Spider-Man Noir: Babylon bis Berlin

Bei vielen Superhelden sind die Sonderausgaben und Ausflüge aus der „normalen“ Serien-Chronologie und –Handlung das Salz in der Suppe. So auch bei „Spider-Man Noir: Babylon bis Berlin“. Die in sich abgeschlossene fünf US-Hefte umfassende Story von Autorin Margaret Stol und Zeichner Juan Ferreyra entführt einen Parallelwelt-Spidey zum dritten Mal in die abenteuerlichen 1930er Jahre und in eine archäologische Detektiv-Geschichte, an der Indiana Jones seinen Spaß hätte.

Im Jahr 1939 lebt Peter Parker als Privatdetektiv in New York. Als Spider-Man greift er den Gesetzeshütern bisweilen unter die Arme und bekämpft Verbrechen. Zufällig ist Parker am Tatort, als die Leiche der jungen Barfrau Holly Babson in einer finsteren Gasse gefunden wird. Holly hat einen insektenförmigen Kettenanhänger bei sich, der wertvoll aussieht. Peter Parker forscht im Museum nach, wo er nicht nur herausfindet, dass es sich um einen so genannten Zikadenstein handelt, sondern auch noch erfährt, dass Holly die Schwester der deutschstämmigen Museumskuratorin Huma Bergman ist. Zusammen versuchen die beiden den mysteriösen Todesfall aufzuklären.

Die heißeste Spur führt nach Europa, wohin ein Flugzeug mit archäologischen Artefakten unterwegs ist. Parker und Doktor Bergman sind ebenfalls an Bord. Die Reise geht zunächst nach London, später in die Wüste und auch noch ins Berlin der Nazi-Herrschaft. Doch bereits in London macht Peter Parker Bekanntschaft mit einem Superschurken mit Elektro-Kräften, der ebenfalls hinter dem Zikadenstein her ist, und muss als Spider-Man in Erscheinung treten.

Deutschsprachige Leser können sich glücklich schätzen, dass Panini Comics den abgeschlossenen Miniserien der Superhelden auch immer einen deutschen Titel verleiht. So ist „Berlin bis Babylon“ ganz eindeutig von den beiden vorangegangenen Noir-Ausflügen des Spider-Man zu unterscheiden. In Übersee begnügt sich Marvel Comics damit, die Serie schlicht Spider-Man Noir (2020) zu nennen, um sie von den beiden abgeschlossenen Vorgängern von Autor David Hine zu unterscheiden. (die beiden Miniserien sind bei Panini Comics auch als Sammelausgabe „Spider-Man Noir Collection“ erhältlich.

Wie für alternative Welten üblich werden nicht nur der Held sondern auch andere Figuren in die jeweilige Zeit und den jeweiligen Raum versetzt, so dass bei Leser:innen ein Wiedererkennen möglich ist und je nachdem wie originell die jeweilige Figur einbezogen ist, desto packender ist die Alternativwelt-Variante. In „Babylon bis Berlin“ bekommt es Spidey vor allem mit seinem klassischen Gegner „Elektro“ zu tun, dessen Superkraft gut in die Zeit passt.

Der Unterhaltungsfaktor ist hoch und die Geschichte ist eher als klassische Abenteuer-Story a la „Indiana Jones“ aufgezogen als dass hier viel Elemente des Crime Noir, des düsteren Krimis, zu finden wären. Zwar versucht sich Detektiv Parker in eine Reihe mit Marlowe, Spillane und Archer zu stellen, doch die Coolness funktioniert nicht durchgehend. Dafür ist die Geschichte allzu sehr auf archäologische Abenteuer ausgelegt und funktioniert auch für eine jüngere Leserschaft.

Das Artwork von Juan Ferreyra kann sich nicht nur sehen lassen, sondern verleiht der Story erst ihren vollen Charme. Farbauftrag und Konturierung sind angelehnt an das Goldene Zeitalter der Comics ziemlich kräftig ausgefallen, bisweilen erinnert die Pinselführung an Will Eisners Spirit, wenngleich die Charaktere nicht so cartoonesque überzeichnet sind. Die Atmosphäre der Panels ist verwandt. Zudem ist die Farbpalette sehr reduziert gehalten und außer diversen Grautönen und -schattierungen ist es vor allem eine Hervorhebung des Roten, die für zusätzliche visuelle Reize sorgt.

Wer auf außergewöhnliche Abenteuercomics steht und in seinem Superhelden-Alltag gerne man einen Ausflug in Parallel- und Alternativwelten unternimmt ist bei „Spider-Man Noir: Berlin bis Babylon“ goldrichtig. Die Geschichte weiß kurzweilig und genretreu zu unterhalten und die Zeichnungen sorgen für turbulentes Erzähltempo. Fan, was willst du mehr?

Comic-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Spider-Man Noir: Babylon bis Berlin
OT: Spider-Man Noir (2020) 1-5, Marvel Comics, 2020
Genre: Comic, Superhelden,
Autor: Margaret Stohl
Zeichnung & Farben: Juan Ferreyra
Übersetzung: Michael Strittmatter
Verlag: Panini Comics, Softcover, 124 Seiten,
VÖ: 27.04.2021

„Spider-Man Noir: Berlin bis Babylon“ bei Panini Comics

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