wie hoch die Beute ist, lieber durch vier als durch fünf geteilt wird, also lassen sie das Chick über die Klinge springen. Cody überlebt, wird aber eingebuchtet.

Thena Khole ist eine gesuchte Straftäterin, die sich ihren Ruf versilbern wollte. Mit ihrem damaligen Lover hat sie quer durch die Galaxis immer dieselbe Masche durchgezogen. Ihr Kerl liefert sie den Behörden aus und sackt das Kopfgeld ein, später befreit er seine Liebst wieder. Doch ausgerechnet bei dem letzten Coup zeigt der Gigolo sein wahres Gesicht und lässt Thena gleich bei den Bullen und macht sich mit der Kohle vom Acker.

Zum Glück treffen sich die beiden toughen Ladies in der Strafkolonie „Das Krebstier“. Der Ort heißt nicht umsonst so, denn eine riesige lebende Krabbe hängt wie ein Asteroid im All herum und wird als Gefängnis genutzt. Eigentlich gilt der Hochsicherheits-Knast im Weltraum als ausbruchssicher. Eigentlich…

Dass Comic-Autor Mark Millar ein erzählerisches Ausnahmetalent ist, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Schließlich wurden auf diesen Seiten schon diverse Millar Titel vorgestellt („Reborn“, „Genosse Supermann„, „Kick-Ass: Frauenpower“, „Secret Service“ aka „Kingsman“). Nun ist es allerdings so, dass Millars Netflix-Veröffentlichungen ein bisschen wirken wie von der Stange.

Das ist so weit nicht anstößig und immer noch von hoher Qualität was Story und Artwork angeht, aber das Muster ist etwas schematisch. Alle Stories sind über fünf oder sechs US-Einzelhefte entwickelt und werden später in einem Sammelband erneut veröffentlicht, der in sich abgeschlossen ist.

Millars Geschichten waren schon immer voller Zitate aus Popkultur und Variationen neuerer Geschichte insofern ist es auch etwas gemein, nun zu behaupten, früher waren Millars Geschichten origineller. Schließlich hat der Mann die Messlatte selbst immer höher gelegt.

Fakt bleibt aber auch, dass die Stories häufig (wie etwa „The Magic Order“) diverse andernorts erfolgreiche Zutaten mischen, etwas Eigenes hinzufügen und mit solidem Gespür für mainstreamtauglichen Geschmack auf den Markt geworfen werden. Wenn eine Idee richtig Absatz findet, gibt‘s einfach eine zweite in sich abgeschlossene Runde.

Das Artwork der Netflix-Veröffentlichungen ist eigentlich immer auf extrem hohem Niveau und Millar steht ein ganzer Pool an Kreativen zur Seite, weshalb einerseits die Veröffentlichungsfrequenz so hoch ist, und andererseits immer ein geeigneter Zeichenstil zur Verfügung steht um die Story des Masterminds umzusetzen.

Matteo Scalera arbeitet mit Schraffuren und Splash Pages, starken Lichteffekten und sehr dynamischem Action-Sequenzierungen. Das Charakterdesign ist sehr ausdrucksstark und die beiden Space Amazonen kommen kernig und mit weiblichem Selbstbewusstsein daher. Also Alles im Lot, aber auch kein Flash.

Mit „Space Bandits“ liefert Hit-Maschine Mark Millar erneut einen lesenswerten Comicausflug in zukünftige Welten. Starke Charaktere, viel Action und einige kauzige Idee machen aus dem intergalaktischen Roadtrip ein turbulentes Lesevergnügen.

Comic-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Space Bandits
OT: Space Bandits 1- 5, Netflix Entertainment, 20200
Genre: Comic, Science, Fiction, Action,
Autor: Mark Millar
Zeichner: Matteo Scalera
Farben: Marcelo Maiolo
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Leseempfehlung ab 16 Jahren
ISBN: 4-192862-220002
Verlag: Panini Comics, Softcover, 164 Seiten,
VÖ: 26.05.2020

Space Bandits bei Panini Comics

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