Batman: Der letzte Ritter auf Erden

Für das „Black Label“ bei DC Comics darf es ja gerne mal etwas abseitiger sein und die Kreativen müssen sich nicht an Kontinuität und Plausibilität der laufenden Serien halten. Mit „Der letzte Ritter auf Erden“ legen Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo einen post-apokalyptischen Road Trip hin, der für Bruce Wayne alias Batman die Grenzen des Wahnsinns ausloten. Das ist ebenso düster wie wendungsreich und eine sehr gelungenen Batman-Dystopie.

Der brutale Tod seiner Eltern, die ausgeraubt und erschossen wurden, ist für Bruce Wayne nach wie vor das große Trauma seines Lebens. Ausgerechnet diese Situation macht sich jemand zu Nutze, als Batman in eben jener engen Gasse eine mechanische Kinderpuppe findet. Die Puppe explodiert und Bruce Wayne findet sich in der geschlossenen Abteilung des Arkham Asylums wieder.

Während Wayne darauf beharrt, Batman zu sein beharren die Ärzte und auch Bruces Vertrauter Alfred Pennyworth darauf, der Millionär habe sich das alles nur eingebildet, habe das Klinikpersonal in seine Wahnvorstellungen integriert. Nun aber sei Bruce Wayne endlich wieder aufgewacht und in der Realität angekommen.

Das scheint allerdings gedauert zu haben, den Batman findet sich in einer unbestimmten düsteren Zukunft in einer Wüste wieder. Er findet eine Laterne mit dem sprechenden Kopf des Jokers und macht sich auf den Weg, um rauszufinden, was hier los ist. Die Helden sind verschwunden oder tot, jemand, der sich Omega nennt, hat die Macht übernommen und auf den Weg zurück nach Gotham hat Batman einige überraschende Begegnungen, während der Joker unentwegt plappert und der neue Robin werden will.

Autor Scott Snyder („Batman: der schwarze Spiegel“, „Batman: Die Pforten von Gotham“) und Zeichner Greg Capullo („Spawn: Violator“, Mark Millars „Reborn“) sind in Sachen Flöedermaus-Comic nicht nur Fanlieblinge sondern auch immer wieder für starke Stories zu gebrauchen, die schnell Kultstatus erlangen. So gibt es als englische Sammelausgabe etwa den epischen Story-Dreierpack: „The Court of The Owls“, „The City of Owls“ und „A Death in the Family“, die sogar von der New York Times abgefeiert wurden.

Die Batman Abenteuer der beiden sind also immer wieder einen Blick wert. In diesem Sammelband vereinen sich die drei US-Ausgaben der Geschichte, die über sieben Kapitel und rund 190 Seiten erzählt wird. die US-Ausgaben sind vom Umfang her also bereits Doppelnummern, so dass am Ende eine komplette Miniserie vorliegt, die sich gewaschen hat.

Ein wenig nimmt die Story Mad Max Einflüsse auf, aber welche Ödland-Dystopie tut das nicht, hier und da schimmern Referenzen an „Old Man Logan“ und in Maßen auch an Jeff Lemires „Moon Knight“-Strecke an, aber in sich ist „Batman: Der letzte Ritter auf Erden“ eine Klasse für sich. Wobei es auch noch gelingt andere DC Helden in die Geschichte einzubinden. Es gibt also noch Hoffnung.

Mit „Der Letzte Ritter auf Erden haben sich die beiden zu einem düsteren, postapokalyptischen Abenteuer zusammengefunden, das durchaus surreale Bezüge hat, diverse Handlungsebene und Schauplätze und so eine ziemliche Bandbreite von Capullos großartigem Artwork herzeigt. Man sollte den Anteil nicht unterschätzen, den Tuscher Jonathan Glapion und Kolorist FCO Plascencia an dem atmosphärisch dichten, sehr action-geladenen Epos haben, das düster, dunkle und abgründige erschließt sich ja erst über die entsprechende Farbgebung.

Was Snyder und Capullo mit „Der letzte Ritter auf Erden“ vorlegen ist so facettenreich und in sich schlüssig, dass eigentlich keine Fan-Wünsche offen bleiben; sofern Leser denn auf abgeschlossene Geschichten außerhalb der laufenden Batman-Serien stehen.

Comic-Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

Batman: Der letzte Ritter auf Erden
OT: Batman: The Last Knight on Earth 1 – 3, DC Comics, 2019-2020
Genre: Comic, Superhelden
Autor: Scott Snyder
Zeichner: Greg Capullo
Farben: FCO Plascencia
Übersetzung: Ralph Kruhm
ISBN: 978-3741617973
Verlag: Panini Comics, Softcover, 188 Seiten
VÖ: 26.05.2020

Batman: der letztze Ritter auf Erden “ bei Panini Comics

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